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Schweiz Flüchtlingshilfe fordert Konsequenzen im Flüchtlingswesen

Während der Rückschaffung von Vallorbe nach Brig hat eine hochschwangere Syrerin ihr Baby verloren. Ihr Mann beschuldigt die Schweizer Grenzwache, seiner Frau medizinische Hilfe vorenthalten zu haben. Die Schweizer Flüchtlingshilfe verlangt eine Anpassungen der Verfahren im Flüchtlingswesen.

Legende: Video Die Tragödie der Familie Jneid abspielen. Laufzeit 4:08 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.07.2014.

Nach dem gravierenden Vorfall am vergangenen Samstag mit einer jungen syrischen Flüchtlingsfamilie verlangt die Schweizer Flüchtlingshilfe (SFH) die medizinische Notfallversorgung für Flüchtlinge in der Schweiz.

Eine im siebten Monat schwangere Syrerin wurde nach der Durchreise hinter der Grenze in Frankreich zur Rücküberführung nach Italien den Schweizer Behörden übergeben. Auf der Rückfahrt von Vallorbe nach Brig erlitt die Schwangere starke Blutungen. Ihr Mann beschuldigt die Schweizer Grenzwacht-Beamten, seiner Frau über Stunden medizinische Hilfe vorenthalten zu haben. Bei der Rückfahrt nach Italien brach die Frau am Bahnhof von Domodossola zusammen und wurde ins Spital gebracht. Dort wurd ihr Kind tot geboren.

Medizinischer Support beim Grenzwachtkorps nötig

Zum Vorfall, den «10vor10» publik gemacht hatte, sagt Stefan Frey von der Flüchtlingshilfe: «Wir sind alle total schockiert. Wir müssen nun über den Tag hinaus denken. Das ganze Verfahren im Flüchtlingswesen muss überdacht werden. Bei einem Problem muss zuerst die medizinische Versorgung kommen, und erst danach die Bürokratie.»

Gefordert sind laut Frey darum die verschiedenen beteiligten Stellen, damit die Abläufe überprüft werden, wenn etwa Leute im Zug aufgegriffen werden. Dazu müsse ein System aufgebaut werden, bei dem die Leute zuerst in ein Spital oder in die nächste Notfallversorgung kommen, um sicherzustellen, dass sie keine weiteren Schäden davontragen. «Das Grenzwachtkorps muss mit medizinischem Support verstärkt werden. Die Grenzkantone sind auch gefordert, um auf solche Fälle schnell reagieren zu können.»

Die Familie sitz auf einem Bett, die Mutter umarmt ihre älteste Tochtger.
Legende: Nach dem Spitalaufenthalt der Mutter ist die Familie Jneid wieder vereint. SRF

Die syrische Familie von Omar Jneid denkt im Moment nicht ans Weiterreisen. Sie verlangt Aufklärung und juristische Hilfe und erhofft sich diese in Italien und der Schweiz.

Seit der Noteinlieferung der Ehefrau ins Spital in Domodossola war die Familie getrennt. Am Donnerstagvormittag holte Vater Omar Jneid seine sechsjährige Tochter und seinen vierjährigen Sohn ab: «Ich möchte Italien danken. Der Polizei, dem Roten Kreuz, allen, die uns in diesen Tagen geholfen haben. Meine zwei älteren Kinder wurden in Mailand gut behandelt. Sie waren dort in einem Notaufnahmelager.»

Obduktionsbericht bis Ende Woche

Ehefrau Suha Jneid geht es fünf Tage nach der Totgeburt ihrer jüngsten Tochter gut. In Domodossola wurde das Kind am Mittwoch unter grosser Anteilnahme beerdigt. Den Obduktionsbericht wollen die Italiener spätestens am Samstag vorlegen. Anhand der Todeszeit will man erfahren, ob das Kind in Italien oder noch in der Schweiz verstorben ist. Davon ist dann das weitere Verfahren abhängig.

Schwere Vorwürfe des syrischen Vaters

Der Vater und frühere Lehrer aus Aleppo will wissen, wer für die grobe Behandlung seiner Frau durch die Schweizer Beamten verantwortlich ist. Er erzählt von der Rückführungsaktion: «Meiner Frau ging es immer schlechter und ich wollte wenigstens wissen, wo wir sind. Keiner hat mir eine Antwort gegeben. Da habe ich angefangen, in der Zelle mit meinem Handy zu filmen. Irgendwann haben die das gemerkt und gesagt, ich solle aufhören. Dann haben sie es mir abgenommen und gesagt, ich solle alles löschen. Ich wollte nicht und sie wurden grob. Sie haben mich wieder in die Zelle zurückgestossen und gesagt, sie machten erst wieder auf, wenn ich die Aufnahmen gelöscht habe. Oder sie würden das Handy kaputt machen. Daraufhin habe ich die Aufnahmen gelöscht.»

Die Oberzolldirektion wollte sich zu diesen Vorwürfen nicht äussern. Auf Anfrage von «10vor10» bestätigte die Kommunikationsstelle: «Die Untersuchung läuft auf Hochtouren. Es stehen sehr viele Vorwürfe im Raum. Diese sind Gegenstand der Untersuchung.»

Eine lückenlose Aufklärung im Fall der hochschwangeren Ehefrau fordert auch die Schweizer Flüchtlingshilfe. Sie verlangt zudem eine offizielle Entschuldigung durch den Bundesrat.

30 Kommentare

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  • Kommentar von K.Keller, schaffhausen
    Hier haben die wenigsten, das Recht zu Klagen! Ich will nicht wissen, was täglich in Syrien passiert und in ihrem eigenen Land, haben die nichts zu sagen wenn sowas passiert. In den arabischen Ländern, sind die noch im Mittelalter, was Menschenrechte angeht und je mehr in unser Land kommen, je mehr soziale Probleme wird es geben.
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  • Kommentar von B. Küng, Biel
    Zelger, Riedo und Hochuli: die Beschwerden bei der Frau begannen als sie sich auf schweizerischem Staatsgebiet in der Obhut von schweizerischen Grenzwächtern befand. Diese Grenzwächter reagierten nicht, somit haben sie sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht und sind zumindest mitverantwortlich für den Tod des Kindes. Hören Sie also auf, die Grenzwacht in Schutz zu nehmen. Zudem glaube ich nicht, dass sie sich diese ehrlich um eine saubere Abklärung des Sachverhalts bemühen wird.
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    1. Antwort von M. Schenk, Aarau
      "Meister Küng aus Biel, Sie sind ein Hetzer, warten Sie mal die Untersuchung ab und nicht immer Ihre Besserwisserei hier Kundtun!
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    2. Antwort von R. Schneider, Payerne
      Von wegen ehrlich? Bemüht sich die Linke nicht tagtäglich unser System auszuhebeln und zu destabilisieren. Da ist, angefangen vom linksorientierten 10 vor 10, bis zu allen linken Weltverbesserern und sonstigen Gutmenschen alles beteiligt. Die Grenzbeamten machen ihren Job richtig und pflichtbewusst. Fangen sie doch mit ihrem Geheule beim Syrischen Diktator an!
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    3. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      B.Küng aus Biel, das da von Ihnen klingt sehr nach einer Vorverurteilung. Sicher, hier muss geklärt werden, ob eine unterlassene Hilfeleistung zum Tod des Kindes geführt hat. Aber es muss auch geklärt werden, ob die Schwangere nicht auch selber, allenfalls auch ihr Begleiter mitverantwortlich sind indem sie sich eines vermeidbaren Risikos aussetzten, dass sie eigentlich auch hätten erkennen und damit vermeiden können. - Uebrigens die Militärjustiz ermittelt normalerweis gar nicht zimperlich...!
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @B. Küng: Wenn es denn so gewesen ist! Aber persönlich denke ich, dass auch dieser Vater eine beträchtliche Mitschuld trägt. Er hat trotz Krieg im Land noch ein Kind gezeugt & diesem ungeborenen Wesen, seiner Frau & dem Kind, welches sie schon haben erst noch eine langen Flucht zugemutet. Also Verantwortung sieht für mich anders aus.
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  • Kommentar von Verena Meyer, Bäretswil
    ich denke die Grenzwacht tut ihr möglichstest. Haben wir verlernt, wir kommen, wir gehen. Es liegt nicht an uns über ein Schicksal zu urteilen. Dieses Seelchen das hier wieder gegangen ist, wollte vielleicht gar nicht bleiben. Wissen wir es ????
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