Freilandeier aus Bodenhaltung?

Eine «Espresso»-Hörerin wollte letzte Woche in einer Coop-Filiale Natura-Farm-Freiland-Eier kaufen. Am Gestell entdeckte Sie einen Hinweis, das Produkt könne auch Eier aus Bodenhaltung enthalten. Die Hörerin ist irritiert.

In einer Coop-Filiale im Kanton Bern stiess die Hörerin auf ein Schild am Eier-Gestell: «Produkte mit Freilandeiern können aktuell Eier aus Bodenhaltung enthalten.» Eigentlich hatte sie ein Sechserpack Naturafarm-Eier kaufen wollen. Die Kundin soll also für eine Packung mit günstigeren Bodenhaltungseiern gleich viel bezahlen wie für Freiland-Eier? Sie ärgert sie sich: «Ich fühle mich als Käuferin hintergangen.»

Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» fragt bei Coop nach: Weshalb werden Bodenhaltungs-Eier als Freiland-Eier verkauft? Coop-Mediensprecherin Andrea Bergmann erklärt, es handle sich um einen Fehler: «Das Hinweisschild wurde am falschen Ort plaziert. Es hätte zu den Backwaren gehört.» Die Frage bleibt: Warum steht der Hinweis dann da?

Das Schild gehört eigentlich zu den Backwaren

Schild an Verkaufsregal.

Bildlegende: Mit einem Hinweisschild informiert Coop die Kunden am Eierregal. zvg

Hintergrund ist die Vogelgrippe. Im November 2016 wurden in der Schweiz mehrere tote Wildvögel mit Vogelgrippe-Virus gefunden und der Bund hat Präventionsmassnahmen erlassen: Geflügel darf nur noch im geschlossenen Stall gefüttert werden. Für Schweizer Freiland-Hühner ist das kein Problem, da es in der Schweiz für Freiland-Hühner sogenannte «Wintergärten» gibt, wie Oswald Burch, Geschäftsführer von Gallosuisse, dem Verband der Geflügelproduzenten sagt. Im Ausland jedoch gebe es dies nicht. Darum müssen Freiland-Eier aus dem Ausland in der Schweiz als Bodenhaltungs-Eier deklariert werden. Manche Backwaren, die in der Schweiz verkauft werden, werden im Ausland hergestellt.

In der Schweiz wurden die Präventionsmassnahmen wegen der Vogelgrippe Mitte März wieder aufgehoben. Die Freiland-Hühner dürfen also wieder auf die Weide. Dies gelte aber nicht für alle Länder in Europa, sagt Coop-Mediensprecherin Andrea Bergmann: «Aus Gründen der Transparenz haben wir den Hinweis bei den Backwaren beibehalten.»

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