Zum Inhalt springen
Inhalt

Gefährliche Kleinkredite Schulden bis zum Hals wegen unsorgfältigen Budgetberechnungen

Kreditgeber machen ihre Kunden kreditfähiger, als sie tatsächlich sind. Die allzu schmale Budgets werden zur Belastung.

Legende: Video Schulden bis zum Hals: Kleinkredite machen grosse Sorgen abspielen. Laufzeit 05:49 Minuten.
Aus Kassensturz vom 01.05.2018.

Joana B. wollte von zu Hause ausziehen. Das Problem: Sie hatte kaum Geld für Möbel. Da sah sie die Werbung von «BANK-now» und entschied sich kurzerhand, einen Kredit von 15'000 Franken aufzunehmen mit einer Laufzeit von drei Jahren und zu einem Zins von 9,9 Prozent. Was alles so einfach und klar klang, wurde für Joana B. zur Last. Dass sie jeden Monat glatte 507 Franken abstottern muss und lediglich rund 1000 Franken pro Monat zur Verfügung hat für ihre täglichen Ausgaben, hatte sie unterschätzt.

Budget aufgebessert mit Nullen bei den Ausgaben

Bei der Budgetberechnung, die als Kreditfähigkeitsprüfung dient, hätte auffallen müssen, dass sich Joana B. den Kredit nur knapp leisten kann. Dort fällt jedoch auf: Viele Ausgaben hatte die Bank nicht erfasst oder sie setzte Pauschalen ein.

Budget-Aufstellung.
Legende: Eigenhändig und ohne die Kundin zu fragen, hat BANK-now Nullen und Pauschalen in die Budgetberechnung eingetragen. zvg

Zum Beispiel steht bei der Position für auswärtiges Essen während der Arbeitszeit eine Null. Doch Joana arbeitet nicht in der Nähe ihres Wohnortes, sie muss also Geld für Essen ausgeben. Erfasst hat diese Null auch nicht Joana, sondern «BANK-now» – ohne die Kundin nach den tatsächlichen Ausgaben zu fragen. Das sei ein typisches Vorgehen dieser Bank, sagt Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung. Damit verletze «BANK-now» klar ihre Sorgfaltspflicht: «Das Berner Obergericht hat in einem Entscheid festgehalten, dass die Bank nachhaken und die Kundin fragen muss. Bei einem weiten Arbeitsweg ist ja klar, dass die Person auswärts essen muss, und das kostet. Es ist klar, dass für den Arbeitsweg Kosten anfallen. Diese muss die Bank in Erfahrung bringen und in die Budgetberechnung eintragen.»

Sonst sei das unsorgfältig und für den Schuldenberater auch gesetzeswidrig: «So kann man einen Kredit nicht vergeben, wie das ‹BANK-now› macht. Aber so macht sie es offensichtlich die ganze Zeit.»

Mann in einem Büro studiert ein Dokument.
Legende: Für Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung ist klar: Damit verstösst BANK-now gegen das Gesetz. SRF

«BANK-now» wollte Kredit sogar noch aufstocken

Wegen der unsorgfältigen Budgetberechnung kämpft Joana B. mit der Amortisation ihres Kleinkredits. Doch damit nicht genug: «BANK-now» schickte ihr einen Brief und warb darin mit einem weiteren Kredit über 17'000 Franken für «genügend finanziellen Spielraum». Da die junge Frau schon jetzt Mühe hat mit der Rückzahlung, ist für Schuldenberater Roncoroni klar: «Hätte ‹BANK-now› diesen Kredit noch aufgestockt, hätten sie einen groben Fehler gemacht.»

Joana B. hat keinen zweiten Kredit aufgenommen. An ihrem ersten hat sie schon genug zu beissen – und das noch zwei Jahre lang.

«BANK-now» ist sich keiner Schuld bewusst

Schriftlich nimmt die Credit Suisse-Tochter zu den Vorwürfen von «Kassensturz» Stellung und sagt, dass der Kunde mit seiner Unterschrift versichert, dass alle Angaben in der Budgetberechnung korrekt sind. «BANK-now» verstosse auch nicht gegen das Gesetz. Das Urteil des Berner Obergerichts beziehe sich auf einen Einzelfall und sei deshalb hier nicht relevant. Zur Frage, warum «BANK-now» Joana B. einen Werbebrief geschickt hat, obschon diese noch am Abzahlen ist, sagt die Bank: «Vor einer tatsächlichen Krediterhöhung hätte ‹BANK-now› eine erneute Kreditprüfung und Budgetkalkulation vorgenommen.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Lienhard (TLien)
    Wo ist hier die Eigenverantwortung?? Mit Personen, die so naiv sind und über ihre eigenen Verhältnisse leben, habe ich absolut kein Verständnis! CHF 15000 für u.a. ein Sofa und Tisch?? Die Möbel hat die Dame bestimmt nicht in der Ikea oder Lipo gekauft! Bitte bringt nicht mehr solche pseudo Opfer im TV...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Edith Siegrist (SRF DRS)
    Nebst Kleinkredit-Werbung, um zu neuen Kunden zu gelangen. Mastercard von Migros mit Teilzahlungsoption wird dazu missbraucht Kunden direkt anzuschreiben. Aus meiner ganz persönlichen Sicht schräg, fragwürdig und gehört in den Rundordner (Kübel).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Gut argumentiert Bank-Now, ein Gerichtsfall ist ein Einzelfall und irrelevant für diesen Fall obwohl wir damals den selben verbotenen Kram gemacht haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen