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Schweiz Flüchtlingskinder in der Schule

Das neue Schuljahr beginnt. Auch für 10‘000 Flüchtlingskinder, die in der Schweiz leben. Es sind so viele wie seit dem Kosovo-Krieg in den 90er-Jahren nicht mehr. Viele Flüchtlingskinder kommen aus fremden Kulturen. Eine immense Herausforderung für die Schulen, oft auch eine Überforderung.

Legende: Video «Flüchtlingskinder in Schweizer Schulen» abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2016.

Die 7-jährige Kanimoli Yeyamohan geht im Primarschulhaus Waldegg in Horgen in die zweite Klasse. Mit der deutschen Sprache tut sie sich noch schwer, dafür spricht sie gut Englisch. Für die Klassenlehrerin Annatina Kindschi eine grosse Erleichterung: «Kanimoli ist ein Glücksfall. Sie ist sehr wissbegierig und lernt schnell. Die andern Kinder haben dank ihr bereits einige Brocken Englisch gelernt.»

Trotz diesem positiven Beispiel: Ein Flüchtlingskind in der Regelklasse ist für die Lehrerin eine grosse Zusatzaufgabe. Das Kind braucht in- und ausserhalb der Schule mehr Betreuung. Auch Elterngespräche sind wichtiger, denn meist verstehen Eltern eines Flüchtlingskindes Briefe aus der Schule nicht.

Integrationsklassen werden gestrichen

In grösseren Gemeinden und Städten gibt es darum Integrationsklassen. Vielerorts werden diese Kinder dann schrittweise in die Regelklasse integriert. Meist zuerst in nicht sprachintensiven Fächern wie Turnen, Singen und Zeichnen. Immer wieder fallen solche Spezialklassen aber dem Rotstift zum Opfer.

Ein völlig falsche Entwicklung findet Jürg Brühlmann vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz: «Jeder investierte Franken in die Bildung der Flüchtlingskinder zahlt sich aus. Denn nur so können sie später Tritt im Beruf finden. Sonst werden Flüchtlingskinder später zu Sozialfällen und das Sparen wird zum Bumerang.»

Legende: Video «Psychiaterin zum Thema Flüchtlingskinder» abspielen. Laufzeit 1:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2016.

Von individualistischer Gesellschaft überfordert

Für viele Kinder ist nicht nur die Sprache ein grosses Hindernis, genauso schwierig ist der Umgang mit der westlichen Kultur. Eine Überforderung auch für die Lehrerinnen und Lehrer findet Fana Asefaw, Oberärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Littenheid. Sie ist selbst mit ihren Eltern in den 80er-Jahren aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet.

«Diese Kinder sind autoritäre Strukturen gewohnt. In der Familie und auch in der Schule. Viele sind in unserer individualistischen Gesellschaft völlig überfordert.»

Sie bekomme viele Kinder aus Schulen zur ADHS-Abklärung und stelle dann fest, dass diese Flüchtlingskinder vom Krieg traumatisiert seien. Vor allem Kinder, die mit 12 Jahren alleine in die Schweiz geflüchtet seien.

Auch Psychiaterin Asefaw fordert mehr Unterstützung für die Schule, sei es durch Dolmetscher oder durch Personen, die kulturelle Hindernisse überwinden helfen.

34 Kommentare

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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Waren es nicht die Itellektuellen und die Politiker, die diese Migrationswelle verharmlost haben und Toleranz gepredigt haben? Wissentlich sind es nebst den Kriegsflüchtlingen Hunderttausende Migranten, die das Integrationsproblem der Familie und besonders das der Kinder falsch eingeschätzt haben. Die Erfüllung eines "besseren Lebens" sollte nicht die Entwurzelung sein. Alle Vorläufigaufgenommenen sind Abgelehnte, die mal nach Hause gehen sollten. Human? Die Kinder sind Opfer dieser Unordnung.
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      In dem Bericht geht es um Flüchtlingskinder, nicht Migranten.
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    2. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      In dem Filmbeitrag heisst es, dass das Mädchen vor drei Monaten aus Sri Lanka in die Schweiz gekommen ist. In Sri Lanka ist seit sieben Jahren Frieden. Im März hat Sri Lankas Aussenminister seine Landsleute nun zur Rückkehr aufgerufen: http://www.srf.ch/news/schweiz/tamilen-droht-die-rueckschaffung-nach-sri-lanka Genau deswegen habe ich kein Vertrauen mehr in die schweizer Asylpolitik.
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Unbegleitete Minderjährige gehören zu Ihren Eltern. Mit den Kosten für 10'000 und den Nachfolgekosten in der Schweiz können den betroffenen Ländern oder mehr zur Schule gehe wetten.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Sinnvoller Vorschlag, wenn es die Eltern möglicherweise nicht mehr gibt oder sie irgendwo herumirren auf der Suche nach Asyl. Und Sie werden wohl nicht mehr manche Schule finden in Syrien wo sie die Kinder billiger unterrichten können. Wetten?
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  • Kommentar von HP Korn (HaPeChe)
    Beim Lesen der meisten Kommentare wird mit klar: In der Schweiz sind die hochgelobten "christlichen Werte" definitiv verschwunden. Nur noch der menschenverachtende Nationalegoismus zählt. Tröstlich dabei: Auch die Schweiz wird wieder - wie schon oft in der Vergangenheit - Mangel und Armut erleben und die notgedrungen auswandernden Schweizer werden dann anderswo ebenso abschätzig und diskriminierend behandelt werden ....
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Christlich wäre, wenn wir prioritär verfolgte Christen aus arabischen Ländern aufnehmen würden. Aber ich schätzt, das wäre ihnen dann auch wieder nicht recht. Oder?
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    2. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Aber Herr Halbeisen, das wäre im Widerspruch zur Lehre Jesu und dem Neuen Testament ... So wirklich christlich ist ihr Vorschlag nämlich nicht! PS Christen: Plötzlich waren all unsere Foristen, als es um die neue Nationalhymne ging, so wackere felsenfesten Christen ... und ich dachte mir, wart's auch nur einen Tag ab, und sie haben ihr Christsein komplett vergessen. Wie sie's vergessen haben - dieses Forum hier gibt davon Zeugnis.
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    3. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Charles Halbeisen, ihre Forderung steht im krassen Widerspruch zu unserer Verfassung und zu unseren christlichen Grundwerten auch.
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