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Fernverkehrslinien für BLS Für die SBB geht es um mehr als eine Streckenvergabe

Legende: Video SBB will keine Änderung im Fernverkehr abspielen. Laufzeit 19:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.05.2018.

Die SBB ist mit dem Ansinnen des Bundesamtes für Verkehr BAV nicht einverstanden, dass ab Ende 2019 die BLS die Strecken Bern – Biel und Bern – Burgdorf – Olten bedienen soll. Bislang hat die SBB die Passagiere auf diesen Strecken befördert. Die SBB will einen allfälligen Vergabe-Entscheid anfechten, weil sie höhere Preise und eine schlechtere Qualität für die Bahnpassagiere befürchtet.

Ob diese Befürchtung tatsächlich zutrifft, bleibt abzuwarten. Die Tatsache, dass der gesamte öffentliche Verkehr – mit insgesamt über 240 unterschiedlichen Transportunternehmen – heute weitestgehend reibungslos funktioniert, lässt zumindest vermuten, dass dieses «Uhrwerk» durch die Streckenvergabe nicht komplett auseinanderfallen dürfte. Die betrieblichen Abläufe verändern sich höchstens geringfügig.

Zudem ist es ohnehin eine Rückkehr zur Situation von vor 2004: Damals standen sich die SBB und die BLS im Fernverkehr schon einmal als Konkurrenten gegenüber. Komplett neu ist die Situation also nicht.

Politische Grundsatzdiskussion gefordert

Doch die Kritik der SBB geht über die «innerbernische» Streckenvergabe hinaus: Bevor an einzelnen Schrauben gedreht werde, fordert sie eine politische Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Bahnverkehrs in der Schweiz. Es geht der SBB dabei um verschiedene Themen: die Finanzierung der Infrastruktur durch den Fernverkehr, die Rolle der Fernbusse, neue Vertriebskanäle für Billette oder die Zugsverbindungen zwischen der Schweiz und dem Ausland.

Im Bereich der Fernbusse beispielsweise hat das BAV inzwischen bereits einen Entscheid getroffen und sich für mehr Wettbewerb ausgesprochen. Gleichzeitig drängen durch den technologischen Wandel neue Akteure in den Bereich des öffentlichen Verkehrs. Die SBB wird also von verschiedenen Seiten herausgefordert.

Bei gewissen Entwicklungen ist die SBB vorne dabei und ist mitunter sogar die treibende Kraft. Etwa mit dem neuen Mobilitätsangebot «Green Class». Sie verschliesst sich dem wandelnden Umfeld also keinesfalls.

Gleichzeitig verteidigt sie ihr angestammtes Geschäft – vor allem, wenn es einträglich ist wie der Fernverkehr. Demzufolge ist nachvollziehbar, dass sich die SBB jetzt lautstark zu Wort meldet.

Matthias Heim

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Matthias Heim hat an der Universität Bern und Stockholm Wirtschaftsgeschichte, Staatsrecht und Kunstgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für SRF; unter anderem als Produzent und Redaktor bei SRF 4 News. Seit 2016 ist er auf der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF. Zu seinen Hauptthemen gehören Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Sandro Bachmann (S. Bachmann)
    Die SBB sollte sich besser einmal um die Qualität und Pünktlichkeit ihrer Dienstleistung der Fahrgäste gegenüber bemühen, Oft hört man über den Lautsprecher, dass der Zug -so und so- in einer verkürzten Version fährt und dies zu Stosszeiten. Bei diesen unverschämten Billettpreisen haben wir Fahrgäste das Recht, nicht zusammengepfercht wie in einem Schweinetransporter zu reisen.
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  • Kommentar von Heinrich Kamber (maleeb)
    Seit Jahren ist kann man sich nicht mehr auf die Fahrpläne der SBB verlassen. Zum Beispiele haben mehr oder weniger alle Züge der SBB von Visp nach Bern regelmässig so viel Verspätung, dass ein Anschluss laut Fahrplan auf andere Linien der SBB nicht mehr gewährleistet ist. Ich bin sehr froh, wenn die SBB alle Verbindungen auf der Linie Visp Bern an die BLS bald einmal abtreten wird.
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  • Kommentar von Stefan Hofmann (Stigu)
    Guter Plan, wenn das eine Staatsunternehmen gegen das andere ausgespielt wird... Es muss das ganze System von Fernstrecken über Regionalstrecken betrachtet werden und wie das am effizientesten und effektivsten von Schweizer Staatsbetrieben angeboten werden kann. Angst macht mir, wenn Infrastruktur "liberalisiert" wird. Qualität und Service wird abnehmen, Rosinenpickerei zunehmen und der Gewinn wird teilweise ins Ausland abfliessen (Hedge Funds), siehe Eisenbahn in UK oder die Telekommunikation.
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