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Schweiz Fallpauschalen: Doch kein Schreckgespenst?

Sie hatten grosse Befürchtungen ausgelöst, die Fallpauschalen in den Schweizer Spitälern. Von blutigen Entlassungen war die Rede, davon, dass Patienten zu früh nach Hause geschickt würden. Nun anderthalb Jahre später: die Bilanz.

Legende: Video Bilanz nach einem Jahr Fallpauschale abspielen. Laufzeit 2:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.05.2013.

Seit Anfang 2012 erhalten alle Spitäler in der Schweiz einen fixen Betrag zum Beispiel für eine Blinddarm- oder eine Meniskusoperation – eine so genannte Fallpauschale. Dieser Systemwechsel habe sich bewährt, sagt Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbandes H-Plus: «Das neue Fallpauschalen-System funktioniert, kann angewendet werden und führt im Alltag nicht zu grösseren Problemen.»

Die Befürchtung, dass Patientinnen und Patienten zu früh aus dem Spital nach Hause geschickt würden, habe sich nicht bewahrheitet: «Wir sehen absolut keine Anhaltspunkte, dass wir dort Probleme haben.» Es werde immer Einzelfälle geben und die müsse man vermeiden.

Fallpauschalen zu tief berechnet

Bei den Investitionskosten sind die Spitäler hingegen nicht zufrieden. Nach dem neuen System müssen sie die Anschaffung moderner Apparate und den Bau neuer Gebäude mit den Einnahmen der Fallpauschalen bezahlen. Doch die Fallpauschalen seien zu tief berechnet und müssten angehoben werden, sagt Wegmüller weiter.

Patienten unzufrieden

Auch gar nicht zufrieden seien die Patienten, sagt Margrith Kessler, Präsidentin der Patientenschutzorganisation. «Vor allem die betagten Menschen sind nicht sehr gut aufgehoben. Sie müssen sehr schnell in die Rehabilitation, in Alterspflegeheime zurück.» Die Angehörigen beklagten sich darüber. Sie seien überfordert.

Eine grundsätzlich positive Bilanz der Fallpauschalen ziehen ebenfalls die Kantone, wie Carlo Conti, Präsident der Konferenz der Kantonalen Gesundheitsdirektoren, sagt: «Allen Befürchtungen zum Trotz ist die Einführung der neuen Spital-Finanzierung ohne grosse Probleme über die Bühne gegangen. Es gibt da und dort noch Kleinigkeiten, die zu verbessern sind.»

Auch die Krankenkassen widersprechen hier nicht: Der Systemwechsel habe funktioniert. Doch die Kosten seien noch zu hoch, sagt Paul Rhyn vom Krankenkassenverband Santésuisse. Die Krankenkassen wünschen sich mehr Wettbewerb unter den Spitälern: «Wir stellen uns vor, dass mittelfristig nicht mehr so viele Spitäler in der Schweiz die ganze Breite aller medizinischer Aufgaben wahrnehmen müssen.»

Spitäler grundsätzlich zufrieden

Hier seien die Spitäler noch nicht am Ziel, sagt Rhyn. Aber es gehe in die richtige Richtung: «Dort wo ganz dringend Anpassungen notwendig sind, werden die Tarif-Strukturen angepasst. So, dass kritische Äusserungen der Spitäler verstummen werden.»

Im Grundsatz also viel Zufriedenheit bei Spitälern, Krankenkassen und Kantonen: Dennoch, um das liebe Geld wird weiter gestritten. Die Tarife für das letzte Jahr sind noch provisorisch: Die Spitäler haben sie angefochten. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden. Und die Tarife der Fallpauschalen für das nächste Jahr werden wieder neu ausgehandelt.

14 Kommentare

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  • Kommentar von A. Vögeli, Birsfelden
    Es gibt immer exotischere Wege, wie man versucht Kosten im Gesundheitswesen einzusparen. Dabei gäbe es eine Variante, welche interessanterweise in der letzten Volksabstimmung abgelehnt wurde. Die Einheitskasse. Sämtliche Administrations- und Werbekosten würden eingespart werden. Nein! Stattdessen will man lieber den Ärzten den Lohn kürzen. Obwohl es in der Schweiz sowieso schon zu wenig Ärzte gibt und diese auch völlig überbeansprucht werden.
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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Fallpauschale hin oder her, egal, solange ich Jaehrlich trotzdem immer mehr Krankenkassenpraemie zahlen muss, ist es fuer mich nur Lug und Trug. Zudem ist jeder einzelne Mensch indivituell, und somit passt das eh nicht ins Bild mit der Fallpauschale. Klar, machne brauchen weniger, andere mehr, das gleicht sich meist aus, doch, was wenn nicht, was ist dann? Genau, die Krankenkassen Praemien werden noch mehr steigen, und die Spitaeler bekommen trotzdem nicht mehr...
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Dann versuchen sie mal ohne Krankenkassen über die Runden zu kommen. Spätestens nach der ersten anstehenden Operation wären sie am Ende ihres Lateins. Zudem sollten nicht Objekte (Spitäler) sondern Subjekte (Versicherte) subventioniert werden. Dann hätten wir mehr Wettbewerb und folglich günstigere Prämien.
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    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      A. Planta: ich hab eine Krankenkasse, und muss trotzdem Jahr für Jahr mehr Leistungen selber zahlen, da der KVG-Katalog zugunsten Zusatzversicherungen (welche jene, die schonmal Krank waren od. eine OP hatten, nicht mehr abschliessen können) gekürzt wird. Dafür werden die Medi-Preise und KVG-Prämie immer teurer - obwohl die übernommenen Leistungen abnehmen... Die Fallpauschale ändert daran nichts... Vgl. mein Beitrag weiter unten... Irgendwann zahlen wir KVG-Prämien für null Leistung...
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    3. Antwort von K. Räschter, Schweiz
      @M. Keller, Thurgau: es gibt nur eine Lösung für das Problem. Dieses KVG wieder rückgängig machen. Denn bei diesem KVG wurden wir damals von der SP-Bundesrätin Dreyfuss belogen und betrogen. Sie sagte vor der Abstimmung: "Wenn das Volk das KVG annimmt, werden die KK-Prämien weniger steigen ... und später sinken ..." Und was ist heute? Der KVG-Leistungskatalog wird vollgepackt mit immer mehr unnötigen Leistungen und zum Teil noch Life-Style Dingen.
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    4. Antwort von M. Keller, Thurgau
      K. Rätscher: dann bekomm ich, wg. meiner chronischen Erkrankungen, gar keine Versicherung mehr, und müsste langsam aber stetig krepieren, da ich mir weder Medikamente noch Behandlung leisten kann.. Und so wie mir wird es sehr vielen ergehen... Warum die Maximallösung? Ich hab weiter unten geschrieben: KVG nach Muster SUVA umkrempeln, und schon wär der Fall gelöst... Die SUVA handelt nämlich nach dem Motto "wirksamste Methode", ohne 80 Verwaltungsrats-Gremien etc... Nicht nach Fallpauschalen
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    5. Antwort von M. Keller, Thurgau
      K. Rätscher (Teil2): zum KVG-Leistungskatalog: nennen Sie mir EINE Leistung, die neu zum KVG hinzugekommen ist. Ich nenn Ihnen ein paar, die GESTRICHEN wurden: Kostenübernahme an Brillen b. Sehschwäche, Immunsensibilisierung b. Allergien, Notfallpauschale wenn man am Wochenende was hat, Alternativmedizin (trotz Abstimmung), versch. WIRKSAME Medikamente gg. versch. Krankheiten, Krankentransporte (inkl. Taxi... Lifestyle? Was für Lifestyle ist im KVG enthalten...
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  • Kommentar von A. Zimmermann, Klingnau
    Natürlich bleiben die Kosten zu hoch, nachdem die Kassen und Kantone den Spitälern die Kosten zurückerstatten, anstatt Preise zu bezahlen! Es bestehen gar keine Anreize für Effizienz und Wirtschaftlichkeit! Genau das war aber eines der Ziele der neuen Spitalfinanzierung.
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