Fingerabdruck mit Folgen: Weniger Wintergäste aus China

Erstmals seit zehn Jahren sind die Gäste aus China im Winter leicht rückläufig. Schweiz Tourismus sieht den Grund im seit November verlangten Fingerabdruck für ein Schengen-Reisevisum. Was tun? Mehr Visa-Annahmestellen, um die Schweiz als Hauptaufenthaltsort in die Reiseprogramme zu bringen.

Touristen aus China auf dem Titlis.

Bildlegende: Touristen aus China geniessen den Titlis. Es dürften ruhig wieder mehr sein, sagt Tourismus Schweiz. Keystone/Archiv

Schwierige Zeiten für den Schweizer Tourismus. Der starke Franken schreckt viele Gäste ab. Auch die Terroranschläge wirken stark abschreckend auf Gäste aus Übersee. Neben den Währungsproblemen kämpft das Tourismusland Schweiz aber auch noch mit bürokratischen Hürden. Ausgerechnet auf dem bisher wichtigsten und grössten Wachstumsmarkt China.

Grund ist der seit letzten November verlangte Fingerabdruck für ein Reisevisum in den Schengen-Raum. Chinesinnen und Chinesen, die in der Schweiz oder sonst irgendwo im Schengen-Raum Ferien machen, müssen deshalb persönlich auf dem Konsulat erscheinen.

«Handelshemmnis»

Das Problem fasst Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid wie folgt zusammen: «Im grossen Land China gibt es somit Gäste, die nur schon für das Visum eine lange und beschwerliche Reise auf sich nehmen müssen. Dies ist ein Handelshemmnis und hält einige davon ab.»

Das Handelshemmnis macht sich bereits in den Gästezahlen bemerkbar. Denn nach zehn Jahren Wachstum gibt es in diesen Wintermonaten zum ersten Mal ein leichtes Minus bei den Chinesen als einer der wichtigsten Gästegruppen.

Um schneller chinesische Fingerabdrücke zu sammeln, hat der Bund im Januar drei neue Visa-Annahmestellen in China eröffnet. Allerdings waren andere Länder schneller. Dieser Vorsprung ist relevant.

Andere Länder sind schneller

Denn beantragt ein chinesischer Tourist beispielsweise auf der französischen Botschaft sein Visum, muss er in Frankreich einreisen oder zumindest einen grossen Teil seiner Europareise dort verbringen.

Für die Marketingorganisation Tourismus Schweiz bedeutet dies also, dass sie die Schweiz in den Programmen der Reiseveranstalter als Hauptteil hineinbringen muss. «Wir setzen uns natürlich für eine möglichst lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz ein. Dort sehen wir aber aktuell ganz klar eine Bremsung.»

«  Bei der Aufenthaltsdauer in der Schweiz sehen wir aktuell ganz klar eine Bremsung. »

Jürg Schmid
Direktor Tourismus Schweiz

Kommt hinzu, dass es einige Länder angeblich weniger streng mit den Bestimmungen nehmen. Auf chinesischen Reiseblogs gibt es offenbar Empfehlungen, bei welchen Staaten ein Visum besonders leicht erhältlich ist.

Bund plant weitere Visa-Annahmestellen

«Auch wir hören, dass andere Länder da irgendetwas breiter interpretieren. Dazu möchte ich mich aber nicht weiter äussern», sagt Schmid. Er bleibt zuversichtlich: Die wichtige Reisezeit für Asien komme erst noch. Auch plane der Bund neun weitere Schweizer Visa-Annahmestellen, so dass Chinesen ihre Fingerabdrücke künftig leichter abgeben können.