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Forschungsanstalt Agroscope Bauern wehren sich gegen Zentralisierung

Legende: Audio Zürcher Bauern beschliessen eine Resolution gegen die Agroscope-Zentralisierung abspielen.
2:35 min, aus HeuteMorgen vom 05.04.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Agrarforschungsanstalt Agroscope soll zentralisiert werden – die bisherigen zwölf Standorte sollen im Kanton Freiburg zusammengelegt werden.
  • Grund für die Zentralisierung der landwirtschaftlichen Forschung des Bundes sind Sparmassnahmen.
  • Bauern sowie Kantone können diesen Sparplänen allerdings wenig abgewinnen.
  • Die Delegierten des Zürcher Bauernverbands haben nun eine Resolution verabschiedet, um sich gegen die geplante Schliessung der Standorte Reckenholz und Wädenswil zu wehren.

Der Bundesrat will beim landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Agroscope sparen: Aus den zwölf Standorten soll künftig noch einer werden – in Posieux im Kanton Freiburg. Alleine im Kanton Zürich müssten deshalb zwei Standorte geschlossen werden. Hunderte Angestellte wären betroffen.

Die Meinung an der 176. Delegiertenversammlung des Zürcher Bauernverbands ist deshalb einhellig: Von den Zentralisierungsplänen der Agrarforschungsanstalt halten die anwesenden Bauern nichts.

Legende: Nur Posieux soll als Agroscope-Standort übrig bleiben. SRF

Gerade Zürich als bedeutender Hochschulkanton sei ein Ort, wo zwingend auch landwirtschaftliche Forschung betrieben werden müsste, so der Tenor. Die «Nähe zur Forschung» würde verloren gehen, sagt ein Zürcher Bauer an der Versammlung.

Angst vor Einsparungen in der Forschung

Mit der Zentralisierung werde die Landwirtschaftsforschung in der Schweiz geschwächt. Dabei lebe diese gerade von der Vielfalt der Schweizer Regionen, sagt ein weiterer Bauer: «Die Landwirtschaft ist ebenfalls dezentral, eine dezentrale Forschung ist deshalb wichtig.» So oder so dürfe nicht an der Forschung gespart werden.

Wir wollen an der Infrastruktur sparen, um diese Gelder wieder neu investieren zu können.
Autor: Eva ReinhardLeiterin Agroscope

Man wolle eben gerade nicht bei der Forschung sparen, entgegnet Agroscope-Leiterin Eva Reinhard diesen Befürchtungen: «Wir wollen an der Infrastruktur sparen, um diese Gelder wieder neu investieren zu können.» Für sie sei es kein Abbau, sondern «eine zukunftsgerichtete Stärkung».

Ein Forscher prüft an ein Pflanzenschutzmittel an Gemüse
Legende: Geht es nach dem Bundesrat, gibt es künftig nur noch einen Agroscope-Standort. Keystone

Dieses Bekenntnis ist den Zürcher Bauern allerdings zu wenig. Sie wollen weiterhin eine Agroscope mit zwölf Standorten in der ganzen Schweiz. An der Versammlung in Bonstetten haben sie deshalb eine Resolution mit dieser Forderung verabschiedet.

Kantone stehen hinter den Bauern

Zusätzlich erhalten die Bauern Rückendeckung von der Zürcher Kantonsregierung. Er werde sich beim Bund für die Agroscope-Standorte einsetzen, sagte der Zürcher Regierungspräsident und frühere Landwirt Ernst Stocker am Rande der Versammlung: «Der Bund muss sich bewusst sein: Der Kanton Zürich ist Wirtschaftsmetropole aber auch Agrarkanton. Dem ist Rechnung zu tragen.»

Der Bund muss sich bewusst sein: Der Kanton Zürich ist Wirtschaftsmetropole aber auch Agrarkanton.
Autor: Ernst StockerZürcher Regierungspräsident SVP

Stocker ist mit seiner Meinung nicht allein. Auch in anderen Kantonen formiert sich Widerstand. Wie viel dieser bewirken kann, wird sich noch vor den Sommerferien zeigen – wenn der Bundesrat definitiv über die Zukunft der Agroscope entscheidet.

15 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'Sparen, weil überall gespart' überall dort Frau Fizi, wo es um das Gemeinwesen geht. Die Bauern, manche nocht fest im Griff von der Agroindustrie, sind eigentlich die Basis einer jeden Gesellschaft. Sie hätten dafür zu sorgen, dass die Menschen zu Essen haben. Gesunde Nahrung. Doch Konzerne und einige eilfertige Politiker haben es fertig gebracht, dass Bauern sich der unnatürlichen Norm des Neolithischen Kapitalismus beugen. Die prallen Euter von Industrie-Kühen sind Anschauung genug.
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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Die Bauern sollten sich halt auch überlegen, welche Parteien sie wählen wollen. Es ist ausgerechnet jene Partei, die sich mit "Buurezmorge" als Vertreter der Bauern positioniert, die in der alltäglichen Politik dann lieber den Millionären in der Parteiführung Steuergeschenke macht und diese mit Sparmassnahmen an allen Ecken kompensiert. Wenn sie das bei den angeblich so "faulen Beamten" tut wird Beifall geklatscht. Wenn sie es dann auch einmal bei den Bauern tut, beginnt das grosse Wehklagen.
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  • Kommentar von Fritz Niederhauser (Fritzio)
    Das der Bund überall Sparen muss/sollte ist bekannt. Wie viel man mit der Zentralisierung sparen kann, wenn nach 10 Jahren wieder dezentralisiert wird setzte ich ein ??. Von 12 Standorten auf 1 zu reduzieren finde ich nicht gut. Ich würde auf 4 reduzieren verteilt auf unsere Landesteile West / Ost / Nord / Süd
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