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Matthias Steinmann ist auf grosse Katastrophen vorbereitet
Aus Schweiz aktuell vom 27.09.2022.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 35 Sekunden.
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Für Blackout gerüstet Dieser Berner Schlossherr hortet 100'000 Liter Heizöl

Soll man sich für die Krise rüsten? Schlossherr und Professor Matthias Steinmann hat sich längst vorbereitet – spielerisch, aber konsequent.

Das Schloss Ursellen ist eingebettet in die liebliche Landschaft zwischen Aaretal und Emmental. Seit gut 40 Jahren bewohnt Matthias Steinmann diesen Barockbau bei Konolfingen BE. Er hat es nach seinem Geschmack umgebaut und eingerichtet.

Auf die drei Hauptgefahren Blackout, radioaktiver Niederschlag und Pandemie sind wir hier gut vorbereitet.
Autor: Matthias Steinmann Schlossbesitzer

Eine Sammlung von Gemälden aus der Zeit ziert die Innenräume. «Ich wollte das Schloss so gestalten, wie es im 18. Jahrhundert ausgesehen haben könnte», sagt der 80-Jährige.

Schloss Ursellen
Legende: Matthias Steinmann wohnt seit 40 Jahren im Schloss Ursellen im Bernbiet. Und bereitet sich auf Blackout, Pandemie und nuklearen Winter vor. SRF

Doch das Schloss ist auch eine Überlebensinsel. «Auf die drei Hauptgefahren Blackout, radioaktiver Niederschlag und Pandemie sind wir hier gut vorbereitet», sagt Steinmann. Er hortet 100'000 Liter Heizöl, hat ein Lager an Kohlebriketts, eine Solar- und eine Warmwasseranlage, ein Lebensmittelvorrat, eine eigene Tankstelle, ja gar Bleiplatten hat er montieren lassen, die bei radioaktivem Niederschlag vor die Fenster kommen.

Im Krisenstab gelernt

Diese Vorbereitungen auf mögliche Krisen hat er bereits vor 20 Jahren getroffen. Steinmann war damals im Krisenstab des Bundesrats. Zigmal habe das Expertengremium die grossen Gefahren geübt, durchgespielt. «Und da habe ich mir überlegt, wie ich selbst vorbereitet bin. So habe ich mein Schloss systematisch ausgerüstet, wie wenn es eine Insel wäre.»

Zur Person

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Legende: Matthias Steinmann. SRF

Matthias Steinmann gilt als Pionier in der Messung der Mediennutzung. Lange war er als Forschungsleiter bei der SRG tätig. Gleichzeitig entwickelte er Systeme zur Erfassung von Einschaltquoten, die er international vertrieb. Er war lange Zeit auch Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Bern, Oberst in der Armee und Krisenkommunikator. Heute ist Matthias Steinmann 80 Jahre alt und lebt mit seiner Frau. Er pilgert häufig, widmet sich intensiv der Schriftstellerei und seiner Stiftung. Die betreibt das Schloss Wyl, das ebenfalls Steinmann gehört und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Er habe die Vorbereiterei damals auch ein bisschen spielerisch betrieben, als Herausforderung. «Heute ist das alles modern, angesichts der Krisen in der Welt.» Als Prepper will er sich aber nicht bezeichnen, vielmehr als Realist, der sich auf Katastrophen vorbereitet. «Was ich tue, ist nicht verrückt. Verrückt ist, dass die andern es nicht tun.» Hat er Angst vor Krisen? «Ich stamme aus der Kriegsgeneration. Da ist immer eine Existenzangst vorhanden», so Steinmann.

Notstromaggregat
Legende: Für alle Fälle steht im Schloss ein Notstromaggregat bereit. SRF

Klar ist für ihn: Krisen sollten möglichst abgewendet werden: «Bei einem Blackout zum Beispiel würden sensible Bereiche nicht mehr funktionieren. Das führt zu Unruhen, sozialen Veränderungen, daher sollte man das vermeiden.» Er selbst ist gewappnet: Sein Notstromaggregat startet wenige Sekunden nach einem Stromausfall.

Kritik an Krisenbewältigung

Auch Atemmasken und Schutzanzüge liegen seit Jahren im Dachgeschoss des Schlosses bereit. Als es während der Covid-Pandemie an Masken mangelte, belieferte er befreundete Ärzte. Sowieso: Die Reaktion der Behörden auf die Pandemie fand Steinmann nicht optimal.

Tankstelle im Schloss
Legende: Das Schloss verfügt über eine eigene Tankstelle. SRF

«Ich glaube, man ist da einfach drauflos gegangen, statt einem systematischen Konzept zu folgen, wo Medien und psychologische Situation der Bevölkerung beurteilt wurden.» Mitunter sei das eine Folge davon, dass der Bundesrat jenen Krisenstab abgeschafft hatte, in dem Steinmann einst als Experte tätig war. «Daher kam nun fast alles aus einem Departement. Nicht alle waren da Krisen-geschult.»

Kohlebriketts
Legende: Für den Fall der Fälle hat Steinmann Kohlebriketts gelagert. SRF

Mehrere Hunderttausend Franken hat er investiert in seine Schlossinsel. Das können nicht alle. Er denke aber nicht nur an sich: «In meinem Keller bringe ich das ganze Dorf unter.» Und er habe auch eine Melkmaschine gekauft – um den Bauern in der Nachbarschaft auszuhelfen, wenn sie ihre Kühe bei einem Blackout nicht mehr melken könnten. Denn einen Stromausfall gibt es bei Steinmann nicht.

Schweiz aktuell, 29.09.2022, 19:00 Uhr

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133 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend liebe Userinnen und User, vielen Dank für die spannende Debatte - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Gusti Pollak  (Gusti Pollak)
    "Mitunter sei das eine Folge davon, dass der Bundesrat jenen Krisenstab abgeschafft hatte, in dem Steinmann einst als Experte tätig war." Ab und zu ist es eine Folge der Abschaffung, ab und zu nicht? Was jetzt von Beidem? Oder bräuchte es wieder mal den Sprach-Krisenstab, der erneut darauf hinweist, dass "mitunter" nicht "unter anderem" bedeutet? Sondern eben "ab und zu", "manchmal", "bisweilen", "von Zeit zu Zeit". Und das nicht mitunter, sondern immer und in jedem, auch im Krisen-Fall.
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Ich versuche nicht paranoid zu werden, wobei ich zugebe, es könnte in dieser Zeit leicht jedem passieren. Als Beispiel haben wir unsere PV-Anlage erst nach dem Kriegsbeginn bestellt, weil wir vorher keine Basis hatten zu deren Aufbau, aber wir haben uns bewusst gegen eine Netz-unabhängige Anlage entschieden, weil dies nach unseren Abklärungen unverhältnismässig hohe Mehrkosten gebracht hätte. Dies Angesichts der erwarteten kurzen Zeit von Blackouts (Stunden bis maximal einige Tage).
    1. Antwort von Ewald Trutmann  (trutwald)
      Schön dass Sie auch etwas getan haben. Aufgrund Ihrer Kommentare fast ein Wunder. Ihre PV-Anlage ist netzunabhängig, beliefert jedoch das Netz mit Strom von Ihrer Anlage. Was Sie meinen, ist dass Sie auf eine Notstromabstellung mit Wechselrichter verzichtet haben. Das Netz kommt dann immer zuerst und Ihre eigene Versorgung kommt dann aus dem Netz...
    2. Antwort von Martin Daniel Brülhart  (Kiwi1963)
      @trutmann. Das Netz kommt erst wenn ich Überschuss habe, d.h ich komme zuerst dran beim Konsumieren der Produktion. Allerdings läuft die Anlage nicht wenn das Netz nicht läuft.
    3. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      @Reuteler – «Eine normale Solaranlage stellt bei Stromausfall ab» (www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/espresso/strom-engpass-eine-normale-solaranlage-stellt-bei-stromausfall-ab).
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Egal wie es der Schlossherr selbst sieht, daran dass er ein Prepper ist, ändert sich damit nichts. Es ist aber komisch, dass SRF im Titel eine andere Frage stellt als in der Frage zum Start der Kommentarspalte. Zur Frage "darf man" kann es ja kaum abweichende Meinungen geben, es ist doch wirklich allen selbst überlassen. Jedoch: Genauso komisch wie dieser Prepper es findet, dass andere "es" nicht tun, genauso komisch und teilweise zum Lachen finde ich seine Art der paranoiden Vorbereitung.
    1. Antwort von Ewald Trutmann  (trutwald)
      Was ist daran paranoid? Wir lernen das ja von unseren Politikern, die anstatt zu analysieren, zu planen und dann zu handeln viel lieber auf Panik machen und das Volk noch mehr verunsichern. das IST paranoid und nicht einer, der sich (und seine Mitmenschen) schützen will. Viel Spass mit der Zukunft.