Fitnessprogramm für Maturanden in Mathe und Deutsch

Die Kritik aus den Universitäten an den teils mangelhaften Mathematik- und Deutschkenntnissen von Studienanfängern hat Folgen. Nun wollen die Kantone die Schraube «etwas anziehen» – mit einem einheitlichen Kompetenzen- und Notenkatalog für Maturanden.

Wer die Matura hat, ist reif fürs Studium. Oder sollte es zumindest sein. Ist aber nicht immer so, heisst es bei den Universitäten. Bereits 2008 hatte eine Evaluation ergeben, dass ein Teil der Schweizer Maturanden in wichtigen Bereichen von Mathematik und Erstsprache nur über ungenügendes Wissen verfügt.

Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren will nun mit neuen Regeln dafür sorgen, dass die Matura-Abgänger besser gewappnet sind. Es geht um «basale» fachliche Kompetenzen – oder für Nichtstudierte: Neu steht genau im Lehrplan, was man nach dem Gymnasium wissen und können muss.

«  Die Schraube muss etwas angezogen werden. »

Christoph Eymann
Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK)

Die Schraube müsse etwas angezogen werden, sagt EDK-Präsident Christoph Eymann: «Oberstes Ziel ist es, dass jene, die eine Maturität in der Schweiz absolvieren, auch künftig ohne zusätzliche Prüfung an eine schweizerische Hochschule gehen dürfen.»

EDK.

Bildlegende: Die EDK will den prüfungsfreien Zugang zur Universität für Maturanden langfristig sichern. Keystone/Archiv

Die Matura soll also weiterhin einen Studienplatz garantieren. So weiss auch der Biologieprofessor Michael Hengartner künftig besser, was er bei Maturanden voraussetzen kann. Der Präsident der Uni- und Hochschulrektorenkonferenz macht klar: «Mir ist – etwas provokativ gesagt – egal, wieviel Biologie sie haben, sofern ich weiss, was sie haben. Dann kann ich dort ansetzen. Wo ich aber nicht gut nachhelfen kann, ist, wenn sie nicht gut schreiben oder rechnen können.»

Gleiche Qualität bei Niveau und Bewertung

Die neuen Regeln zum Lehrstoff am Gymnasium sollen nach den Worten des obersten Uni-Rektors nun dazu führen, dass ein Student aus dem Aargau oder aus dem Kanton Glarus etwa die gleiche Qualität mitbringen. «Ein Vierer oder ein Fünfer im Gymnasium soll also in etwa das Gleiche heissen.»

«  Ein Student aus dem Aargau oder aus dem Kanton Glarus sollen etwa die gleiche Qualität mitbringen »

Michael Hengartner
Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten

Landesweit klarer definierte Noten und Kompetenzen sind also eines der Mittel für etwas mehr Harmonie zwischen Gymnasien und Universitäten. Das andere Mittel heisst «mehr Austausch zwischen Gymnasium und Universität», wie EDK-Präsident Eymann anführt: So sollen Schülerinnen und Schüler in den oberen Klassen eines Gymnasiums besser mitbekommen, was die Universität von ihnen verlangen wird. Auch damit will man der Kritik aus den Universitäten Rechnung tragen.

Absage an Quoten

Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Kantonen ist zumindest teilweise den Unis zu verdanken. Diese hatten laut über Schwächen der Studienanfänger geklagt und sich überlegt, ob sie deshalb zusätzlich eigene Tests und eigene Quoten für Maturanden einführen sollen. Dieses Thema ist zurzeit vom Tisch.


Fit fürs Hochschulstudium

3:07 min, aus Rendez-vous vom 06.04.2016

Die Erziehungsdirektoren sprechen sich im Gegenzug auch gegen eine nationale Maturitätsquote aus, also dass nur ein bestimmter Prozentsatz der Schweizer Jugendlichen die Matura machen sollen.

Doch wird mit den neuen Regeln die Schraube angezogen? Das Gymnasium strenger? Eigentlich nicht. Einige Kantone oder Gymnasien werden ihren Unterricht aber wohl in Mathematik oder Sprache anpassen müssen, damit ihre Schülerinnen und Schüler ohne Defizite an der Universität starten können.