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Schweiz Flüchtlinge in der Schweiz: Erster Halt – Bahnhof Buchs

Tausende von wartenden Flüchtlingen auf den Perrons sah man in den letzten Wochen an den Bahnhöfen von München oder Budapest. In der St.Galler Gemeinde Buchs sieht die Situation ganz anders aus. Obwohl auch hier täglich bis zu 100 Flüchtlinge ankommen.

Am Morgen, kurz vor acht Uhr, Bahnhof Buchs, Perron 3. Ein Zug aus Graz fährt ein. Eine Handvoll Grenzwächter und gleich viele Polizisten warten, einige von ihnen besteigen den Zug. Kurze Zeit später steigen sie mit zwei jungen dunkelhäutigen Männern wieder aus und gehen mit ihnen ins Zollgebäude.

«Hier werden die Fingerabdrücke von den Daumen genommen und die allfälligen Pässe kontrolliert. So wird überprüft, ob diese Leute schon einmal in die Schweiz eingereist sind», erklärt Peter Hanselmann, Sicherheitschef der Stadt Buchs. Er koordiniert die Aufnahme der Flüchtlinge vom Bahnhof bis in die Notunterkunft.

Gemeinden müssen selber Lösungen finden

Im Zollgebäude werden die Personalien auf einer Liste erfasst und die mitgeführten Sachen kontrolliert. Die Grenzwächter tragen blaue Plastikhandschuhe, sprechen nur das nötigste. Einer vergleicht die aufgenommenen Daten mit einer Datenbank im Computer. Die Atmosphäre ist ruhig, keine Hektik. Nach wenigen Minuten sind die Grenzwächter fertig. Die Flüchtlinge werden auf direktem Weg auf die andere Seite des Bahnhofs zum alten Postgebäude geführt.

Es sei nicht im Interesse der Stadt Buchs, dass es hier Flüchtlinge auf Bahnperrons ungeschützt vor Witterung und Kälte übernachten müssen, sagt Hanselmann. Deshalb hat die Stadt im alten Postgebäude eine Triage-Stelle eingerichtet. Weil der Bund überfordert ist, die Bundeszentren voll sind, müssen die St. Galler Gemeinden, allen voran Buchs, wo die meisten Flüchtlinge per Zug ankommen, selber eine Lösung finden.

Spielzeuge für Kinder

Die Zivilschützer, welche die Triage-Stelle betreiben, begrüssen die Flüchtlinge freundlich und informieren sie über das weitere Vorgehen. Die Leute werden hier verpflegt, in einem Raum liegen Matratzen und Wolldecken. «Den Kindern geben wir hier auch Spielzeuge ab, welche von Privatpersonen bei der Gemeinde abgegeben wurden», verweist Hanselmann auf einen kleinen Extraservice für Jüngsten.

Rauchen können die Flüchtlinge in einem alten Büro im Postgebäude – so sind sie von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Während die Flüchtlinge in Buchs ankommen, läuft im Hintergrund das Telefon heiss. Die Zivilschützer sprechen sich mit dem Kanton ab. Nach zwei bis drei Stunden ist eine passende Notunterkunft gefunden. Mit einem Kleinbus werden die Flüchtlinge nach Sennwald gebracht. Draussen, vor der Zivilschutzanlage, stehen einige Flüchtlinge und reden miteinander. Ein kleines Mädchen sitzt auf einem Spielzeugtraktor.

Warten auf Platz in Bundeszentren

Hanselmann betont denn auch, dass sich die Flüchtlinge hier frei bewegen dürften: «Die Leute sind hier nicht eingesperrt. Sie werden durch die Zivilschutzorganisation betreut, sind aber frei.» Drinnen gibt es Betten, einen Aufenthaltsraum, Tischfussball, Infoblätter an den Wänden – auf Englisch, zum Teil haben die Flüchtlinge die Informationen selbst auf Arabisch übersetzt.

Hier heisst es nun warten, warten bis es weitergeht. Die Zeit totschlagen. Diese Zivilschutzanlage dient als Pufferunterkunft, weil in den Bundeszentren zurzeit kein Platz mehr frei ist. Erst wenn die Flüchtlinge dorthin kommen, beginnt das Asylverfahren und damit die Zukunftsplanung der Flüchtlinge.

Sandalen im Schnee

Sandalen im Schnee

Wie erleben Asylsuchende die Schweiz und das lange Warten auf den Asylentscheid? Sechs Personen schildern ihre Eindrücke. Webreportage

Nachdem der Bund wieder Flüchtlinge übernehmen kann, soll sich die Situation im St. Galler Rheintal wieder etwas entspannen. Noch am Freitag sollen die Notunterkünfte geschlossen werden.

29 Kommentare

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  • Kommentar von Frederick Eichendorf (Frederick Eichendorf)
    Ich habe unserer Migrationsbehörde in Bern schon vor Wochen geschrieben, dass tausende in Österreich warten und was man denn tun würde. Man sieht sich nivht veranlasst etwas zu tun. Damit ist doch klar, dass, je mehr die AT DE Route stockt wir Ausweichroute werden. Zumal nur noch unsere Fernverbindung via Railjet tadello funktioniert. Ich denke Frau Sommaruga möchte die Einwanderung unbedingt, von Unfähigkeit gehe ich hier nicht aus.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Sorry - warum Polizisten, die generell massenhaft Überstunden haben und hohe Löhne beziehen? Warum nicht sozial kompetente Menschen dafür anstellen? Als ob es keine Leute unter den Arbeitslosen gibt, die Flüchtlingen guten Tag sagen können, mit ihnen paar Worte wechseln und Auto fahren können? Völlig wirr, was da an Personal und damit Geld vergeudet wird.
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  • Kommentar von Raphael Kaiser (sifi)
    Es sollen ruhig noch mehr ankommen. Je mehr Flüchtlinge den Weg hierher finden, desto mehr Gedanken machen sich die Wohlstandsverwahrlosten hier, wie man Flüchtlinge verhindern kann. Und die, die jammern wählen nun bestimmt SVP, weil sie denken, es würde sich etwas ändern. Aber denkt daran, SVP und FDP haben dafür gesorgt, dass die Schweiz wieder Waffen in Krisenländer exportieren kann, aber natürlich nur dorthin, wo keine "schwerwiegenden" Menschenrechtsverletzungen stattfinden.
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    1. Antwort von u. Felber (Keule)
      wir beliefern uns ja in erster Linie selbst mit Waffen, haben wir denn Probleme damit? Nein! Vielleicht sollte man sich mal fragen, was mit gewissen Völkern generell nicht stimmt ?!
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    2. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Herr Kaiser, denken sie im Ernst das Schweizer Waffenexporte den Krieg in Syrien oder Irak, oder den Konflikt im Jemen verursacht haben? Dann träumen sie ruhig weiter. Europa sollte sich viel eher von den USA abwenden und deren Politik der Destabilisierung des nahen Ostens verurteilen, damit könnte viel mehr erreicht werden als Waffenexporte zu verbieten. Die SP/Grünen wären jedoch die letzten welche zu so einem Schritt bereit wären, die hätten Russland auch am liebsten mit Sanktionen belegt!
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    3. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      @u. Felber: "was mit gewissen Völkern generell nicht stimmt" Könnten Sie das bitte genauer erklären?
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