«Frauen leben in einer Stimmung der Unsicherheit»

Die Frauen in Asylunterkünften müssen besser geschützt werden. Das fordert die Frauenrechts-Organisation Terre des Femmes Schweiz. Die Frauen seien in kollektiven Unterkünften der Gefahr sexueller Gewalt ausgesetzt. Auch hätten sie kaum Zugang zu entsprechenden Beratungsstellen.

Symbolbild: Eine farbige Frau mit Kopftuch in einer Küche, sie rührt in einer Pfanne.

Bildlegende: Frauen in Asylzentren: Sie sind in der Minderheit und müssen besonders geschützt werden. Keystone Archiv

Das Leben in Asylunterkünften ist besonders für Frauen schwierig: Männer sind in der Überzahl und oftmals gibt es keine getrennten Sanitärbereiche. Für Frauen besteht stets die Gefahr der sexuellen Belästigung. Dies prangert die Frauenrechts-Organisation Terre des Femmes an – und fordert Verbesserungen.

Schweiz hält sich nicht an UNO-Konvention

Terre des Femmes hat für eine Studie mit Asylbewerberinnen und Betreuerinnen gesprochen. Der Bericht zeigt: Frauen getrauen sich in kollektiven Asylunterkünften nachts nicht auf die Toilette, unter der Dusche werden sie oftmals von Männern beobachtet, teilweise werden sie sogar Opfer sexualisierter Gewalt. Davor müssten die Frauen, die in vielen Fällen bereits in ihrer Heimat oder auf der Flucht Gewalt erlebt hätten, in der Schweiz unbedingt geschützt werden, verlangt Terre des Femmes.

Die Frauenrechts-Organisation wirft den Schweizer Behörden vor, sich nicht an die UNO-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, CEDAW, zu halten. Diese hat die Schweiz 1997 unterzeichnet. Laut Terre des Femmes verpflichtet die Konvention die Schweiz zu «geschlechtersensibler Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden». Trotzdem gebe es keine klaren Qualitätskriterien für die Unterkünfte, moniert Terre des Femmes. Dies müsse nachgeholt werden.

Stimmung der Unsicherheit

«Für Frauen ist es in gewissen Unterkünften sehr schwierig zu leben», sagt die Projektleiterin bei Terre des Femmes, Simone Eggler. Die Atmosphäre sei dort sehr männerdominiert, die sanitären Anlagen nicht getrennt. «So entsteht eine Stimmung der Unsicherheit für die Frauen. Sie erleben nicht die Sicherheit, die ihnen zustehen würde.»

Durch Massnahmen bei der Infrastruktur würden sich manche der Probleme lösen lassen, ist Eggler überzeugt. In gemischten Unterkünften müssten die Frauen beispielsweise auf einem eigenen Stockwerk untergebracht und die sanitären Anlagen strikt getrennt werden. «Das ist zum Teil mit einfachen Mitteln möglich.» Zudem müsse bei Neu- und Umbauten dieser Aspekt miteinbezogen werden.

Frauenspezifische Betreuung fehlt

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Betreuung in den Asylunterkünften: «In den letzten Jahren wurden die sozialarbeiterischen Aufgaben immer mehr gekürzt und dafür das Sicherheitspersonal aufgestockt», stellt Eggler fest. Wenn es dann zu Fällen von Diskriminierung oder Gewalt komme, sei niemand da, um den Opfern zu helfen. Deshalb brauche es insbesondere auch Betreuerinnen für die Frauen in Asylunterkünften.

Gerade in der aktuellen Situation mit einer massiven Zunahme an Flüchtlingen und Asylgesuchen auch in der Schweiz brauche es nicht nur die Diskussion um die Anzahl Unterkünfte, sondern auch um die Qualität der Unterbringung für die Asylbewerber. «Von Seiten des Bundes und der Kantone müssen gegenüber den Betreibern der Unterkünfte Qualitätskriterien festgelegt werden», fordert Eggler. Hier bestehe derzeit in keiner Weise Transparenz, ob es solche Kriterien bereits gebe und wie diese allenfalls aussehen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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