Gentests: «Angelina-Jolie-Effekt» erfasst die Schweiz

Innert zweier Jahre hat sich die Zahl der Tests zu Brustkrebs-Risiken in der Schweiz verdoppelt. Die Spitäler sprechen vom «Angelina-Jolie-Effekt». Am Dienstag hat die Hollywood-Schauspielerin nun bekannt gegeben, dass sie auch die Eileiter und Eierstöcke entfernen liess.

Angelina Jolie in einer Abendrobe hält sich die Hand auf die Brust und lächelt.

Bildlegende: Wegen Angelina Jolie lassen immer mehr Frauen ihr Brustkrebs-Risiko testen. Keystone

Vor zwei Jahren liess sich Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie ihre Brüste wegen erhöhtem Krebsrisiko vorsorglich amputieren. Am Dienstag hat sie bekannt gegeben, dass sie nun auch ihre Eierstöcke und Eileiter entfernen liess.

Seit Jolie ihre Brustamputation publik gemacht hat, lassen in der Schweiz doppelt so viele Frauen ihre Gene testen als zuvor. Unter Ärzten spricht man vom Angelina-Jolie-Effekt. «Am Anfang dachte ich, es sei ein vorübergehender Hype. Aber es bleibt auf einem höheren Niveau», sagt beispielsweise Manuela Rabaglio vom Berner Inselspital.

Selten unnötige Anfragen

Auch die Ärzte seien durch Jolies Entscheidung, die Brüste amputieren zu lassen, sensibilisiert worden, sagt Susanna Bucher vom Brustzentrum des Luzerner Kantonsspitals. Am Anfang hätten die Spezialisten zwar einen grossen Zustrom unnötig besorgter Frauen befürchtet.

Unterdessen zeige sich aber, dass vor allem Frauen kämen, bei denen eine solche Gen-Untersuchung sinnvoll sei – etwa «bei gesunden Frauen, die sagen, dass in der Familie Brustkrebs sehr häufig ist», sagt Bucher.

Test kostet 4000 Franken

Nur in berechtigten Fällen zahlen auch die Krankenkassen den fast 4000 Franken teuren Gentest. Jede zwanzigste Frau, die an Brustkrebs erkrankt, ist von derselben Genmutation betroffen wie Angelina Jolie. Jährlich sind das in der Schweiz etwa 250 Frauen. Immer mehr von Ihnen lassen sich nun auch die Brüste entfernen.

Am Dienstag gab die Schauspielerin bekannt, dass sie sich nun auch noch Eierstöcke und Eileiter habe entfernen lassen. Dies dürfte auf die Schweizer Frauen allerdings keinen vergleichbaren Effekt mehr haben, schätzen die Fachleute. Denn schon heute lassen sich Schweizer Frauen in derselben Situation eher präventiv Eierstöcke und Eileiter entfernen als ihre Brüste.