Fördergelder für Skidestinationen?

Während es immer weniger Skifahrer gibt, bleibt die Zahl der Lifte stabil. Da erstaunt es nicht, wenn deren Betreiber besorgt in die Zukunft blicken. Doch der Bund könnte ihnen jetzt zu Hilfe kommen: Mit einem Impulsprogramm will er Skiregionen unterstützen. Bedingung? Eine klare Strategie.

Video «Bergbahnen in Not» abspielen

Bergbahnen in Not

3:28 min, aus 10vor10 vom 17.4.2015

Immer weniger Leute fahren Ski, doch die Zahl der Bergbahnen bleibt relativ stabil. Wen wundert es da, dass ein grosser Teil der Anlagen nicht gewinnbringend betrieben werden kann. Nun will der Bundesrat den Tourismus mit einem Impulsprogramm von 200 Millionen Franken unterstützen. Und sofern die eidgenössischen Räte das Vorhaben absegnen, könnten davon auch die Bergbahnen profitieren.

Mit Steuergeldern soll jedoch keine teure Strukturerhaltung finanziert werden. Vielmehr müssen die Kantone klare Seilbahnkonzepte vorlegen. Will heissen: Die Bahnen müssen weniger und dafür rentabler werden.

Gönnerschaft trotzt Schneeunsicherheit

Fall Ebnat-Kappel: Noch im Jahr 1977 gastierte der alpine Skizirkus im Toggenburg. Ebnat-Kappel war Austragungsort für Weltcup-Rennen. Doch von diesen Zeiten ist, nebst der Erinnerung, wenig geblieben: Im Ort steht heute nurmehr ein einziger Skilift.

Und der wäre längst nicht mehr, hätten nicht fast 1000 Gönner über eine halbe Million Franken gespendet. Sie haben damit nicht zuletzt dem Umstand getrotzt, dass man im Toggenburg auf knapp 1000 Metern über Meer Jahr für Jahr um den Schnee bangen muss.

Ein Blick aus einer Glacier-3000-Bahn.

Bildlegende: Hier sind die Möglichkeiten und Aussichten besser: Skiregion Glacier 3000. Keystone

Wiederbelebung durch private Investoren

Fall Glacier 3000: Anders präsentiert sich die Situation auf dem Glacier 3000 in den Waadtländer Alpen. Schneemangel ist hier zwar kein Thema. Aber den Unterhalt und die Sanierungen der teuren Anlagen konnte die Bevölkerung nicht mehr finanzieren. Vor zehn Jahren war das Unternehmen sogar Konkurs gegangen. Und Glacier 3000 hat nur dank privater Investoren überlebt.

200 Millionen Franken zur Unterstützung der Bergbahnen

Die Waadtländer schielen aber zeitgleich auch nach Bern. Der Bund plant nämlich ein Impulsprogramm von 200 Millionen Franken zur Unterstützung der Schweizer Bergbahnen. Die Bedingung hierfür: Wer Geld will, muss eine klare Destinationsstrategie aufzeigen.

Diese Destinationsstrategie erklärt Valérie Donzel, Leiterin Regional- und Raumordnungspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), wie folgt: «Es geht dabei darum, von dem kleinräumigen Denken in ein überregionales Denken zu kommen, in eine Destination zu investieren. Nicht überall alles zu machen, um eine klare Positionierung.»

Für die einen besteht Hoffnung, für die anderen bleibt die Erinnerung

Für die Waadtländer Alpen heisst das: Sie sind mit ihrer Strategie auf der richtigen Spur. Denn die einzelnen Stationen haben sich zusammengeschlossen. Die Zahl der Bergbahnen wurde von 13 auf 5 reduziert. Wenig rentable Anlagen werden geschlossen. Und investiert wird gezielt in die Stärken jedes einzelnen Ferienortes.

Mit ihrer Ausrichtung können sich die Waadtländer Alpen vom Bund also rund 30 Millionen Franken an zinslosen Darlehen erhoffen.

Schattenriss eines Skilifts und von Zuschauern.

Bildlegende: In Ebnat-Kappel bleibt die Erinnerung an Tage florierenden Wintersporttourismus. Keystone

Ebnat-Kappel hingegen kann davon nur träumen. Mit Bundesgeldern darf der dortige Skilift Tanzboden nicht rechnen. Denn: laut Thomas Nüesch, Präsident des Skilifts Tanzbodens, Ebnat-Kappel, ist ihr Businessplan darauf angelegt «drei katastrophale Winter zu überleben».

Da bleibt nicht viel Spielraum für Effizienzsteigerung und Strategie. Im Toggenburg wird man also weiterhin vom Ruhm längst vergangener Weltcup-Tage zehren müssen.