Genf bleibt hart: Foto mit Erdogan-Kritik wird nicht entfernt

Ankara fordert von der Stadt Genf die Entfernung eines Erdogan-kritischen Bildes. Für die Stadt kommt das aber nicht in Frage. Das Bild kann bleiben.

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Erdogan blitzt in Genf ab

1:34 min, aus Tagesschau vom 26.4.2016

«Ich heisse Berkin Elvan. Die Polizei hat mich auf Befehl des türkischen Ministerpräsidenten getötet.» Dieser Text ist auf einer Fotografie zu lesen, die derzeit in Genf im Rahmen einer Ausstellung über Demonstrationen gezeigt wird. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist das Bild ein Dorn im Auge. Er forderte unmissverständlich, dass die Fotografie entfernt wird. Doch davon will die Genfer Regierung nichts wissen: Sie stellt sich hinter die Macher der Ausstellung, wie der zuständige Stadtrat nun gegenüber «10vor10» sagt.

«Genf wird sich von gar keinem Land beeinflussen lassen. Genf und die Schweiz stehen für die Meinungsäusserungsfreiheit ein. Gerade auf der Place des Nations in Genf, wo sich Minderheit mit Demonstrationen müssen ausdrücken können», so Stadtrat Guillaume Barazzone. Deshalb stehe die Stadtregierung von Genf klar hinter dieser Ausstellung. «Es steht ausser Frage, dieses Foto zu entfernen.»

Stein des Anstosses

Das beanstandete Bild des Genfer Fotografen Demir Sönmez, der kurdisch-armenische Wurzeln hat, ist Teil einer Ausstellung mit 58 Fotografien auf der Place des Nations vor dem Sitz der Vereinten Nationen.

Elvan war im Sommer 2013 am Rande der Gezi-Proteste im Istanbuler Viertel Okmeydani von einer Tränengaskartusche tödlich am Kopf verletzt worden. Nach Darstellung seiner Eltern war er unterwegs gewesen, um Brot zu kaufen, als er getroffen wurde. Am 11. März 2014 starb der Teenager im Alter von 15 Jahren nach monatelangem Koma.

Stellungnahme der Botschaft

Die türkische Botschaft in Bern äusserte sich nur kurz in einem Communiqué. Ihr ging es demnach um eine Kontaktaufnahme mit der Stadt Genf. Man bedauere jedoch, dass «die ganze Sache fern vom Kontext in eine ganz andere Richtung geleitet» wurde. Dies sei kein richtiger Ansatz.