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Schweiz Generika in der Schweiz immer noch zu teuer

Wer Nachahmermedikamente im Ausland kauft, spart noch immer fast die Hälfte des Preises. Patentgeschützte Medikamente hingegen sind nicht mehr so teuer wie bis anhin. Die Pharmafirmen kritisieren dies und warnen vor den Folgen. Die Krankenkassen sehen aber immer noch Sparpotenzial.

Legende: Video Neues Preismodell für Generika in der Diskussion abspielen. Laufzeit 01:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.02.2014.

Patentgeschützte Medikamente in der Schweiz sind im Preisvergleich mit dem Ausland deutlich günstiger geworden, wie Krankenversicherer und Vertreter der Pharmaindustrie gemeinsam mitteilten. Durchschnittlich zahlen Kunden hierzulande noch 5 Prozent mehr für solche Medikamente. Im Vorjahr betrug die Differenz noch 12 Prozent.

Handlungsbedarf besteht aber vor allem bei Medikamenten, deren Patent abgelaufen ist. Zwar hat die Preisdifferenz für Generika im vergangenen Jahr leicht abgenommen. Im Ausland seien aber Nachahmerprodukte fast um die Hälfte billiger, sagte die Direktorin des Krankenkassenverbandes santésuisse, Verena Nold. Auch sei der Marktanteil von Generika in der Schweiz im Vergleich mit dem Ausland sehr tief.

Bedenken der Pharmafirmen

Die Vereinigung der Pharmafirmen (vips) kritisiert dies und warnt vor den Folgen. «Wir müssen uns fragen, ob ein solch tiefes Preisniveau für die Schweiz wünschbar ist. Ich sage klar: nein», erklärte Thomas Binder, Geschäftsführer der vips, vor den Medien in Bern.

Die Nivellierung der Schweizer Medikamentenpreise auf das Niveau der Auslandpreise sei eine unerwünschte Entwicklung. Es bestünde das Risiko, dass die Patientenversorgung mit neuen Medikamenten nicht mehr sichergestellt werden kann, sagte Binder. Angemessene Arzneimittelpreise seien auch notwendig, damit die Vergütung der Preise für die Pharmafirmen weiterhin gesichert sei.

Krankenkassen sehen Sparpotenzial

Demgegenüber erkennt Verena Nold von santésuisse immer noch Sparpotenzial bei den Medikamentenpreisen: «Die Angleichung zum Ausland muss über die anstehende letzte Preissenkungsrunde in diesem Jahr fortgeführt werden.» Zudem werde beim Auslandpreisvergleich weiterhin mit einem überhöhten Wechselkurs gerechnet.

Der starke Preisrückgang bei Arzneimitteln sei eine direkte Folge der alle drei Jahre vorgenommenen Preisüberprüfungen von je rund einem Drittel der Medikamente mit entsprechenden Preissenkungen im November 2012 und 2013, hiess es.

Einigung bei Preisfestsetzung im Vordergrund

Einig sind sich die Krankenversicherer und Pharmavertreter darin, dass noch im laufenden Jahr eine Einigung über ein neues Preisfestsetzungssystem erzielt werden müsse. Der Medikamentenpreis dürfe sich nicht mehr wie bisher rein am Ausland orientieren. Ab 2015 solle der Nutzen eines Arzneimittels wieder adäquat berücksichtigt werden.

Auslandpreisvergleich

Der fünfte gemeinsame Auslandpreisvergleich von santésuisse, Interpharma und vips berücksichtigte die 200 umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate und die rund 200 umsatzstärksten Wirkstoffe. Verglichen wurden die Preise in der Schweiz mit denjenigen in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Grossbritannien, Frankreich und Österreich.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Die Ursache liegt im "Medizinischen Leistungskatalog" wo die Maximalpreise für Medikamente und Leistungen festgeschrieben sind. Das hat mit freier Marktwirtschaft nichts zu tun, somit spielt auch der Wettbewerb nicht... Solang der Leistungskatalog nicht die zu bezahlenden Leistungen, sondern "wieviel die Leistungen kosten dürfen" beinhaltet, werden wir stets nur Preisanstiege im Krankenwesen haben. Von den Medikamenten zu Behandlungen und KVG-Prämien.
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  • Kommentar von Susanna Steimer Miller, Kilchberg
    Santésuisse vergleicht in der Studie Äpfel mit Birnen. Generika in der Schweiz können nicht mit Generika in Holland oder Dänemark verglichen werden. In der Schweiz können Patienten frei wählen, welches Generikum sie einnehmen. In Dänemark und Holland sind sie gezwungen, immer das billigste Präparat einzunehmen und ständige Medi-Wechsel in Kauf zu nehmen. Genau diese Folge hätte die Einführung des Festbetragssystem in der Schweiz auch.
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