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Schweiz Gefeuerte Ärztin fordert über eine Million Franken

Aufruhr am Berner Inselspital: Anästhesie-Pflegende fürchten um die Patientensicherheit. Eine entlassene Ärztin klagt wegen Mobbing und fordert über eine Million Franken Schadenersatz. In der Kritik steht Chefarzt Frank Stüber, der mit seinem hierarchischen Führungsstil Mitarbeitende vertreibe.

Legende: Video «Aufruhr im Inselspital» abspielen. Laufzeit 9:31 Minuten.
Aus Rundschau vom 17.12.2014.

«Wir fordern, dass das Inselspital den angerichteten Schaden wieder ausgleicht», sagt Anwalt Rolf P. Steinegger gegenüber der «Rundschau». Der Anwalt fordert vom Spital, die entlassene Oberärztin Natalie Urwyler wieder einzustellen. Oder über eine Million Franken Schadenersatz zu bezahlen.

Der Vorwurf an das Spital: Anästhesiologie-Chefarzt Frank Stüber habe die Karriere der jungen Wissenschaftlerin und Ärztin sabotiert. Natalie Urwyler hatte sich bei Stüber beschwert, dass schwangere Ärztinnen an seiner Klinik teilweise länger arbeiten müssten, als das Gesetz erlaubt. Danach habe der Chefarzt sie ausgebremst, erzählt Urwyler in der «Rundschau». Sie habe schlechte Qualifikationen erhalten und ihre Forschungsprojekte seien nicht mehr gefördert worden.

Gefährdete Patientensicherheit?

Wie die «Berner Zeitung» berichtete haben 2013 auch Pflegende gegen den deutschen Chefarzt rebelliert. 65 Mitarbeitende haben einen Protestbrief mit schweren Vorwürfen unterschrieben. «Ihre Politik (…) führt in der klinischen Praxis dazu, dass zum Teil die Sicherheit des Patienten nicht mehr gewährleistet werden kann», so das Schreiben, das der «Rundschau» vorliegt.

Zum Beispiel könnten dringende Eingriffe teilweise nicht begonnen werden. Das Inselspital will zu den Vorwürfen nicht detailliert Stellung nehmen. Beim Streit zwischen der Klinik und Nathalie Urwyler handle es sich um ein laufendes arbeitsrechtliches Verfahren. Das Spital hält gegenüber der «Rundschau» aber fest, die Patientensicherheit sei nie in Frage gestellt gewesen und es habe nie eine Gefahr bestanden.

Ehemalige Ärztin übt scharfe Kritik

Katrin Flückiger war bis 2010 leitende Ärztin an der Klinik für Anästhesiologie. Wie sie der Rundschau erzählt, hat sie das Spital wegen des hierarchischen Führungsstils des Chefarztes verlassen.

Auch sie hat Zweifel, ob das Klima an der Klinik der Patientensicherheit förderlich sei: «In der Notfallmedizin ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzten unabdingbar», so Flückiger. Gegenseitiges Misstrauen und Misstöne könnten in Notfallsituationen gefährlich sein, betont die erfahrene Ärztin.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Wilhelm, Bern
    Ich bin betroffen, dass sich das Scheizerische Fernsehen vor diesen Karren spannen lässt. Bei laufendem Verfahren basiert der Bericht auf einer nicht überprüften Einzelmeinungen mit einer starken juristischen Person im Hintergrund. Unabhängig von der Person Stüber ist diese unbalancierte Darstellung schlecht für das Ansehen des Inselspitals und führt zur unnötigen Verunsicherung von Patienten. Als Wissenschaftlerin sollte Frau Urwyler respektieren, dass die Evidenz von der Publikation steht.
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  • Kommentar von Masatoshi Nakayama, Bern
    Die Hackordung in der Ärzteschaft liegt nicht an der Herkunft, sondern an deren Sozialisierung an den Universitäten und in den Spitälern. Die weissen Götter lassen keine Könige neben sich zu, das ist seit Jahrhunderten so. Die Spitalleitungen haben das immer noch nicht erkannt und hofieren ihre Götter kritiklos. So wollen sie auch in Solothurn einen neuen Chefarzt berufen, der nachweisbar gegenüber weiblichen Personal übergriffig war, und keinen interessiert es. Arme Schweiz - arme Patienten!!!!
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    1. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      Gut fangen sich wenigstens die Frauen gegen Missbreuche in der Lohnsklaverei an zu wehren. Aber warum soll ein nichtschwangerer Arzt laenger als 9 Stunden krampfen muessen? Der gefaehrdet die Patienten auch. Auf die Frauen wird zwar zurzeit besondere Ruecksicht genommen, weil sie die Bauern als privilegiertes Wahl- und Stimmvieh abgeloest haben. Aber auf lange Sicht schadet es allen LohnsklavInnen wenn sie sich gar nach Geschlechtern geteilt und aufeinandergehetzt beherrschen lassen....
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  • Kommentar von Thomas Kuhn, Ittigen
    Diese hochqualifizierte Ärztin ist für die ihr zustehenden Rechte (Mutterschutz Arbeitsgesetz) eingestanden und wurde dann rausgemobbt. In Amerika würde der verantwortliche Chef wegen Geschlechtsdiskriminierung fristlos auf die Strasse gestellt. Der Schaden für das Spital ist nicht wieder gutzumachen, aber das wird ja mit den Steuern bezahlt. Jede private Firma wäre bei diesen Fluktuationszahlen innert kürzester Zeit konkurs.
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