General Henri Guisans Rütli-Rapport vor 75 Jahren

Der 25. Juli 1940 ist in die Schweizer Geschichte eingegangen. General Henri Guisan liess damals seine Offiziere auf dem Rütli zum Rapport antreten. Der Appell zur Souveränität wirkt bis heute nach. Verteidigungsminister Ueli Maurer und die Offiziersgesellschaft warben für die Sicherheitspolitik.

Offiziere stehen im Halbkreis auf der Rütliwiese.

Bildlegende: Offiziere im Halbkreis auf der Rütliwiese am 25. Juli 1940. ETH Bildarchiv

Der Rütli-Rapport vom 25. Juli 1940 nimmt in der Schweizer Geschichte während des Zweiten Weltkriegs eine herausragende Stellung ein. General Henri Guisan war nach seiner Ansprache für viele Schweizer zum Symbol des nationalen Unabhängigkeitswillens geworden.

Bundesrat Maurer zweifelt am Verteidigungswillen

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75 Jahre Rütli-Rapport

1:34 min, aus Tagesschau vom 25.7.2015

Verteidigungsminister Ueli Maurer nutzte 75 Jahre später die Gedenkfeier, um für eine Sicherheitspolitik mit einer starken Armee zu werben. Beim Rapport sei es Guisan gelungen, den Glauben an die Armee wieder zu erwecken und das Volk von der Notwendigkeit von Widerstand für ein freies Land zu überzeugen.

Gegenwärtig zweifle er aber daran, dass die Schweiz bereit sei, Freiheit und Unabhängigkeit «bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen», sagte Maurer. Neben Wille im Volk brauche es dazu auch die für die Armee erforderlichen Mittel.

Neben Verteidigungsminister Ueli Maurer reisten auch Armeechef André Blattmann und Ständeratspräsident Claude Hêche (SP/JU) aufs Rütli. Zudem waren zahlreiche National- und Ständeräte sowie Vertreter von neun Kantonsregierungen anwesend. Organisiert wurde der Anlass mit rund 450 Gästen von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) und dem Kanton Waadt, General Guisans Heimatkanton.

SOG-Präsident Denis Froidevaux kritisierte die gegenwärtige Sicherheitspolitik, die der Armee die nötigen Mittel zur Erfüllung des beschlossenen Auftrags verweigere. Angesichts der bislang im Nationalrat gescheiterten Armeereform forderte er als Mindestausstattung fünf Milliarden Franken und eine 100'000 Mann starke Truppe.

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Tagesschau vom 25. Juli 1990

1:57 min, vom 24.7.2015

Verunsicherte Schweiz 1940

Genaral Henri Guisan rief 1940 in seiner frei gehaltenen Rede auf der Rütliwiese die im Halbkreis versammelten 600 Truppenkommandanten entschlossen zum Zusammenhalt und Widerstand auf. Gleichzeitig erläuterte er erstmals die Idee des Réduitsystems: Die Armee sollte in den schwer zugänglichen Alpenraum zurückgezogen werden, wobei Beherrschung oder Zerstörung der Alpentransversalen als Faustpfand zu dienen hatten.

Der Rütli-Rapport fiel in eine Zeit, als nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940 und die «Einkreisung» der Schweiz durch Nazideutschland und das faschistische Italien in weiten Teilen der Bevölkerung, der Behörden und der Armee Verunsicherung herrschte.

So hatte der damalige Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz am 25. Juni 1940 eine nebulöse Radioansprache gehalten, die man als Beginn einer Abwendung von der Demokratie verstehen konnte. Zur Verunsicherung trugen auch die Anfang Juli angeordneten Entlassungen von Truppenteilen bei.

1985 wurden Manuskripte zu Guisans Rütli-Ansprache bekannt, die zeigen, dass ursprünglich auch kritische Bemerkungen über das Parteienwesen und den Parlamentarismus vorgesehen waren.

Später der Anbauplan Wahlen

Der Rückzug ins Réduit, der bereits mehrere Tage vor dem Rapport anlief, war nicht unumstritten. Das Mittelland mit dem Grossteil der Schweizer Bevölkerung und der Industrie wäre dem Feind überlassen worden. Das Alpenréduit stand auch erst Monate später wirklich bereit zur Verteidigung.

Zudem protestierten die Achsenmächte gegen die öffentliche Kundgebung des Schweizer Generals. Sie befürchteten, dass er damit die öffentliche Meinung gegen sie aufhetzte.

Auf den Rütli-Rapport folgte am 15. November 1940 als wirtschaftliches Pendant der von Friedrich Traugott Wahlen in Zürich vorgestellten Anbauplan. Der damaligen Chef der Sektion für landwirtschaftliche Produktion beim Bund und spätere Bundesrat zeigte Landwirten auf, dass es möglich und auch nötig sei, dass sich die Schweiz zur Hauptsache oder ganz aus dem eigenen Boden ernähren müsse.