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Schweiz Gegen Auswüchse im Ausgang hilft vor allem die harte Hand

Was tun gegen die Schattenseiten des Nachtlebens – gegen Lärm, wachsende Gewalt und bergeweise Müll? Fast jede Schweizer Stadt hat ihre eigene Antwort darauf. Ernüchternd: Plakate und «Good Will»-Aktionen bringen fast nichts.

Auf der Zürcher Langstrasse zeigt sich Wochenende für Wochenende das gleiche Bild: Ein lärmendes Partyvolk fällt ein in das beliebte Ausgehviertel, es fliessen grosse Mengen Alkohol, regelmässig muss die Polizei in kleinere und grosse Rangeleien zwischen den Nachtschwärmern eingreifen.

Wenn es hell wird, sind die Überbleibsel der Nacht oft lange nicht zu übersehen: Scherben, leere Bierdosen, Erbrochenenes.

Zürich kämpft längst nicht nur auf der Langstrasse gegen die Auswüchse des Nachtlebens – und die grösste Schweizer Stadt ist auch kein Einzelfall. Die negativen Begleiterscheinungen des Partymachens fordern viele Schweizer Städte heraus. In den vergangenen Jahren hatten gleich mehrere Partyexzesse für Schlagzeilen gesorgt.

Die Städte suchten daraufhin den Austausch untereinander: Mitte 2012 wurde eine Arbeitsgruppe beim Schweizerischen Städteverband ins Leben gerufen, die zunächst einmal eine Bestandsaufnahme machte: Welche Probleme gibt es? Wie gehen die Städte dagegen vor? Und: Was hilft wirklich?

Zu viel Alkohol

Ein Bericht der Arbeitsgruppe liegt nun vor. Er zeigt: Als ein Grundproblem machen die Städte den fast uneingeschränkten Zugang zu Alkohol aus. Weiter gebe es «eine Kommerzialisierung des Nachtlebens»: Immer mehr Menschen drängten in den öffentlichen Raum. Konflikte mit Anwohnern sind damit vorprogrammiert.

Vergleicht man die Massnahmen, mit denen die Städte gegen die Auswüchse vorgehen, zeigt sich: Sensibilisierungsaktionen wirken kaum. Was hilft, sind repressive Instrumente – eine Ausnüchterungszelle in Zürich oder das konsequente Anzeigen von Verstössen in St. Gallen.
 
Erfolgversprechend sind dem Bericht zufolge auch Polizeipatrouillen in Ausgehzonen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und Ausgehlokalen. Als positives Beispiel wird das «Sicherheitskonzept» der Stadt Bern genannt: Clubs erhalten nur dann eine Überzeitbewilligung, wenn sie gewisse Auflagen erfüllen.

Polizeistunde aufheben?

Einer Aufhebung der Polizeistunde, wie sie manche Städte praktizieren, steht der Verband kritisch gegenüber. Hier müsse jede Stadt möglichst selbst entscheiden können. Erfahrungen aus Luzern zeigten, dass mit verlängerten Öffnungszeiten zwar «hohe Publikumskonzentrationen» wegfielen.

Allerdings gebe es nicht weniger Nachtruhestörungen, denn die Ausgänger bewegten sich über eine längere Zeit im öffentlichen Raum. Lausanne habe gar eine «heure blanche» eingeführt: Um 5 Uhr schliessen alle Clubs während einer Stunde.

Selber mischen

Zur Eindämmung des übermässigen Alkoholkonsums helfen gemäss Städteverband unter anderem Preisaufschläge. Bei den Alcopops ist die Bilanz aber zwiespältig: Seit der Einführung der Sondersteuer würden hochprozentige Alkoholika und Süssgetränke vermehrt selber mischen.

Auch Verkaufsverbote von Alkohol am Abend sind nicht der Weisheit letzter Schluss: Insbesondere Jugendliche deckten sich einfach vor Verkaufsschluss mit Bier oder anderen alkoholischen Getränken ein. Ohnehin sei das «Vorglühen» für viele ein fester Bestandteil des Ausgangs geworden, hält der Bericht fest.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Eine klassische Folge von MultiKulti. Seit Jahren wächst die Zahl derjenigen die sich auf der Strasse wohl fühlen und dort einen Teil ihres Soziallebens verbringen. Es sind zum Teil zugezogene Ausländer, für die dieses Verhalten ganz normal ist. Und zum Teil sind es Schweizer Jugendliche die die Strasse für mehr benutzen als nur um von A nach B zu kommen. Die Städte sind selber verantwortlich für diese Entwicklung die sich schon im Laufe der neunziger Jahre abgezeichnet hat.
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Starnberger: Die Städte sind nur dann verantwortlich für diese Entwicklung sofern es sich bei Problemfällen um BewohnerInnen der jeweiligen Stadt handelt. Ansonsten ist ganz klar das Verursacherprinzip anzuwenden: zuerst die fehlbare Person, dann ein Fonds in den alle Gemeinden des jeweiligen Kantons einzuzahlen haben und aus dem nicht zuteilbare Kosten für Sachschäden und erhöhten Polizeiaufwand abgegolten werden. So muss das laufen!
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  • Kommentar von A. Planta, Chur
    Früher wurde mehr gesoffen als heute und Schlägereien gabs auch. Aber der Hang zum Perfektionismus war nicht so gross. Wenn man die Leute immer mehr reglementieren will kann man sie ja gleich abschaffen.
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    1. Antwort von Sascha Freitag, Ermatingen
      Genau richtig!
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    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Welche Zeiten meinen Sie mit früher?Diese Sturmperiode erlebte ich in den 60ern.Da wurde unter den eher straffer erzogenen Jungen weniger gesoffen als heute,(Tanz)Lokale schlossen um Mitternacht,offene Läden gabs nicht.Abgesehen von klaren Leitplanken,die uns die Eltern altersentsprechend setzten,erinnere ich mich nicht,nachts in der Stadt auf dem Heimweg je besoffenen Jungen od.Pöbler begegnet zu sein.Diese wurden aus Lokalen+Strassen entfernt.Da waren wir halt noch erst angenehme 5Mio
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    3. Antwort von Johnny Feierabend, Bern
      Die Kleinräumigkeit der Schweiz bei wachsender Einwohnerzahl wird immer mehr Regeln für das einigermassen erträgliche Zusammenleben hervorbringen. Diese lassen sich kaum durchsetzen oder werden umgangen. Gerade, wenn wie jetzt die Werte, wie Sauberkeit, Achtung vor dem Nächsten, Hilfsbereitschaft etc. verloren gehen, halten sich immer weniger an diese Regeln. Es ist eine Entwicklung, wie in den meisten grossen europäischen Metropolen. Hauptsache Party!
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  • Kommentar von w.mathys, etziken
    Da will man noch mehr Krippen,Kinderhorte und Tagesstätten errichten, an statt die Familie fördern, das Heisst: Ei Elternteil sollte zu Hause bei den Kindern sein und sein können. Aber eben, die Interessen der Wirtschaft gehen vor.Es gibt eben Dinge im Leben, die man nicht mit Geld ersetzen kann. Die Fürsorge und das Begleiten der Kinder ist wichtiger als zwei- oder dreimal im Jahr in die Ferien fahren.
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    1. Antwort von jc.heusser, erstfeld
      Richtig: Das Problem liegt vorallem an den Eltern welche nicht wissen wie sie Ihre "Jungmanschaft" zu erziehen haben und Ihnen die nötigen Leitplancken setzen! Früher waren Eltern noch Autoritätspersonen und heute sind es viele Eltern, welche "selber nicht erzogen wurden" ! !
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