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Schweiz Gentech-Versuche: Bauern fordern mehr Bodenhaftung

Ein Zaun schützt die zarte Saat vor der Welt rabiater Gentech-Gegner. Vor ein paar Tagen ist auf dem Versuchsfeld der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope in Zürich-Affoltern ein gegen Mehltau resistenter Weizen freigesetzt worden. Über den Sinn der Aktion scheiden sich die Geister.

Legende: Video Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen abspielen. Laufzeit 2:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.03.2014.

Die Aussaat auf der so genannten Protected Site erfolgte am 13. März. Das Feld sieht nicht nach grossen Dingen aus. Auf einem 3 Hektar grossen Feld belegt der aktuelle Versuch 1600 Quadratmeter. Diese sind mit einem gelben Netz abgedeckt, damit Vögel keine Körner fressen können, wie es anlässlich einer Besichtigung hiess.

Veränderte Gene gegen dies und das

Was für die Vögel kein Problem wäre, soll für Schädlinge zum Fiasko heranwachsen. Der neuste Versuch der Universität Zürich geht der Frage nach, ob natürlich im Weizen vorkommende Resistenzgene «optimiert und züchterisch besser eingesetzt» werden könnten. Dazu haben die Forschenden die Aktivität der Gene verstärkt und verschiedene Gene in einer neuen Art und Weise miteinander kombiniert.

Ferner woll die Forscher ergründen, ob die gentechnische Veränderung allenfalls auch andere Merkmale der Pflanze beeinflusst. Laut Beat Keller vom Institut für Pflanzenbiologie der Uni Zürich kostet der Versuch jährlich rund 50'000 Franken. Diese erhalte die Uni aus «rund 15 Quellen».

Aber Agroscope zieht auch eigene Forschungsprojekte in Betracht. In Planung sind Versuche mit gentechnisch veränderten, gegen Kraut- und Knollenfäule resistente Kartoffeln, mit Feuerbrand- und Schorf-resistenten Äpfeln sowie mit Fusarium-resistentem Weizen.

Ein Wachmann mit Hund steht vor einem Zaun bei Agroscope in Reckenholz-Tänikon.
Legende: Die Felder für die Freisetzungsversuche von Agroscope werden bewacht wie Trüffelfelder. Keystone / archiv

Bauern fordern mehr Praxisbezug

Die Agroscope-Felder schauen von Weitem wie Straflager aus. Bewachte Zäune sichern das wissenschaftliche Schaffen. In der Vergangenheit gab es mehrfach Protestaktionen gegen Gentech-Feldversuche. Zum Teil wurden dabei die Pflanzungen zerstört. Vermummte, die 2008 bei Agroscope ein Versuchsfeld verwüsteten, wurden später mangels Beweisen freigesprochen.

Weniger rigide Kritiker des Versuchs appellieren an den gesunden Menschenverstand. Der Schweizer Bauernverband (SBV) fordert eine praxisbezogene Forschung, welche konkrete Verbesserungen für die Schweizer Landwirtschaft aus agronomischer und wirtschaftlicher Sicht bringen.

Für die Forschung und Entwicklung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) sei es jedoch wichtig, «...dass sich die staatliche GVO-Forschung an den konkreten Bedürfnissen der Schweizer Landwirtschaft orientiert», erklärt Francis Egger, Leiter des SBV-Departementes Wirtschaft, Bildung und Internationales.

Nichts als Symptombekämfung

Deutlicher wird hierbei die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG). Sie moniert, dass die erneuten Freisetzungsversuche mit genmanipuliertem Weizen «an den Bedürfnissen der Schweizer Landwirtschaft und der Konsumenten vorbeiforschen». Die Versuche seien «teuer und unnötig».

Die Gentechnologie sei ungeeignet, eine nachhaltige Landwirtschaft mit zu entwickeln. Sie bekämpfe eher die Symptome als die Ursachen einer aus dem Gleichgewicht geratenen Agrarproduktion, schreibt die SAG.

Kritiker appellieren an die Forscher

Ähnlich sieht es auch Greenpeace. Die Umweltorganisation hält die Entwicklung von Gentech-Weizen «für eine teure Fehlinvestition». Schweizer Forscherinnen und Forscher sollten vermehrt nach ökologischen Lösungen suchen.

Der Basler Appell gegen Gentechnologie fordert Forscherinnen und Forscher dazu auf, die Ausrichtung ihrer Forschungsprojekte zu überdenken und der Realität anzupassen. Es sei sinnlos, erneut Versuche mit gentechnisch verändertem Weizen durchzuführen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Wie schaffen es Gentechfirmen, deren Produkte niemand will, überhaupt zu überleben? Jede andere Firma wär schon lange weg vom Fenster. Dass die nicht aufhören zu drängeln, lässt die Vermutung zu, dass da noch ganz andere Interessen im Spiel sind.
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  • Kommentar von M.Meier, Lenzburg
    Vertrauliche, geheime Papiere belegen in den USA, dass der dort hochgelobte Gen-tec Mais, ganz und gar nicht das bringt, was er sollte, dass mehr Pestizide eingesetzt werden müssen, weniger Ertrag usw. Also auf der ganzen Linie versagt hat! AUSSER>>> das ist wichtig, Gewinn für Verkäufer des Saatgutes erbracht hat! UND das ist doch schlussendlich das entscheidende!
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    1. Antwort von F. W. Ruggli, Texas
      Die Statistiken des USDA (US Landwirtschaftsamt) sind ueberhaupt nicht geheim. Vielleicht sollten sie einmal diese studieren und nicht ihre Geheimdokumente! Diese belegen, dass die Ertraege in den letzten Jahren kontinuierlich gesunder sind und gesteigert werden konnten. Nach wie vor sind die USA groesster Getreideexporteur der Welt und beliefern damit auch den europaeischen Markt. Auf meinen Feldern genuegt eine einfache leicht abbaubare Pestizidbehandlung pro Pflanzung.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Es kommen immer mehr negativ Schlagzeilen vom gentechnisch veränderten Mais zum Vorschein. Auch Genmais hielt man für unbedenklich, warum muss man jetzt wieder etwas erzwingen was sich später als großer Irrtum heraus stellt.? Das Schweizervolk will keine gentechnisch veränderte Esswaren. Singenta und Monsanto wollen ihren Markt vergrößern und alles andere ist ihnen unwichtig. Wehret Euch, liebe Bauern, es geht um Euer überleben.
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