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Fussball-WM in Russland Boykottaufruf aus der Schweiz

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundespräsident soll nicht zur Fussball-WM in Russland reisen.
  • Das fordern Grünenpräsidentin Regula Rytz und SP-Nationalrat Fabian Molina.
  • Grossbritannien und Island schicken keine Politiker ans Turnier.
  • Auch im Europaparlament ist der Boykott ein Thema.
Fusbalstadion Fisht in Sotschi. Sochi ist ein Austragungsort der Fussball Weltmeisterschaft 2018
Legende: Fussball WM Russland Am 14. Juni 2018 ist der Anpfiff der Fussball Weltmeisterschaft. Stadion Fisht in Sotschi, Russland Keystone

Für Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Partei, ist klar: Der Bundespräsident soll nicht an die Fussballweltmeisterschaft nach Russland reisen. Menschen-, Minderheiten- und Oppositionsrechte seien durch die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Gefahr. «Das darf man nicht legitimieren, da braucht es eine klare, auch symbolische Distanz», sagt Rytz.

Legende: Video Regula Rytz: Politiker sollten WM boykottieren. abspielen. Laufzeit 00:34 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.05.2018.

Gleicher Meinung ist SP-Nationalrat Fabian Molina: «Man sollte sich bewusst sein, dass die WM von Putin auch als Propaganda-Inszenierung missbraucht wird.» Die Schweiz soll nicht Teil davon sein, fordert Molina.

Mehrheit gegen Boykott

Mehrheitsfähig ist diese Haltung nicht. Die meisten Parlamentarier stehen einem Boykott skeptisch gegenüber. So auch die Präsidentin der aussenpolitischen Kommission, CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter: «Ich freue mich, dass die Schweizer Fussballer an der WM teilnehmen. Und es freut mich, wenn unsere Regierungsmitglieder die WM besuchen. Sport ist grundsätzlich völkerverbindend und es ist falsch, aus politischen Gründen zu boykottieren.» Sport und Politik müsse man strikt trennen, so Schneider-Schneiter.

Und werden Bundesräte zur WM reisen? Die Bundeskanzlei teilt der «Rundschau» mit, am Eröffnungs- oder am Finalspiel sei keine Anwesenheit von Bundesräten vorgesehen. Möglicherweise würden Bundesratsmitglieder in Russland Gruppenspiele der Schweiz besuchen.

Zwei Staaten haben sich bisher zum Boykott bekannt. Grossbritannien und Island schicken keine Politiker ans Turnier. Hintergrund ist der Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal Anfang März in England. Auch im Europaparlament ist der Boykott Thema: In einem offenen Brief fordern 60 Abgeordnete, dem Beispiel der beiden Staaten zu folgen.

Erfolgsautor fordert Boykott

Doch nicht nur Politiker äussern sich zum Thema. Auch der russische Schriftsteller Michail Schischkin plädiert für einen Boykott. Damit könnten demokratische Länder für ihre Werte einstehen, so Schischkin. «Ich bin der Meinung, man muss ein Zeichen setzen. Wenn wir dieses Zeichen nicht setzen, dann heisst das: wir machen mit.»

Legende: Video Schriftsteller Schischkin: Man muss ein Zeichen setzen. abspielen. Laufzeit 00:36 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.05.2018.

Schischkin lebt schon seit mehr als zwanzig Jahren in der Schweiz. In Russland sind seine Bücher Bestseller. Wegen seiner regierungskritischen Haltung war er seit vier Jahren nicht mehr in seiner Heimat.

Putin unbeeindruckt

Präsident Putin lassen die Boykottaufrufe kalt. Die Frage eines politischen WM-Boykotts interessiere ihn überhaupt nicht, teilt sein Sprecher mit.

Die russische Parlamentarierin und frühere Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Swetlana Schurowa kann einem politischen Boykott sogar etwas Positives abgewinnen.

«Es wird damit weniger Absperrungen und weniger Sicherheitsvorkehrungen geben. Für die einfachen russischen und ausländischen Fans ist dieser Boykott also nur positiv. Je weniger VIP, desto einfacher.»

Legende: Video Putins Fussballshow: Boykott-Aufrufe gegen WM in Russland abspielen. Laufzeit 09:37 Minuten.
Aus Rundschau vom 23.05.2018.

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85 Kommentare

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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Die Schweiz ist neutral und soll daher mit ihrer Präsenz zeigen, dass sie sich nicht voreilig in den Chor der Putin-Basher einreiht. Putin ist nicht derjenige, der derzeit für Destabilität auf der Welt sorgt. Und ausserdem sollte jedes Land zuerst mal vor seiner eigenen Tür kehren, bevor es mit der Menschenrechts-Keule um sich schlägt. Wie wird denn bei uns mit Armen, Randständigen und Behinderten umgegangen? Es wird gekürzt, und gekürzt und nochmals gekürzt, alles nur für den Profit. Heuchler.
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  • Kommentar von John Messerli (John Philipp)
    Warum sollten die Schweizer Politiker nicht dorthin reisen dürfen und sich die Nati anschauen? Ich finde es sehr schlimm, dass dieses Interview im Stade de Suisse (YB Stadion) gemacht werden durfte. Das hat nichts mit Politik oder der WM zu tun, denn bekanntlich dürfen dort keine Qualispiele augetragen werden! Also macht bitte das nächste mal diese Aufnahmen an Frau Rytz's Arbeitsplatz von wo aus Sie Ihre Politik entstehen lässt!
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  • Kommentar von Marcello Sigrist (Marsig)
    Ich verstehe ja, dass die junge Generation auch ihre Kommentare abgeben will, aber macht auch ein wenig „Ahnenforschung“! Schon vor Jahrzehnten wurden grosse Sportereignisse aus Politgründen boykottiert, also nichts Neues. Zudem ist der ganze Sport so schmutzig geworden, dass man auf diese OS, WM, EM usw. verzichten könnte. Zudem könnte sehr viel Geld für bessere Zwecke eingesetzt werden. Wir wollen fairen und sauberen Sport!
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    1. Antwort von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
      jetzt soll Putin höchstpersönlich auch noch am weltweit unfairen und unsauberen Sport schuld sein, an was eigentlich nicht? Der Russe ist Schuld, ja klar, wer denn sonst? Das ist auch nichts neues. Es geht doch nicht um den Sport, sondern um eine, fast schon irrationale, weit über jegliche berichtige Kritik hinausgehende, Feindbildprojektion und Dämonisierung Putins/Russlands. Wer interessierte sich den in Brasilien & Südafrika für die, wegen der WM, entrechteten & enteigneten Slum-Bewohner?
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