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Schweiz Freikirchliche Pflegefamilien: Fluch oder Segen?

Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden platzieren Kinder überdurchschnittlich häufig in Pflegefamilien mit einem freikirchlichen Hintergrund, auch mangels Alternativen. Das sei heikel, sagen Kritiker.

Eine Familie mit sechs Kindern steht um einen Tisch und betet.
Legende: Inwiefern hat ein Pflegekind die «Wahl» beim Tischgebet mitzumachen oder nicht? Die Meinungen gehen auseinander. Reuters/Symbolbild

Pflegekinder kommen häufig in Familien unter, die einer Freikirche angehören. Offenbar haben die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) mangels Alternativen keine andere Wahl: Es stellen sich nicht genügend andere Familien zur Verfügung. Überdies seien die Freikirchler hilfsbereit und traditionell ausgerichtet, berichtete der «Blick». Der Vater arbeitet und die Mutter ist Hausfrau. Das vereinfache die Betreuung.

Sektenexperten Georg Otto Schmid gibt im Gespräch mit SRF zu bedenken, dass diese Tendenz je nach Herkunft des Pflegekindes problematisch sein könne: «Kinder können in Konflikte geraten, wenn die Weltanschauung ihrer biologischen Eltern und die Weltanschauung der Pflegeeltern sehr unterschiedlich sind.» Die Kinder wüssten so nicht, welcher Weltanschauung gegenüber sie loyal sein sollen. Konkret denkt Schmid an eine Situation, in der «die eine Partei aus Sicht der anderen verloren ist».

Wer kommt in den Himmel?

Ein Pflegekind ohne freikirchlichen Hintergrund höre in der Gemeinde der freikirchlichen Pflegeeltern beispielsweise plötzlich, dass «nur Menschen, die glauben wie wir» später in den Himmel kämen. Das könne beim Pflegekind Angst um das Wohl seiner biologischen Eltern hervorrufen, so der Experte, der die kirchliche Informationsstelle «Relinfo» betreibt.

Es ist heikel, wenn eine Partei aus der Sicht der anderen verloren ist.
Autor: Georg Otto SchmidSektenexperte

Das sehen nicht alle so: Max Schläpfer ist Präsident des Verbandes «VFG-Freikirchen Schweiz». Er sagt, dass ein Pflegekind in der Regel nicht mit solchen Konfliktsituationen konfrontiert sei. Das Kind werde auch im schulischen Umfeld mit anderen Weltanschauungen konfrontiert und lerne so, damit umzugehen.

Pflegekinder haben die «Wahl»

Zudem gebe es auch andere Bereiche als die Religion, in der eine Pflegefamilie anders handle und denke, als die Ursprungsfamilie. Es gebe verschiedene Lebensweisen und das Pflegekind lerne zu unterscheiden.

Die Pflegeeltern müssten dem Kind sagen, dass sie an Gott glauben, ihm ihre religiöse Lebensweise erklären, so Schläpfer. Es gelte klarzustellen, dass das Kind nicht mitmachen muss, wenn es das nicht will. «Es darf nicht das Ziel sein, dass die Pflegeeltern in irgendeiner Weise etwas gegen die leiblichen Eltern des Kindes sagen.»

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128 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Kummer, Uhwiesen
    Herzlichen Dank allen Pflegeeltern, die nach Bestem Wissen und Gewissen einen so wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten! Markus 9,37 soll Euch Ermutigung sein! Ich bin auch in einer gläubigen Familie aufgewachsen und lernte schon früh den Unterschied zwischen "verloren" und "gerettet" kennen. Und dafür bin ich unendlich dankbar! Auch in meinem Umfeld hatte und hat es auch heute noch Menschen die noch nicht "Gerettet" sind! Die Freude über meine Errettung hat aber immer überwogen!
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  • Kommentar von p.bertani, sißach
    Kritisieren kann man alles,es beßer machen scheint eher eine andere dimension zu sein. Warum melden sich sogenannte "weltmenschen" dann nicht öfter? fehlt ihnen das von Gott gegebene familienprinzip?
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  • Kommentar von Andrea Keller, Weinfelden
    Herr Schläpfer, Fussball mag eine Religion sein, aber dies in Bezug auf Pflegekinder zu übertragen zeigt eindeutig, dass wesentliches ausgeblendet wird und die Spannung in die Kinder gebracht werden nicht wahrgenommen wird. Blinde Flecke religiösen Ursprungs, Glaube statt Hinsehen, kennen wir das nicht aus der Geschichte? Ein Eigentor. Da lob ich mir die Aussage des Sektenexperten, der aus Sicht des Kindes spricht, passen muss es und das hat nichts mit der Passung von Fussballklubs zu tun.
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