Fasnachts-Knigge: Flüchtlinge wehren sich mit offenem Brief

Die katholische Schweiz feiert Fasnacht: Nach den Massenübergriffen an Silvester in Köln liessen die Luzerner Behörden dafür eine Art Knigge verteilen. Nun melden sich die Flüchtlinge zu Wort. Sie fühlen sich diskriminiert.

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Die Migranten melden sich zu Wort

1:17 min, aus Tagesschau vom 6.2.2016

In Luzern verteilten Verantwortliche vor der Fasnacht Flyer an Migranten mit Zeichnungen. Darauf dargestellt: Neben ganz allgemeinen Verhaltensregeln in der Schweiz auch solche zum Verhältnis zwischen Mann und Frau. Zum Beispiel, dass ein Nein auch ein Nein bedeute und zu respektieren sei.

Gegen diesen Flyer opponieren nun Flüchtlinge – mit einem offenen Brief an die Luzernen Kantonsregierung: Publiziert wurde der Offene Brief in der «Neuen Luzerner Zeitung» vom Samstag. Darin heisst es: «Wir fühlen uns gekränkt durch Ihre Aktionen der letzten Wochen.»

Und weiter: «Sie haben uns als Wilde hingestellt, die aufgeklärt werden müssen. Damit giesst die Regierung zusätzlich Öl ins Feuer und provoziert uns gegenüber Rassismus.» Gezeichnet ist der Brief mit «Flüchtlinge im Kanton Luzern».

«Unter Generalverdacht»

Den Brief mitverfasst hat auch Süleyman Özbayhan, als anerkannter Flüchtling seit fünf Jahren in der Schweiz: «Die Aufklärungskampagne der Regierung stellt uns unter Generalverdacht. Sie werfen uns alle in einen Topf. Das stört uns.»

Den zuständigen Luzerner Regierungsrat Guido Graf überrascht die im Brief geäusserte Kritik. Der Benimm-Flyer richte sich nicht nur an Flüchtlinge, sondern gelte für alle: «Der Auslöser waren verschiedene Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Schlussendlich bin ich auch Regierungsrat im Kanton Luzerner Bevölkerung. Wir haben das präventiv gemacht, weil wir keine Probleme an der Fasnacht haben wollen.»

Inzwischen läuft die Fasnacht in Luzern seit Donnerstag – laut Polizei bisher ohne nennenswerte Zwischenfälle.