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Schweiz Gefährliche Fahrten auf dem Schienen-Netz

Das schwere Zugunglück vom Montag in der Waadt hat sich vermutlich ereignet, weil der Lokführer ein Rotlicht überfahren hatte. Recherchen von «10vor10» zeigen: Solche sogenannten Signalfälle sind keine Seltenheit.

Legende: Video Gefährliche Fahrten auf dem Schienen-Netz abspielen. Laufzeit 03:50 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.08.2013.

Auf dem Schweizer Schiennnetz wurden laut Bundesamt für Verkehr bis Ende Juli 2013 insgesamt 63 rote Signale überfahren. Das könne mehrere Gründe haben, sagt Silko Höppner, Verkehrsingenieur am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme an der ETH Zürich. «Es kann sein, dass der Lokführer nicht aufpasst. Aber es ist auch möglich dass der Bremsweg wegen Eisglätte oder Laub auf den Schienen länger wird, und der Lokführer es nicht mehr schafft, vor dem roten Signal zum Stehen zu kommen.»

Lokführer erwähnen aber noch einen anderen Grund: den Zeitdruck bei der SBB. «Manchmal spürt man schon den Druck, dass die Pünktlichkeit fast mehr Wert hat als gewisse andere Dinge,» sagt Urs Mächler, Präsident des Lokführer-Personalverbandes. Man habe vor kurzem eine Liste verteilt mit zu beachtenden Punkten. Darin hiess es, dass man auf den Zeigersprung abfahren oder, dass man an einigen Orten schon bei Orange fahren müsse, um die Zeiten einzuhalten. Da entstehe schon ein gewisser Druck auf das Lokpersonal, so Mächler.

Brisanter SBB-Brief an die Lokführer

Tatsächlich zeigt ein internes Papier der SBB, dass die Lokführer dazu angehalten werden, sich zugunsten der Pünktlichkeit über die Regeln hinwegzusetzen. Unter dem Titel «Jede Sekunde zählt» empfehlen sie ihren Mitarbeitern unter anderem: «Bei der Abfahrt in Zürich Hardbrücke Richtung Zürich HB ist erwünscht, dass beim Erreichen der Abfahrtszeit der Abfahrtsprozess auch bei noch ‹Warnung› zeigenden Vorsignalen B1 bis B4 eingeleitet werden.»

Man sei überzeugt, dass so wertvolle Sekunden gespart werden können. Die SBB relativiert: «Wir wollen unsere Kunden pünktlich ans Ziel bringen. Aber Sicherheit geht in jedem Fall vor. Da macht die SBB keine Kompromisse.»

SBB: Weniger Signalfälle im ersten Halbjahr

Insgesamt wurden auf dem Schweizer Schienennetz laut Bundesamt für Verkehr bis Ende Juli 63 rote Signale überfahren. Wie viele dieser Vorfälle auf das SBB-Netz entfallen, ist unklar.

Die SBB will die Zahlen zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren, betont aber: «Im ersten Halbjahr 2013 ereigneten sich weniger Signalfälle als in der Vorjahresperiode. (...) Das ist für die SBB eine sehr positive Entwicklung bei einem Thema, das wir sehr ernst nehmen.»

Sichere Zukunft

Wesentlich tiefer wird die Zahl der überfahrenen Rotlichter laut Höppner sein, wenn dereinst das gesamte Bahnnetz der Schweiz mit dem modernen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet ist. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Die Umrüstung des Bahnnetzes ist kompliziert, aufwändig und teuer und wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Der Beruf des Lokführers bringt grosse Verantwortung mit sich, deshalb ist es um so wichtiger, dass dieser Fit und konzentriert seiner Arbeit nachgeht und Sauber Arbeitet. Doch leider haben wir mit den Billig Arbeiter die immer mehr eingesetzt werden aus der EU, immer mehr Probleme, die auch hier Qualifiziertes Personal schwierig macht. Aber da ist die SBB Schuld, den diese Stellt das Personal an. Kostensparen sollte man nicht an der Falschen stelle, im gegenteil...
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  • Kommentar von Sigmund Rützler, Zürich
    Kürzlich fuhr ich von Rüti (ZH) an einem schönen Sonntag nach Winterthur via Bauma. Da in den dort eingesetzten Zügen der Lokführer während der ganzen Fahrt gesehen wird, war ich etwas überrascht, dass dieser während der gesamten Reise ununterbrochen mit dem Handy telefonierte. Offenbar haben die Bahnen unterdessen ein massives Sicherheitsproblem. S. Rützler pens. Bahnhofassisent
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Man sieht halt das Resultat der "modernen" Geschäftsführung. Jungwahnsinn, gepaart mit egoistischem Profitverhalten zahlt sich halt langfristig nicht aus. Dazu muss man nicht studieren, dazu braucht es nur eine Portion gesunden Menschenverstand. Leider ist das heute abhanden gekommen. Wischiwaschi wohin das Auge blickt. Manager müssen heute nur noch eines tun: Sprechblasen von sich geben. Darum verstehen die sich so gut mit den Politikern. Gleiches zu Gleichem!
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