Gentechnisch veränderte Lebensmittel – nicht in der Schweiz

Kommt der Genmais oder kommt er nicht? In der EU zeichnet sich seit heute ein Trend für die Zulassung ab. In der Schweiz ist das bislang kein Thema – mindestens bis 2017.

Der Agrarministerrat der Europäischen Union hat heute über die Zulassung von genmanipuliertem Mais (Genmais) beraten. Das Ergebnis: Der Rat sprach sich zwar gegen eine Genehmigung aus – für eine endgültige Ablehnung kam aber nicht die nötige Stimmenzahl zusammen.

Nun ist die EU-Kommission mit der Entscheidung beauftragt. Der zuständige EU-Gesundheitsminister Tonio Borg hatte sich bereits in der Vergangenheit für die Zulassung ausgesprochen.

Wie aber steht es um gentechnisch veränderte Lebensmittel in der Schweiz? Eine Bestandsaufnahme.

Die rechtliche Situation:

In der Schweiz regelt das Moratorium für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Das Moratorium basiert auf einer 2005 angenommenen Volksinitiative und ist bis November 2017 gültig.

Sind GVO-Produkte in der Schweiz gänzlich verboten?

Nein, erlaubt ist der Import dreier deklarationspflichtiger genmanipulierter Maissorten und einer Sojasorte. Auch gentechnisch veränderte Futtermittelzutaten dürfen importiert werden. Und: Schweizer Recht erlaubt Nahrungsmittel, die einen Anteil von maximal 0,9 Prozent Gentech-Anteile enthalten. Dies aber nur dann, wenn die Spuren unbeabsichtigt in das Produkt gelangt sind und geeignete Massnahmen zur Verhinderung von Vermischungen getroffen wurden.

Ist die Schweiz GVO-frei?

Mit hundertprozentiger Sicherheit lässt sich das nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Denn: Trotz der erlaubten Höchstgrenze von 0,9 Prozent verzichten Schweizer Landwirte bislang auf den Import von gentechnisch verändertem Futtermittel.

Auch die Grosshändler bieten keine GVO-Produkte an. «Coop verkauft keine Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Rohstoffen, die gemäss Schweizerischer Gesetzgebung als GVO deklariert werden müssen», sagt Coop-Mediensprecher Ramón Gander zu SRF News Online. Auch Konkurrent Migros setzt auf ein gentechfreies Sortiment. «Wir haben uns entschlossen, freiwillig auf genveränderte Produkte zu verzichten», erläutert Mediensprecher Urs Naef.

Europakarte mit eingefärbten Flächen wo kommerzieller Genmais-Anbau erlaubt und verboten ist.

Bildlegende: Spanien betreibt die grösste Anbaufläche für gentechnisch veränderten Mais in der Europäischen Union. Keystone

Sollten dennoch entsprechende Produkte im Handel angeboten werden, müssen diese laut Kennzeichnungsverordnung LKV den Hinweis «gentechnisch verändert» oder «genetisch verändert» tragen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) plant ausserdem eine weitere Kennzeichnung für Lebensmittel tierischen Ursprungs. Auf diesen soll der Hinweis «Produktion ohne gentechnisch veränderte Futterpflanzen» angebracht werden.

Genmais «1507»

Der Genmais «1507» ist resistent gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel und produziert selber ein Insektengift. Dieses Gift soll Schmetterlinge gefährden, kritisieren Umweltschützer. Zudem sei unklar, wie viel des Giftes in die Erde gelangen kann. Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa hat die Pflanze als unbedenklich eingestuft.

1507 vor Zulassung

1507 vor Zulassung

Die Maissorte 1507 ist vielen ein Dorn im Auge. In Brüssel stritten die EU-Minister heftig darüber, ob sie angebaut werden darf oder nicht. Viele Länder sind dagegen und doch wird der Gentech-Mais 1507 vielleicht schon bald auf Europas Feldern wachsen. Lesen Sie hier mehr.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Genmais 1507» soll schon bald EU-weit angebaut werden dürfen.

    «Genmais 1507» vor der Zulassung in Europa?

    Aus Echo der Zeit vom 11.2.2014

    Der «Genmais 1507» wird möglicherweise schon bald für den Anbau in den EU-Ländern zugelassen. Das ist das Ergebnis einer langen und komplizierten Ministersitzung in Brüssel. Kritiker warnen: Genmais bedrohe die Artenvielfalt und sei giftig für Insekten. Ist das wissenschaftlich erwiesen?

    Urs Bruderer und Thomas Häusler