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Berner Forscher machen Hoffnung
Aus Puls vom 23.03.2020.
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Forschung auf Hochtouren Kommt die erste Corona-Impfung noch dieses Jahr?

Im Rennen um einen wirksamen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 sieht sich ein Schweizer Team fast schon auf der Zielgeraden.

RBD-CuMVtt. Hinter dieser kryptischen Buchstabenkombination verbirgt sich eine der grössten Hoffnungen im Kampf gegen das Coronavirus. Die Substanz wurde im Labor von Immunologe Martin Bachmann entwickelt.

An der Uni Bern arbeitet der Schweizer eng mit Forscherinnen und Forschern einer chinesischen Universität zusammen. Seit Anfang Jahr dreht sich hier fast alles um das SARS-CoV-2-Virus. Nun ist Martin Bachmann ziemlich sicher, eine wirksame Waffe gegen den unsichtbaren Feind gefunden zu haben.

Die Korona im Visier

Für die Herstellung des Impfstoffs nimmt man, wie weltweit auch viele andere Forschergruppen, einen bestimmten Teil des Virus ins Visier: die Spike-Proteine. Das sind die abstehenden Zapfen, die die Korona bilden und dem Virus seine charakteristische Form verleihen.

Diese Spike-Proteine machen das Virus gefährlich, weil sie wie der Schlüssel sind, mit dem es in die Körperzellen eindringen kann, wo das Virus anschliessend die ganze Zelle in eine Virenfabrik umprogrammiert.

Der Impfstoff soll dies verhindern, indem er den Körper anregt, schon vor der ersten Begegnung mit dem echten Virus Antikörper zu bilden.

Dafür wird aus den Zapfen der Virusoberfläche ein kleiner Bestandteil (RBD-Domäne) isoliert, den der Körper später erkennen kann. Dieses Proteinteilchen wird im Labor vermehrt und auf ein inaktives Virenpartikel geklebt – was schliesslich eine ungefährliche Virenattrappe ergibt, die das Immunsystem zur Produktion der richtigen Antikörper anregt.

Gelangt später ein echtes SARS-CoV-2-Virus in den Körper, wird es vom Immunsystem erkannt und mit den passenden Antikörpern neutralisiert.

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«Man hat eine Riesenerfahrung mit Impfstoffen, die auf virusartigen Partikeln basieren.»
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Der Ansatz der Impfung mit virusartigen Partikeln ist bewährt: «Damit hat man eine Riesenerfahrung», weiss Martin Bachmann. «Speziell bei HPV und Hepatitis B hat sich gezeigt, dass das Superimpfstoffe sind.»

Vielversprechende Tests mit Mäusen

Der schweizerisch-chinesische Impfstoffkandidat wurde bereits an Mäusen getestet – und scheint diese vor den Corona-Viren zu schützen. Immunologe Bachmann verweist mit hörbarer Zufriedenheit auf die Auswertung der Bluttests: «Sie haben hundert Mal bessere Antikörper gebildet als die Mäuse, die nur die RBD-Domäne erhalten haben. Das ist sehr potent.»

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«Im Serum der immunisierten Mäuse hat es hundert Mal mehr Antikörper als bei jenen, die nur die RDB-Domäne erhalten haben. Das ist sehr potent.»
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Während man in Bern auf einen klassischen Impfstoff mit Virenpartikeln setzt, geht man andernorts neue Wege: In den USA wurden letzte Woche erste Tests an Menschen mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff begonnen. Dieser Impfstoff der Gentech-Firma Moderna basiert auf einer Messenger-RNA, eine Art Gencode, die als Botschafter funktioniert.

Statt ein künstlich hergestelltes Viruspartikel einzuspritzen, soll ein genetischer Code der Messenger-RNA den Körper anregen, die virusartigen Eiweisspartikel des Spike-Proteins gleich selbst zu bauen.

Das Prinzip ist anschliessend wieder dasselbe: Das Immunsystem erkennt diese Fremdkörper und bildet Antikörper, die fortan auch das echte Virus neutralisieren können sollen. Soweit die Theorie.

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«Bauanleitung» Messenger-RNA
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Der Impfstoff wird jetzt zuerst an gesunden Probanden auf Verträglichkeit getestet. Auch in Deutschland arbeitet die Firma CureVac an einem solchen Impfstoff. Doch noch ist unklar, ob dieses neuartige Prinzip bei Covid-19 funktioniert.

Generell dämpfen Gesundheitsbehörden und viele Experten zu hohe Erwartungen: auch wenn man die Zulassung beschleunige, daure es mindestens ein Jahr. Gegen die aktuelle Epidemiewelle wird also noch kein Impfstoff zum Einsatz kommen.

Im besten Fall in einem halben Jahr verfügbar

In Bern gibt man sich da deutlich optimistischer. «Im besten Fall, wenn die laufenden Experimente erfolgreich sind, könnten wir in einem halben Jahr Millionen von Impfdosen herstellen», ist Martin Bachmann überzeugt.

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Martin Bachmann will seinen Impfstoff als erster ausprobieren.
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Diese Experimente sollen in den nächsten Wochen abgeschlossen sein – soweit, dass man mit ersten Tests beginnen könnte. Martin Bachmann will nun Kontakt mit der Zulassungsbehörde Swissmedic aufnehmen und hofft auf ein stark abgekürztes Verfahren. «Ich bin sehr zuversichtlich – und werde den Impfstoff sicher als erster ausprobieren.»

100 Millionen für die Schweizer Impfforschung

100 Millionen für die Schweizer Impfforschung

Der Immunologe Martin Bachmann war in den letzten Tagen intensiv auf der Suche nach potenten Geldgebern, die er für die Finalisierung seiner Forschung und die Herstellungen eines Impfstoffs für die ganze Schweiz dringend benötigt.

Während der Dreharbeiten mit «Einstein» eröffnete er Moderator Tobias Müller die gute Nachricht: Die Stiftung des Universitätsspitals Zürich versucht derzeit potente Spender dazu zu bewegen, sein Team und andere Impfforscher in der Schweiz mit insgesamt 100 Millionen Franken zu unterstützen.

Bachmann gegenüber «Einstein»: «Ja, das ist ein unglaublicher Betrag, und es ist auch wahnsinnig, dass das jetzt anscheinend passiert. Das hat es sicher noch nie gegeben. Aber so eine Situation hat es halt auch noch nie gegeben.»

Sendehinweis:

Einstein und der Kampf der Wissenschaft gegen Corona
Donnerstag, 26. März, um 21:05 Uhr auf SRF 1

Coronavirus – Die Jagd nach dem Impfstoff | SRF Einstein

Puls, 23.03.2020, 21:05 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Jonas Ingold  (Jonas Ingold)
    Wenn man sieht, wie viele Milliarden das Virus kostet und wie viele Menschen darunter leiden, sollte der Bund den Forschenden die 100 Millionen sofort geben, damit der Impfstoff möglichst schnell eingesetzt werden kann.
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Und Hut ab vor Forscher Burkart mit seinem Privatlabor der den selbst entwickelten Impfstoff an sich selbst
    Gespritzt hat. Keine große Umwege machen.
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  • Kommentar von Fabian Sarbach  (F. Sarbach)
    Ich würde mir zweimal überlegen so einen hauruck Impfstoff anzuwenden. In Schweden haben die Opfer des H1N1 Impfstoffes (Schweinegrippe) erst kürzlich Millionenentschädigen erhalten. ( Quelle: der Spiegel). Das Problem ist dass diese Massenimpfungen gerne mit zusäztlichen Adjuvanzien gestreckt werden, was v.a. bei jüngeren einen Amoklauf des Immunsystems hervorrufen kann.
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    1. Antwort von Mario Atreb  (Oiram)
      Impfen ist immer noch freiwillig. Sollen sich die das Zeug spritzen lassen, die noch immer an den Osterhasen glauben.
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    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Sie sprechen die Assoziation von Pandemrix mit Narkolepsie an. Adjuvanzien sind nicht dafür verantwortlich. Der Impfstoff enthielt ein Antigen, das bei gewissen Menschen Gemeinsamkeiten mit einem menschlichen Protein besass. Ein anderer Impfstoff hatte dies nicht. Die Gefahr Nakrolepsie zu entwickeln besteht bei den Betroffenen auch bei einer Infektion (ohne Impfung).
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4562845/
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