Pädophile verhaftet FBI-Hinweise führen zu Festnahmen in Schweizer Pädophilenszene

Ein Kind hält eine Puppe in den Händen.

Bildlegende: Hinter den Hinweisen stecken die US-Internetprovider, die allen Datenverkehr auf verbotene Pornografie filtern. Colourbox

  • Der am Freitag bekannt gewordene weltweite Schlag gegen die Kinderporno-Szene betrifft auch die Schweiz.
  • Die Hinweise der USA führten hierzulande zu 42 Verhaftungen und Strafverfahren.
  • Europol hat vergangenes Jahr rund 3000 Tipps aus den USA zu mutmasslicher Kinderpornografie von Schweizern erhalten.

Seit Freitag ist die Operation «Pacifier» – was so viel heisst wie «Nuggi». Fast 900 Verhaftungen fanden weltweit statt. Nach Hinweisen der US-amerikanischen Bundespolizei FBI wurden auch die Schweizer Strafverfolgungsbehörden aktiv.

Insgesamt meldeten die USA 46 Verdachtsfälle nach Bern, bestätigte fedpol-Sprecherin Cathy Maret Informationen der «SonntagsZeitung». In der Folge kam es in der Schweiz zu 42 Verhaftungen und Strafverfahren.

Mutmasslicher Serientäter überführt

Grösstenteils betreffen die Strafverfahren Konsumenten von Kinderpornografie. Bei der Operation sind aber auch schwerere Sexualverbrechen aufgedeckt worden. Beispielsweise gelang es, einen Vergewaltigungsfall aufzuklären, der sich vor zehn Jahren ereignet hatte. Derzeit befindet sich der Pädophile in Schweizer Untersuchungshaft. Ihm werden zwölf Sexualdelikte zur Last gelegt.

Im Kampf gegen die Verbreitung pädophiler Internetinhalte ist die Zahl der Verdachtsmeldungen in der Schweiz generell stark gestiegen, wie Maret der Agentur sda weiter sagte.

Die Zunahme sei auf die zahlreichen Hinweise des FBI zurückzuführen. Europol habe vergangenes Jahr rund 3000 Tipps aus den USA zu Schweizern bezüglich mutmasslicher Kinderpornografie erhalten, sagte Maret. Die Behörde leite das Material danach an die Schweiz weiter. Das fedpol sichte die Hinweise und schicke diese darauf an die kantonalen Justizbehörden.

«  Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, mit der Einschränkung, dass es kein Spiel ist. »

Dan Alfin
FBI-Special-Agent

Hinter den Hinweisen aus den USA stecken offenbar die amerikanischen Internetprovider, die jeglichen Datenverkehr auf verbotene Pornografie filtern. Bei verdächtigen Inhalten schlagen deren Systeme sofort Alarm, und die Anbieter erstatten Meldung.

Die Polizeioperation «Pacifier» gegen das riesige Netzwerk mit über 150'000 Nutzern lief seit zwei Jahren. Ziel war die Internetplattform PlayPen – übersetzt Laufstall – im geheimsten Teil des Internets, dem Darknet. Aus Italien stammte der entscheidende Hinweis auf die Computeradresse des Betreibers.

Dreissig Jahre Haft für Gründer

So konnte das FBI den Administrator von PlayPen ausforschen. Er wurde Mitte Februar 2015 festgenommen. Von diesem Moment an übernahm das FBI die Kontrolle über PlayPen.

Die drei Hauptverantwortlichen von PlayPen wurden Anfang dieser Woche in den USA zu Gefängnisstrafen von bis zu dreissig Jahren verurteilt, darunter der 58 Jahre alte Schöpfer der Website aus Florida. Es sei die erfolgreichste Aktion gewesen, die jemals vom FBI gegen Kriminelle auf der Darknet-Servicewebsite Tor geführt worden war.

«PlayPen ist geschlossen, aber andere machen weiter», sagte FBI-Special-Agent Dan Alfin. «Wir setzen unsere Bemühungen fort, so gut wir nur können», betonte er. «Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, mit der Einschränkung, dass es kein Spiel ist.»

Zu PlayPen

PlayPen ist nach Angaben von Europol eine der weltweit grössten Kinderporno-Plattformen. Über diese konnten Nutzer Zugang zu grossen Beständen von Kinderpornos bekommen. 370 von den rund 900 mutmasslichen Tätern seien in Europa festgenommen worden. 296 sexuell missbrauchte Kinder seien identifiziert oder gerettet worden.