«Für den sicheren Betrieb bilden wir 3900 Leute aus»

Noch in diesem Jahr geht der Gotthard-Basistunnel in Betrieb, nun hat die SBB ihr Sicherheitskonzept für den Fall der Fälle vorgestellt. Die Bundesbahn spricht von «neuen Massstäben» punkto Sicherheit.

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Sicherheitskonzept der SBB im Gotthard-Basistunnel

1:16 min, aus Tagesschau am Mittag vom 3.2.2016

Wenn der fahrplanmässige Betrieb im Gotthard-Basistunnel im Dezember aufgenommen wird, werden die Passagiere durch den sichersten Streckenabschnitt des gesamten SBB-Netzes fahren – sagt die Bundesbahn. An einer Medienkonferenz hat die SBB nun über ihre Sicherheitsmassnahmen informiert. Gegenüber SRF News schildert Peter Jedelhauser, Projektleiter «Nord-Süd-Achse-Gotthard», die ergriffenen Sicherheitsmassnahmen.

SRF News: Inwiefern will die SBB im Gotthard-Basistunnel punkto Sicherheit neue Massstäbe setzen?

Peter Jedelhauser: Wir werden jeden Zug vor dem Gotthard kontrollieren. «Kranke» Züge werden gar nicht erst in den Tunnel hineinfahren. Zudem besteht der Tunnel aus zwei völlig getrennten Fahrröhren, bei denen es möglich ist, in einem Brandfall in der «gesunden» Röhre einen Überdruck herzustellen. Damit wird verhindert, dass Rauch oder Gase in die «gesunde» Röhre gelangen. Zusätzlich sind die Züge, die durch den Gotthard-Tunnel fahren, mit Brandmelde-Anlagen ausgestattet.

Was würde denn konkret passieren, falls – was wir nicht hoffen – doch einmal ein Brand in einer der Tunnelröhren ausbrechen sollte?

Dann läuft ein Prozess zur Rettung der Fahrgäste an. Der brennende Zug wird an der nächsten Nothaltestelle im Tunnel gestoppt, die Reisenden werden dort in die «gesunde» Röhre evakuiert. Dort holt sie ein Rettungszug ab, der sie ins Freie bringt.

«  Für den sicheren Betrieb des Gotthard-Basistunnels bildet die SBB 3900 Leute aus. »

Die SBB spricht vom «sichersten Teilabschnitt auf dem ganzen SBB-Netz». Heisst das, die anderen Tunnels auf dem SBB-Netz sind nicht sicher?

Auf dem SBB-Netz gibt es Tunnels, die 1880 in Betrieb genommen wurden. Auch in den ältesten Tunnels hat die SBB alles getan, um die Sicherheit möglichst hoch zu halten. Wie übrigens auch auf dem gesamten SBB-Netz, wo in den letzten Jahren kontinuierlich Zugkontrollsysteme eingebaut wurden. Wenn wir aber überall den Standard des Gotthard-Tunnels erreichen möchten, müssten wir die Tunnels neu bauen.

Trotzdem ist es in der Vergangenheit leider zu Zwischenfällen gekommen, zum Beispiel im Simplontunnel. Was hat man daraus gelernt?

Zunächst wurde und wird das Rollmaterial sicherer gemacht, ausserdem haben wir bei den Abläufen wichtige Erkenntnisse gewonnen. Die Ereignisse vom Simplon sind beim Gotthard in die Prozessgestaltung von Interventionen, also in die Definition der Rettungsabläufe in einem Brandfall, eingeflossen. Ausserdem gibt es im Gotthard-Basistunnel moderne Lösch- und Rettungszüge, welche die Intervention sicherstellen.

Von Seiten des Personals und der Gewerkschaft wird kritisiert, es sei zu wenig Personal an Bord der Züge, falls es zu einem ernsten Zwischenfall kommt. Was sagen Sie dazu?

Jeder Reisezug hat mindestens zwei Zugbegleiter. Falls etwas passieren sollte, würden sie von technischen Hilfsmitteln unterstützt. In den Nothaltestellen würden die Reisenden über Lautsprecher-Durchsagen, die aus der Verkehrsleitzentrale kommen, geführt. Das Wichtigste aber ist, dass bei der SBB 3900 Personen dafür ausgebildet werden, um den Gotthard-Tunnel sicher und zuverlässig betreiben zu können.

Das Gespräch führte Nicole Frank.