Für jeden das Richtige: So wird der Wohnungsmarkt transparenter

Die Wohnungs- oder Haussuche kann zum Verzweifeln sein: Entweder finden sich kaum ansprechende Angebote, oder sie sind zu teuer. Aber auch Hausbesitzer wissen manchmal nicht, warum sie ein Objekt nicht loswerden. Eine Auswertung der Online-Immobilienportale verspricht nun mehr Transparenz.

Baustelle in Wohnquartier.

Bildlegende: Das Ziel der neuen Auswertungen: Investoren sollen genau das bauen, was sich die Nachfrager wünschen. Keystone

Die Auswertung der Online-Portale ergibt ein erstaunliches Resultat: Nicht unbedingt die grossen Wohnungen sind besonders gefragt, sondern kleine. Bei Ein- oder Zweizimmerwohnungen übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot. Man habe zwar gewusst, dass Kleinwohnungen gesucht seien, sagt Patrick Schnorf vom Immobilienberatungsunternehmen Wüest und Partner: «Aber in dieser Dominanz haben wir das nicht erwartet.»

Nachfrage zum ersten Mal direkt gemessen

Die Firma Realmatch 360 hat im Auftrag von Wüest und Partner in einem «Immo-Monitoring» 112'000 Suchprofile auf den grössten Schweizer Immobilien-Portalen ausgewertet. Ziel war, herauszufinden, wer wo was sucht und welchen Preis er dafür zahlen will. Denn noch immer ist es für Hausbesitzer oft ein grosses Rätsel, warum sie zum Beispiel in Randregionen eine Wohnung nicht vermieten können.

Bis jetzt lieferten Preisinformationen und Daten zum Wohnungsleerstand Indizien. «Das ist das erste Mal, dass wir eine direkte Messung des Nachfragebedürfnisses nach gesuchten Wohnungen machen können», sagt Schnorf. Noch ist die Aussagekraft der neuen Messmethode beschränkt. Noch wissen Immobilienbesitzer nur in Ansätzen, warum ein Haus oder eine Wohnung nicht vermittelt werden kann.

Vision: Angebot und Nachfrage abstimmen

Daran will man bei der Firma Realmatch 360 arbeiten. Die Daten von Wohnungssuchenden und Anbietern sollen noch besser verknüpft werden. Je mehr Informationen vorliegen, desto grösser die Chancen eines Vertragsabschlusses, sagt Realmatch-Geschäftsführer Dieter Marmet: «Die Investoren bauen nicht mehr am Markt vorbei, wie das heute manchmal der Fall ist, sondern sie bauen exakt das, was sich die Nachfrager eigentlich wünschen.»

Doch Schnorf von Wüest und Partner warnt vor allzu viel Optimismus: «Ein Immobilien-Investitionsentscheid dauert, von der Idee bis zur fertigen Realisierung, mehrere Jahre. In dieser Zeit kann sich durchaus auch die Nachfrage wieder verschieben.»

Bei der direkten Interpretation der Daten ist also Vorsicht geboten. Wer ein grosses Immobilienprojekt plant, muss auch in Zukunft mit einem gewissen Risiko leben.

Mietwohnungen

Das «Immo-Monitoring» stellt fest, dass besonders in Genf, Lausanne und Zürich Wohnungen hart umkämpft sind. Nahe der Zentren mangle es an Ein- und Zweizimmerwohnungen. In den Agglomerationen und der Peripherie steige die Zahl ausgeschriebener Wohnungen. Parallel dazu sinke die Nachfrage.

Wohneigentum

Beim Wohneigentum geht das «Immo-Monitoring» von einem steigenden Angebot aus. Die Nachfrage in Zentrumslagen bleibe zwar hoch, vielen seien die Wohnungen aber zu teuer. Insgesamt sei der Eigentumsmarkt stabil. Bei den Einfamilienhäusern verlangsame sich die Verteuerung bereits.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Luxusboom in Zürich scheint vorbei

    Aus Schweiz aktuell vom 30.3.2015

    Wohnungen sind ein sehr knappes Gut in der Limmatstadt, zumindest die Günstigen. Bis vor einigen Jahren gingen auch die teuren und sehr teuren Wohnungen problemlos weg. Inzwischen hat die Nachfrage deutlich abgenommen, Immobilienfirmen bleiben auf teuren Appartements sitzen.

  • Leerstehende Wohnungen

    Aus 10vor10 vom 4.3.2015

    In einer heute veröffentlichten Studie schreibt die Credit Suisse, dass ganze 46‘000 Wohnungen in der Schweiz leer stehen. Der Frankenschock treibt die Anleger noch stärker in den Mietwohnungsbau, wie es im Bericht weiter heisst. Doch wird meist nicht dort gebaut, wo die Menschen wohnen wollen.

  • Keine Pensionskassen-Gelder für den Haus-Kauf

    Aus Trend vom 28.6.2014

    Der Entscheid des Bundesrats kam überraschend: Er will den Vorbezug von Pensionskassengeld einschränken. Um so die Kosten für Ergänzungsleistungen unter Kontrolle zu bringen.

    - Wer ein Haus kaufen will, soll künftig nicht mehr auf das Geld der beruflichen Vorsorge zurückgreifen können, zumindest nicht auf das Obligatorium. Was bedeutet das für künftige Eigenheimkäufer?

    EVELINE KOBLER