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Franziskus in Genf Der Papst ist ein teurer Gast

Franziskus' vergangene Auslandreisen zeigen: Wer den Papst zu Gast hat, muss tief in die Tasche greifen.

Legende: Video Vor dem Papst-Besuch abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.06.2018.

Der Papstbesuch vom Donnerstag treibt das Bistum Freiburg an den Rand des Ruins, SRF News berichtete. Das Bistum allein muss für die Kosten der Messe in Genf aufkommen, für die 40'000 Besucher ist sie gratis. Man rechnet mit Gesamtausgaben von um die zwei Millionen Franken. Geld, das fehlt. Man hoffe jetzt auf Unterstützung der Gläubigen und der Pfarreien.

Wie dem Bistum Freiburg geht es allen Papst-Gastgebern, egal in welchem Land. Wo er seinen Fuss absetzt, werden Millionenbeträge fällig. Es folgt eine Auswahl vergangener Papstreisen und deren Kosten für den Gastgeber. Bei den Zahlen handelt es sich meist um Schätzungen.

Kenia: 3 Tage, 2 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2015 war Franziskus auf Afrika-Reise und machte unter anderem Halt in Kenia. Der Besuch kostete das ostafrikanische Land rund zwei Millionen Dollar, um dies zu bezahlen, riefen die kenianischen Bischöfe zu Spenden auf. Die Regierung hoffte, dass der Papstbesuch Kenias Image aufpolieren würde.

Kolumbien: 5 Tage, 10 Millionen US-Dollar. Der Papst besuchte Kolumbien im Jahr 2017, kurz nach den erfolgreichen Friedensgesprächen zwischen der Regierung und den FARC-Rebellen. Diese Versöhnung stand dann auch im Mittelpunkt der Papstreise. Laut Schätzungen der katholischen Kirche Kolumbiens kostete der Besuch rund zehn Millionen Franken.

Papst Franziskus inmitten kenianischer Kinder
Legende: Der 3-tägige Aufenthalt des Papstes in Kenia kostete rund zwei Millionen Dollar. Keystone

Chile: 4 Tage, 17 Millionen US-Dollar. Dieser Papstbesuch anfangs 2018 löste im Gastgeberland grosse Proteste aus. Autonome Gruppen hatten vor und während des Besuchs gar Kirchen und Kapellen angezündet. Grund für die Proteste waren unter anderem die hohen Kosten. An den 17 Millionen Dollar beteiligte sich die katholische Kirche mit rund sechs Millionen, den Rest bezahlte die Regierung und somit der Steuerzahler.

Irland: 2 Tage. 23 Millionen US-Dollar. Für den kommenden August plant der Papst eine Reise nach Irland. Der Erzbischof von Dublin rechnet mit Kosten von bis zu 23 Millionen Dollar. Gegenüber Medien sagte er, dass die Ausgaben grösstenteils durch Spenden gedeckt werden sollen, ausserdem rechne er mit Unterstützung des Staates.

USA: 6 Tage, 45 Millionen US-Dollar. Im September 2015 war Papst Franziskus auf Nordamerika-Reise. Während zweier Tage besuchte er Kuba und die restliche Zeit weilte er in den USA. Laut der Kommunikations-Abteilung des Bistums Philadelphia kosteten diese sechs Tage rund 45 Millionen Dollar. Finanziert wurde der grösste Teil über Spenden, die amerikanische Bundesregierung stellt für solche Spezial-Events höchstens viereinhalb Millionen Dollar zur Verfügung.

BIld von Papst mit Preisschild
Legende: So ein Papstbesuch kostet natürlich nicht nur, er kurbelt auch die lokale Wirtschaft an. Keystone

Im Vergleich zu diesen anderen Besuchen kommt das Bistum Freiburg relativ günstig weg, was natürlich daran liegt, dass der Papst nur einen Tag in der Schweiz ist. Wobei die geschätzten Kosten von zwei Millionen Franken auch zu tief angesetzt sein könnten, wie der Blick zurück zeigt.

Im Jahr 2004 war der damalige Papst Johannes Paul II für einen Tag zu Besuch in Bern. Die Bischöfe rechneten mit Kosten von zweieinhalb Millionen Franken, tatsächlich wurde das Grossereignis jedoch eine Million teurer. Der gesamte Betrag von dreieinhalb Millionen Franken wurde mit Beiträgen der Kirche, Spenden, Kollekten und Sponsoring bezahlt.

Beim Bund und den Gastkantonen Genf und Waadt werden übrigens auch beim anstehenden Papstbesuch praktisch keine ausserordentlichen Ausgaben fällig. Das EDA erklärt auf Anfrage, dass die Arbeiten bezüglich Sicherheit und Infrastruktur «mit dem bestehenden Personal und den bereits vorhandenen Ressourcen ausgeführt» würden.

Grafik Papstbesuch

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25 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Wenn man bedenkt, dass soviel Geld wie oben beschrieben für die Papstbesuche ausgibt, gibt es schon zum Nachdenken. Mit diesem vielen Geld auch wenn nur die Hälfte könnte man den Hungernden Menschen in Welt und in Kriegsgebieten doch gut helfen. Habe nichts gegen Papstbesuch, aber sie kosten einfach zu viel Geld. Andere hätten es dringender nötig.
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  • Kommentar von Peter Feenstra (Feenstrasse)
    Was geben heute Menschen nicht für einen Konzertbesuch aus? Wenn die Besucher(innen) alle den läppischen Betrag von 25 SFr. der Organisation spenden würden, wären die Kosten schon gedeckt. Was soll man sich da aufregen?
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  • Kommentar von Andreas Hildbrand (AH)
    Es ist beschämend, dass der Papst nicht grundsätzlich und vollumfänglich für die entstehenden Kosten aufkommt. Der Vatikan ist so unfassbar (!!!) reich und machen Länder sehr arm!
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