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Erste Bilanz zu Pilotprojekt Gebremste Euphorie über Flüchtlingsanlehre

Legende: Audio Anlehre für Flüchtlinge – Tropfen auf den heissen Stein? abspielen. Laufzeit 2:36 Minuten.
2:36 min, aus HeuteMorgen vom 17.01.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Flüchtlinge sollen möglichst rasch arbeiten, damit sie nicht auf dem Sozialamt landen. Das forderte letzte Woche auch die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe.
  • Einige Unternehmen kommen dieser Forderung bereits nach: Sie beschäftigen Flüchtlinge, oder planen entsprechende Ausbildungsprogramme.
  • Unternehmen finden Integrationsprogramme für Flüchtlinge grundsätzlich gut, wünschten sich aber tiefere administrative Hürden.

Letzten Frühling hat Ikea Schweiz mit seinem Integrationsprogramm begonnen. Bis jetzt haben es 18 Flüchtlinge absolviert. Vier davon haben nun eine Stelle beim schwedischen Möbelriesen.

Man sei zufrieden, sagt der Projektverantwortliche Lorenz Isler: «Zu Beginn waren wir unsicher, was uns erwartet. Wir sind aber positiv überrascht von den Flüchtlingen. Sie waren sehr motiviert.» Nur ein einziger sei aus dem Projekt ausgestiegen.

Ikea kombiniert das Praktikum mit kulturellen Trainings. Zu Beginn müssen die Menschen aus Eritrea, Äthiopien oder dem Irak lernen, wie die Schweizer Arbeitswelt funktioniert. Zum Beispiel, dass in der Schweiz Pünktlichkeit zählt oder, dass man eine Frau als Chefin haben kann.

Administrative Hürden und Kantönligeist

Schwierigkeiten habe es vor allem beim Aufbau des Programmes gegeben, sagt Isler. Die administrativen Hürden seien hoch, vor allem, weil Ikea sein Programm in verschiedenen Kantonen lancieren wollte: «Es war ein ziemlich grosser Aufwand». Denn die einzelnen Kantone seien unterschiedlich organisiert, teilweise sei es auch schwierig gewesen, so Iseli, an die wichtigen Informationen zu kommen.

Die Ausbildung kann dazu beitragen, den Fachkräftemangel etwas zu lindern.
Autor: Roland PfisterKommunikationschef Micarna

Das hat man auch bei Micarna gemerkt. Das Unternehmen, das für die Migros Fleisch und Fisch verarbeitet, wollte ebenfalls im letzten Jahr mit einem Programm für Flüchtlinge starten. Doch diese Annahme war zu optimistisch. Man habe den Aufwand und die administrativen Hürden unterschätzt, sagt Kommunikationschef Roland Pfister.

Ein weiter Weg

Im Sommer nun möchte Micarna mit 10-15 Flüchtlingen beginnen. Dabei spielen auch durchaus eigennützige Gründe eine Rolle, kann das Unternehmen doch etliche Stellen nicht besetzen: «Durch die Ausbildung dieser Flüchtlinge können wir allenfalls dazu beitragen, den Fachkräftemangel etwas zu lindern.»

Mit Integrationsprogrammen für Flüchtlinge soll schliesslich also allen geholfen sein, den Unternehmen, die Personal rekrutieren, den Flüchtlingen, die über eine Ausbildung verfügen oder mindestens über ein Referenzschreiben. Doch bei rund 70'000 Menschen mit Bleiberecht in der Schweiz, sind alle bisherigen Bemühungen noch immer ein Tropfen auf den heissen Stein.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Die Steuerzahler finanzieren alles was den angeblichen Flüchtlingen finanziell zugestanden wird. Ob nun der Bund oder die Kantone das Geld dafür ausgeben ist da unerheblich. Die Frage ob der Steuerzahler mit einer derartigen Verschwendung einverstanden ist, werden wohl künftige Wahlen zeigen müssen.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Auch künftige Wahlen (vorallem eidgenössische!), werden nichts ändern, Herr Kerzenmacher. Es geht den meisten Urnengänger(innen) immer noch viel zu "gut"! In ihrem Rausch, in der Konsum- und Spassgesellschaft leben zu dürfen, sehen die meisten Zeitgenossen nicht über ihren persönlichen Alltag hinaus! Die Politik versteht es zudem, uns (mit Hilfe der Medien) zu täuschen, zu manipulieren und zu tabuisieren! Wer das durchschaut, sich darüber klar äussert, wird in eine "rechte Ecke" gestellt!
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  • Kommentar von Daniel Sackmann (Daniel Sackmann)
    In Deutschland bezahlt der Staat im Rahmen des EGZ 50% des Lohnes für die Flüchtlinge im ersten Jahr. Da lohnt es sich bürokratische Hürden zu nehmen. Gibt es das auch in der Schweiz?
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  • Kommentar von Jonathan Fay (Jonathan Fay)
    Ich bin halb Schweizer/Halb Amerikaner, aber die Schweiz braucht eine Obergrenze von Flüchtlingen und anderen Einwanderern. Sonst geh ich nach Kanada...
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Dass Sie sonst nach Kanada gehen, ist natürlich schon ein sehr schlagendes Argument. Aber warum gehen Sie denn als halber Amerikaner nicht nach Amerika? Und warum sollte Kanada Sie als Einwanderer aufnehmen, die Schweiz aber Flüchtlinge ablehnen?
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Zurbuchen: Was geht es Sie an, wenn er nach Kanada geht? Zu Ihrer letzten Frage: Machen Sie sich mal mit den Kriterien eines Visums in Kanada vertraut, dann werden Sie die Frage selber beantworten können - und werden paff sein. PS: Wenn unsere Schweiz es so weitermacht, werden wir später, als Rentnerpaar auch auswandern, und zwar in ein sonniges Land am Meer, wo wir viel mehr Lebensqualität für unsere mickrige Rente kriegen werden. Darüber freuen Sie sich doch, oder? ;)
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