Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Genf im Streik: Keine Schule, Polizei, ÖV

In Genf wird wieder gestreikt. Nachdem die Bus- und Tramfahrer die Stadt für einen Tag lahmgelegt haben, sind die Staatsangestellten am Dienstagnachmittag dran. Lehrer, Spitalpersonal, Polizisten legen ihre Arbeit nieder, um gegen das Kantonsbudget zu protestieren. Es geht ums Geld.

Legende: Video Streik in Genf abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.12.2014.

Die Genfer Schüler wird es freuen. Einige haben am Dienstagnachmittag keinen Unterricht. Denn ihre Lehrer gehen auf die Strasse.

Der Kanton muss sparen und gleichzeitig 300 neue Stellen in Schulen und Gefängnissen schaffen. Eine Rechnung, die für die Regierung nur aufgeht, wenn man die jährlichen Lohnerhöhungen des Personals streicht.

Um den Schuldenberg von über 12 Milliarden Franken in den Griff zu bekommen, müsse man die Ausgaben reduzieren, sagte der Genfer Regierungspräsident François Longchamp. Dass die Löhne der Angestellten der Öffentlichen Dienste nächstes Jahr gleich bleiben, sei nicht schlimm, fährt er fort.

An der Einnahmenseite schrauben

Das sehen die Gewerkschaften anders. Sie stören sich daran, dass man an den Ausgaben schraubt, nicht aber an den Steuereinnahmen, sagt Davide de Filippo von der Gewerkschaft für das Staatspersonal. Deswegen gingen sie heute Nachmittag auf die Strassen.

Nur ein Monat ist es her, seit die Angestellten des Öffentlichen Verkehrs streikten, auch damals wegen Budget-Kürzungen. Sind die Genfer Funktionäre nun auf den Geschmack gekommen? Ja, meint der Gewerkschafter De Filippo – auch wenn die Lehrer wohl nicht ganz so konsequent streiken würden wie die Chauffeure.

Streikende Staatsangestellte: Es scheint als sei der Arbeitsfrieden in Genf gefährdet. Sozialpartnerschaften seien ein Mythos. Soziale Errungenschaften seien nur dank Streiks erreicht worden, sagt De Filippo.

Die Fronten sind in Genf verhärtete. Der Grund dafür sei nicht unbedingt die Lohndebatte, meint Ivan Slatkin, der für die FDP in der Finanzkommission sitzt.

Vor vollendete Tatsachen gestellt

Das Problem sei, dass die Regierung die Angestellten vor die Fakten stelle, und nicht über die Lohnerhöhungen diskutieren wolle. Dennoch ein Streik ist auch für Slatkin übertrieben. Oder vielleicht doch nicht, überlegt er, weil der Streik eben das einzige Mittel der Staatsangestellten sei, um sich bei der Regierung Gehör zu verschaffen.

Slatkins Zögern zeigt das Unbehagen der FDP – der Genfer Regierungspartei – mit diesen Protesten. Das meint auch der Wirtschaftssoziologe Daniel Oesch: «Die FDP ist die grösste Partei im Parlament in Genf, ist die dominierende Partei im Regierungsrat. Und sie hat den Draht zu den Staatsdienern verloren.» Deshalb wehren die sich nun auf der Strasse.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Wenn seit dem Ende des zweiten Weltkrieges den Reichlingen keine Steuergeschenke gemacht worden waeren, und statt der PFZ der Auslaenderbestand auf 10 Prozent plafoniert worden waere (wie vom Bundesrat versprochen, um das Stimmvolk gegen Schwarzenbach ueber den Tisch zu ziehen), wuerden heute die Staats- und Sozialkassen ueberquellen statt Milliardenloecher aufweisen, die nun von den Lohndoempingopfern statt den profitierenden Taetern gestopft werden sollen....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Die Asiaten lachen über die Westeurpäer, sie können nicht verstehen, dass man im Westen Geld bekommt fürs nicht arbeiten. Der Westen gibt Weltweit am meisten für Sozialleistungen aus. Das in einer Zeit wo die Budget immer mehr gestrafft werden müssen. Die Steikenden haben also nicht nur Recht. Es braucht bald schon 2 Menschen um einen Sozialfall zu tragen. So einfach ist es nicht. Bei 12 Milliarden Schulden ist schon mal die Zeit da sich über die Ausgaben Gedanken zu machen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen