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Schweiz Frankreich nimmt pauschal besteuerte Landsleute ins Visier

Frankreich hat den Ton gegen seine pauschal besteuerten Staatsangehörigen in der Schweiz verschärft: Per 1. Januar sollen diese Reichen auch in der Heimat Steuern zahlen. Hohe Wellen wirft das vor allem in der Westschweiz.

Der Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis
Legende: Pascal Broulis: Der Waadtländer Finanzdirektor sagt, dass sich im Moment für pauschalbesteuerte Franzosen nichts ändere. Keystone/Archiv

Für pauschal besteuerte französische Staatsangehörige in der Schweiz wird es möglicherweise bald eng. Frankreich will sie nämlich per Anfang Jahr auch in der Heimat zur Kasse bitten – trotz des geltenden Doppelbesteuerungsabkommens. Für die Betroffenen würde damit die Pauschalbesteuerung arg eingeschränkt oder gar aufgehoben.

«Kriegserklärung»

Für den Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis kommt die von Paris angeschlagene härtere Gangart einer «Kriegserklärung»  gleich. Ein bilaterales Abkommen wie das Doppelbesteuerungsabkommen einseitig derart einzuschränken, gehe nicht unter Wirtschaftspartnern, sagt Broulis gegenüber SRF.

Bislang profitieren viele reiche Franzosen in der Schweiz von der Pauschalbesteuerung. Da sie ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, zahlen sie in Frankreich Steuern nur auf Einkünften aus Aktiengewinnen. Und auch diese Steuer ist relativ gering. So ist es seit 1966 im Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Frankreich geregelt.

Waadt und Genf bangen um Einnahmen

In der Schweiz leben etwa 5500 Pauschalbesteuerte. Davon haben 2000 einen französischen Pass. Fast all jene Franzosen leben in der Westschweiz - wegen der Sprache und der kulturellen sowie geografischen Nähe zu Frankreich. Im Kanton Waadt allein leben 1400 Pauschalbesteuerte.

Viele Menschen sind das nicht, aber es geht um viel Geld. Steuerantwalt Philippe Kenel erinnert daran, dass Pauschalbsteuerte in der Schweiz insgesamt 700 Millionen Franken Steuern zahlten. Für den Kanton Waadt und den Kanton Genf mache dies je über 85 Millionen Franken an Steuereinnahmen aus.

Drohender Wegzug?

Wenn diese reichen Franzosen aber von nun an auch in Frankreich Steuern bezahlen müssen, drohen sie wegzuziehen. Und das wollen die Kantone unbedingt vermeiden. Pascal Broulis sagt, dass sich im Moment nichts ändere für reiche Franzosen im Kanton Waadt. Pauschalbesteuerte würden zumindest aus Schweizer Sicht  immer noch gleich behandelt.

Und eigentlich könnte Pascal Broulis gelassen auf die Ankündigung aus Paris reagieren: So wurde etwa im Kanton Zürich die Pauschalbesteuerung 2010 aufgehoben. Die Hälfte der 2000 dort pauschal besteuerten reichen Ausländer zog zwar weg. Die Steuerausfälle wurden dann aber durch die höheren Abgaben der in Zürich Gebliebenen praktisch kompensiert. Das Ende der Pauschalsteuer war ein Nullsummenspiel. Es wird sich zeigen, ob das auch in den Kantonen Waadt und Genf der Fall sein wird.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Im Kt. Waadt sind die Einnahmen aus der Pauschalbesteuerung 85 Mio. Ikea-Gründer Kamprad soll gemäss Forbes 2011 ein Vermögen von 6 Mrd. besitzen (Bilanz von 2009 schätzte sein Vermögen auf über 30 Mrd.). 85 Mio sind 1.4% von 6 Mrd. Das zeigt doch, wie lächerlich niedrig die Steuern sind, welche die Pauschalbesteuerten in der CH zahlen. Die CH braucht sich wirklich nicht zu diesen Dumpingpreisen anzubieten!
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    1. Antwort von Martin Bracher, Bern
      Wie viele Steuern würde er in der Schweiz bezahlen, wenn er nach Grossbritannien, Irland, Monaco, Luxemburg oder Frankreich umziehen würde? ( Alles Länder welche ein Steuersystem haben mit Steuererleichterungen, welche eindeutigen Pauschalsteuercharakter haben) Wer müsste mehr Steuern bezahlen um die Steuerausfälle zu kompensieren?
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    2. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Sie verwechseln da die Einkommens- mit der Vermögenssteuer. Die Pauschalsteuer ist ein Ersatz für die Einkommenssteuer. Vermögenssteuer kennen die meisten europäischen Länder nicht einmal.
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Ich verwechsle nichts, sondern betrachte die (theoretischen) Einkommen aus Vermögen im Verhältnis zur Steuerbelastung. Es ist an der Zeit, nicht mehr zwischen Erwerbs- und Vermögenseinkommen zu unterscheiden und beide Einkommen zu addieren und steuerlich gleich zu behandeln.
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  • Kommentar von Martin Bracher, Bern
    Warum wird hier verschwiegen, dass schon seit Mitte 2012 klar ist, das die Steuereinnahmen der Pauschalbesteuerten im Kanton Zürich nochmals massiv zurückgehen und unter das Niveau vor der Abschaffung fallen werden, was dazu führt das die Steuerzahler plötzlich eben doch mehr Steuer bezahlen müssen!!
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Die rot-grün dominierten Kantone Genf und Waadt wollen gerne auf die Einnahmen aus der Pauschalsteuer verzichten, schliesslich sind sie ja die treibende Kraft hinter deren Abschaffung. Sie müssen dann halt schauen womit sie die Sozialtöpfe füllen, mit denen sie ihre Wählerschaft bei der Stange halten.
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