Geldwäscherei steht in der Schweiz hoch im Kurs

Immer öfter werden Personen der Geldwäscherei verdächtigt. Zwar ging die Zahl der Fälle jüngst leicht zurück. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber: 2012 ist klar ein Rekordjahr.

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Rekordjahr für Geldwäscherei-Meldestelle

1:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 14.5.2013

Letztes Jahr hat die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) rund 1585 Fälle von Geldwäscherei verzeichnet. Das sind zwar 40 Meldungen weniger als 2011. Dennoch gilt das Jahr 2012 als neuer Rekord, denn 2011 trieb ein Sondereffekt die Geldwäscherei-Meldungen in die Höhe: Der Arabische Frühling.

Geldwäscherei-Verdachtsmeldungen im Vergleich 2011 registrierte die MROS 1625 Verdachtsfälle – ein Rekord. Im gleichen Jahr lösten die politischen Ereignisse während des Arabischen Frühlings alleine 139 Verdachtsfälle aus, 2012 noch 22. Ohne diesen Sondereffekt zeigt die Tabelle: 2012 ist mit 1563 Fällen neuer Rekordhalter.

Auch Vermögen bleiben auf Rekordniveau

Die meisten Meldungen stammten aus den Kantonen Zürich, Genf, Tessin und Bern – aus jenen Kantonen also mit einem starken Finanzdienstleistungssektor. Am meisten wurden Betrugsdelikte vermutet. 

Auf Rekordniveau bleiben auch die gemeldeten Vermögenswerte: Insgesamt belief sich die Summe der Verdachtsmeldungen auf 3,15 Milliarden Franken. 2011 waren es 3,28 Milliarden Franken gewesen. Dabei vereinten 2012 alleine sechs Verdachtsmeldungen Vermögenswerte in der Höhe von 1,44 Milliarden Franken.

Ein Mann trägt einen Aktenkoffer durch eine Messe. (keystone)

Bildlegende: Über 60 Prozent der Verdachtsmeldungen gingen vom Bankensektor aus. Hintergrund waren meistens Betrugsdelikte. Keystone

Am meisten Meldungen aus Bankensektor

Gleich geblieben ist der Trend der letzten Jahre: Erneut stammten zwei Drittel der Meldungen aus dem Bankensektor. In den vergangenen Jahren hatten komplexe Fälle oft dazu geführt, dass ein einziger solcher Fall eine grosse Zahl an Meldungen generiert hatte. 2012 hingegen gab es lediglich einen einzelnen komplexen Fall – im Bankensektor –, daraus ergaben sich 26 Verdachtsmeldungen.

Die zweitmeisten Meldungen haben Zahlungsverkehrsanbieter beigesteuert, gefolgt von Treuhändern und Vermögensverwaltern. In der «Kategorie Treuhänder» steigen die Verdachtsmeldungen seit einigen Jahren stetig.

Insgesamt wurden gut 85 Prozent der Verdachtsmeldungen an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet – auch hier am meisten durch den Bankensektor. Dieser hohe Wert zeuge von der guten Qualität der Verdachtsmeldungen, schreibt die MROS. Dies sei ein Hinweis, dass das gesetzliche Meldesystem in der Schweiz funktioniere.


Mehr Effizienz im Kampf gegen Geldwäsche

3:39 min, aus Echo der Zeit vom 14.05.2013

Mehr Anfragen aus dem Ausland

Die sogenannte Empfehlung 40 – die Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF) – regelt den internationalen Informationsaustausch zwischen Behörden, die für die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Finanzierung des Terrorismus zuständig sind. Der Grundgedanke der Empfehlung 40 ist die rasche und effiziente Kooperation und der Informationsaustausch zwischen Behörden. Dazu gehört insbesondere auch der amtshilfeweise Informationsaustausch zwischen Meldestellen.

Die Meldestelle für Geldwäscherei hat 2012 insgesamt 598 Anfragen aus 82 Ländern beantwortet – leicht mehr als im Vorjahr. Deutlich angestiegen ist allerdings die Anzahl der nachgefragten natürlichen und juristischen Personen, und zwar um 7 Prozent. Dabei machten Schweizer mit 405 Fällen den Hauptteil aus.

Somit bestätigt sich der Trend, dass Amtshilfeanfragen von sogenannten Financial Intelligence Units (FIUs) stetig zunehmen: seit 2007 um 54 Prozent. Dies ist unter anderem auf mehr Mitglieder bei der Egmont-Gruppe zurückzuführen – dem weltweiten Verbund von zurzeit 131 ­Meldestellen für Geldwäscherei.