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Fall Rupperswil Täter und Staatsanwaltschaft halten sich Tür für Berufung offen

  • Nach dem erstinstanzlichen Urteil im Vierfachmord von Rupperswil (AG) haben sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung angemeldet.
  • Damit halten sich die Parteien die Möglichkeit offen, das Urteil nach Erhalt des schriftlichen Urteils im Sommer difinitiv weiterzuziehen.

Am 16. März hat das Bezirksgericht Lenzburg den 34-jährigen Täter im Vierfachmord von Rupperswil in allen Punkten schuldig gesprochen. Er muss eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verbüssen und wird danach ordentlich verwahrt.

Nun haben Verteidigung und Staatsanwaltschaft mit ihren Eingaben dafür gesorgt, dass die Möglichkeit eines Weiterzugs offen bleibt. Die eigentliche Anfechtung des Urteils erfolgt erst durch die spätere Erklärung der Berufung. Diese muss innerhalb von 20 Tagen nach Erhalt der schriftlichen Urteilsbegründung erfolgen. Letztere ist im Sommer 2018 zu erwarten.

Nach der mündlichen Eröffnung des Urteils vom 16. März hatte das Bezirksgericht den Parteien in einem ersten Schritt das schriftliche Urteilsdispositiv zugestellt. Es handelte sich um einen Urteilsauszug, der auf den Urteilsspruch beschränkt ist und noch keine Begründung enthält.

Gemäss Gesetz hatten die Parteien zehn Tagen ab dem Erhalt des Urteilsdispositivs die Möglichkeit, die Berufung anzumelden. Dies haben der Verurteilte sowie die Staatsanwaltschaft getan. Die übrigen Parteien meldeten keine Berufung an.

Für lebenslängliche Verwahrung fehlt Voraussetzung

Das Bezirksgericht Lenzburg sprach den Beschuldigten diverser Verbrechen schuldig, die meisten mehrfach verübt: Mord, räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, Geiselnahme, sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung, Pornografie, Brandstiftung, Urkundenfälschung und strafbare Vorbereitungen zu Mord und weitere Delikte.

Zudem verpflichtete es den Schweizer, der in der Nähe des Tatorts in Rupperswil bei seiner Mutter wohnte, zur Zahlung von mehr als einer Million Franken für Zivilforderungen, Verfahrenskosten, Gebühren und weitere Kosten.

Für die von der Anklage geforderte lebenslängliche Verwahrung fehle eine wichtige Voraussetzung, hiess es bei der Urteilsbegründung. Der Beschuldigte sei nicht, wie vom Gesetz verlangt, von zwei unabhängigen Gutachtern als dauerhaft untherapierbar bezeichnet worden.

Vier Menschen getötet

Der Mann hatte sich am 21. Dezember 2015 mit gefälschten Schreiben, die ihn als Schulpsychologen auswiesen, Einlass in ein Haus in der Nachbarschaft in Rupperswil verschafft, wo ein 13-jähriger Bub lebte, der im Zentrum seines pädophilen Begehrens stand.

Unter Drohung mit einem Messer brachte er den Buben, dessen 48-jährige Mutter, den noch schlafenden 19-jährigen Sohn und dessen 21-jährige Freundin in seine Gewalt, fesselte sie und verklebte ihnen die Münder. Die Mutter zwang er, Geld von zwei Banken zu holen.

Dann verging er sich am 13-Jährigen. Anschliessend tötete er alle vier Personen, zündete das Haus an und ging weg. Kurz danach suchte er im Internet erneut Knaben, die ihm gefielen, und spähte ihre Familien aus.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Erich Singer (liliput)
    Nur schon der Gedanke das Urteil weiter zu ziehen ist eine Schande und somit geht der Hype für diesen Mörder weiter. Ueber die Opfer hört man nichts. ich hoffe sehr das sich die Behörden, Aemter und Anwälte mit derselben Intensität um die Betroffenen kümmern. Denen gehört unsere Anteilnahme!!
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  • Kommentar von Roland Amsler (rAm)
    Wenn dann eben ein zweites Gutachten für eine dauerhafte Verwahrung fehlt, dann fehlt eben auch die Grundlage für eben diese Verwahrung. Punkt. Ich frage mich jetzt nur, warum denn kein zweites Gutachten erstellt wurde. Unwissenheit, Schlamperei, Sparzwang, Mogelei oder einfach Unfähigkeit...es fällt mir kein plausibler Grund ein. Jetzt im nachhinein Urteile weiterziehen und Steuergelder versenken hilft niemandem. Ausser den Advokaten, welche ja dann schon mal versagt haben.
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    1. Antwort von Nicolas Erni (N_Erni)
      Es wurden zwei Gutachten erstellt. Der Punkt ist, dass die Gutachter ihn nicht als dauerhaft untherapierbar eingestuft haben. Es liegt also nicht an Schlamperei oder sonstigem sondern schlicht daran, dass nicht zwei Gutachten bestehen welche ebendiese Untherapierbarkeit feststellen.
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    2. Antwort von Josef Graf (Josef Graf)
      Herr Amsler, welche Advokaten haben wann und wie versagt?
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    3. Antwort von Adrian Flükiger (Ädu)
      @Amsler: Das was Sie hier behaupten, ist schlicht falsch. Es lagen 2 Gutachten vor. Wenn Ihnen deren Inhalt nicht passt, de haut. Ändert aber nichts daran, dass das Gericht seinen Auftrag wahrgenommen hat. Punkt!
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Auch wenn es dem von den SMM befeuerten Lynchmob nicht gefaellt: Im Gesetz wurde der Strafrahmen fuer Mord von lebenslaenglich auch auf zeitliche Freiheitsstrafe von zehn bis zwanzig Jahren erweitert. Und wenn ein Taeter von den SMM vorverurteilt wird, hat er Anspruch auf eine Minderung der Strafe unter das Maximum. D.h. hoechstens 20 Jahre. Die politische Forderung der Staatsanwaeltin auf ewige Verwahrung, der auch eine Minderheit des Gerichtes erlag, ist hingegen krass gesetzwidrig....
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Vier Menschen aus Spass bestialisch umzubringen ist auch ziemlich gesetzeswidrig. Es ist schon schlimm genug, dass wir Steuerzahler inklusiv die Angehörigen der Opfer in den nächsten Jahren für Prozesse, Therapien und den jahrelangen Gefängnisaufenthalt, der bekanntlich eher einem Aufenthalt in einem oberen Mittelklassenhotel entspricht, zig Millionen zu berappen haben. Aber eben, heute hat der Täterschutz einen viel grösseren Stellenwert als der Opferschutz.
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    2. Antwort von Kurt Wirz (kw)
      Ich bin der Ansicht, dass es sich hier um einen besonderen Fall geht. Das Strafmass (inklusive eine Verwahrung) sollte im Ermessen der Richter liegen und wenn solche Straftäter dauerhaft unter Aufsicht stehen, ist das für die Gesellschaft sowohl Schutz als auch Erleichterung. Der Täter hat Anrecht auf eine angemessene Verteidigung. Aber wir wollen's doch nicht übertreiben von wegen krass gesetzwidrig. Das ist Quatsch. Der Mann gehört weggesperrt und basta.
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    3. Antwort von Josef Graf (Josef Graf)
      Urs Dupont, in der Schweiz ist der Stellenwert des Opferschutzes schon recht hoch, jedenfalls weit höher als noch vor 30 Jahren. Auch das Bezirksgericht Lenzburg gewichtete den Opferschutz hoch. Es verurteilte den Täter ja zu den höchsten zwei Sanktionen, die in diesem Fall möglich waren, zur lebenslangen Freiheitsstrafe und - wegen des Opferschutzes - zu einer dauerhaften Verwahrung. Und ich persönlich würde lieber in einem 2-Sterne-Hotel untergebracht sein als eingesperrt in der Pöschwies.
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