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Gesundheitskosten explodieren Zu viele Patienten gehen ins Spital statt zum Hausarzt

Der Krankenkassenverband Santésuisse macht eine pessimistische Prognose zur Prämienentwicklung. Schuld seien auch die Patienten.

Legende: Audio Santésuisse: Gesundheitskosten steigen konstant weiter abspielen. Laufzeit 02:56 Minuten.
02:56 min, aus Rendez-vous vom 26.09.2017.

Verena Nold, Direktorin von Santésuisse, ist eindeutig in ihren Aussagen: «Das Schweizer Gesundheitswesen bleibt teuer.» Nold verweist darauf, dass im letzten Jahr die Kosten in der obligatorischen Krankenversicherung pro Person um fast vier Prozent gestiegen sind.

Besonders stark sind die Kosten bei den ambulanten Spitalbehandlungen gewachsen:

Immer mehr Leute besuchen Spitalambulatorien, und immer mehr Leute gehen direkt ins Spital statt zum Hausarzt, um sich behandeln zu lassen.
Autor: Verena NoldDirektorin von Santésuisse

Die Spitalambulatorien hätten Tag und Nacht geöffnet, was natürlich einfacher zu arrangieren sei. Aber: «Konsulationanen beim Hausarzt wären viel günstiger, als die Arztbesuche im Spital.»

Santésuisse-Direktorin Verena Nold
Legende: Santésuisse-Direktorin Verena Nold sieht einiges an Sparpotenzial im Gesundheitswesen. Keystone

Nun ist die Politik nicht untätig geblieben. So hat der Bundesrat in den Ärztetarif Tarmed eingegriffen. Ab dem neuen Jahr müssen für verschiedene ambulante Eingriffe in Spitälern und Arztpraxen tiefere Beträge verrechnet werden. Dadurch will der Bund eine halbe Milliarde Franken einsparen.

Verpufft Bersets Tarifeingriff?

Anders als der konkurrierende Krankenkassenverband «Curafutura» glaubt Santésuisse aber nicht, dass das gelingen wird: «Tarmed wird auch im nächsten Jahr ein Einzelleistungstarif sein. Das heisst, dass die Ärzte kompensieren können: Wenn eine Tarifposition gekürzt wird, können sie eine andere abrechnen, die nicht gekürzt wurde oder einen Patienten mehrmals aufbieten», sagt Nold. Deshalb geht Santésuisse nicht davon aus, dass die halbe Milliarde wirklich eingespart wird.

Ein weiterer Sorgenposten der Santésuisse-Direktorin sind die Medikamentenpreise. Sie würde sich wünschen, dass der Bund diesbezüglich mehr unternehmen würde. «Der Bund hat es in der Hand. Er legt die Preise der Medikamente fest. Wir sind diesbezüglich eine Hochpreisinsel. Wenn die Preise regelmässig überprüft und auf das ausländische Preisniveau gesenkt würden, liessen sich auch hier Einsparungen erzielen.»

Nicht alles ist schlecht

Immerhin erkennt Santésuisse auch einzelne positive Entwicklungen. So sind die Kosten für stationäre Spitalaufenthalte zurückgegangen. Das hängt damit zusammen, dass die Kantone neuerdings einen höheren Anteil bei den stationären Behandlungen übernehmen müssen – was die Prämien eben ein Stück weit entlastet.

Wie die Prämien für nächstes Jahr konkret aussehen, wird am Donnerstag klar. Dann wird der Bundesrat nämlich seinen Entscheid der Öffentlichkeit mitteilen.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Lesek Hottowy (Lhot)
    Wenn man 2 Wochen auf einen Arztermin warten muss und der Arzt nur 3 Tage die Woche und mit 2 Monaten Ferien im Jahr kaum erreichbar ist und kaum ein Notfalldienst besteht dann gehen die Leute halt direkt ins Spital. Würde ich auch.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Dann sollten Sie den Arzt wechseln. Ist es dringend bekam ich bisher immer am gleichen Tag einen Termin und ist der Arzt in den Ferien übernimmt eine andere Praxis und auch dort wurde ich immer zeitnah behandelt. Es gibt für mich kaum gültige Ausreden, ständig die Ambulatorien des Krankenhauses zu stürmen. Hier müsste man überlegen, ob eine Kostenbeteiligung bei Bagatellfällen sinnvoll wäre. Bereits 30-50 Franken würde den Einen oder Anderen 2 mal überlegen lassen.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Es gibt auch Notfallärzte, welche man im Notfall um Hilfe bitten kann. Zudem sind auch Hausärzte dazu verpflichtet, bei Notfällen ihre Patienten sofort einen Termin zu geben.
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  • Kommentar von Kari Raeschter (K. Raeschter)
    Ein grosses Problem ist, dass viele Leute direkt ins Spital gehen: es gibt keine Notfall-Ärzte mehr wie früher ausserhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen oder wenn ein Hausarzt Ferien hat. Nein man muss eine teure 900er Notfall-Nummer anrufen, welche einem direkt mit dem Spital verbindet. Ist mir passiert: man verlangte sogar, dass ich mit dem Krankenwagen dorthin fahre (habe ich aber nicht gemacht). Aber auch zu normalen Zeiten gehen zu viele direkt ins Spital statt zum Arzt oder Apotheke.
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  • Kommentar von Peter Muster (Giovanni Caputo)
    Ich hatte jahrelang einen Hausarzt.Eines Tages ist er in Pension gegangen.Da ich recht gesund war,habe ich mir keinen neuen Hausarzt gesucht. War dann trotzdem mal was, bin auch ins Spital gegangen, Dort konnte man alles zusammen machen. Röntgen/Thorax, CT-Röhre etc, nach einem Morgen waren alle Untersuche gemacht.Der Hausazt hätte mich nicht empfangen (da muss man erst am Telfon-Fräulein vorbei kommen, um einen Termin zu bekommen) Dann Weiterweisung zum Röntgen, neuer Termin für CT-Röhre
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