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Schweiz Gewerbeverband gegen Flüchtlingslehre

Die sogenannte Flüchtlingslehre kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt macht der Chef des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV), Hans-Ulrich Bigler, Front gegen die Initiative des Bundesrates. Der Wirtschaft nützten Personen, «die bloss eine Schnellbleiche durchlaufen» hätten, nichts.

Hans-Ulrich Bigler
Legende: Front gegen die Flüchtlingslehre in der bisherigen Form: SGV-Direktor Bigler. Keystone

Das jüngst vom Bundesrat lancierte Flüchtlingslehre-Programm schwäche die duale Berufsbildung, meint Hans-Ulrich Bigler, Chef des Gewerbeverbands SGV.

Eine einjährige Flüchtlingslehre, wie sie das Staatssekretariat für Migration (SEM) im vergangenen Dezember als Pilotprojekt vorgestellt hatte, sei «eine direkte Schwächung» der heute im dualen Bildungssystem anerkannten Berufslehre, sagte Bigler dem «Blick». «Dieser Titel suggeriert Kompetenzen, die die Absolventen nach dem Einjahresschnellkurs nicht haben können.»

«Imageschädigend und despektierlich»

Für Bigler ist die Flüchtlingslehre «imageschädigend und despektierlich gegenüber den hohen Standards der dualen Berufsbildung». Zudem wecke das Angebot «vor allem falsche Hoffnungen bei den Flüchtlingen». Die Wirtschaft könne Personen, «die bloss eine Schnellbleiche durchlaufen» hätten, nicht aufnehmen.

Legende: Video Schnellere Integration von Flüchtlingen in der Schweiz abspielen. Laufzeit 1:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.01.2016.

Der SGV-Direktor schlägt deshalb vor, die zweijährige Attestlehre solle auch von Flüchtlingen genutzt werden. Der Bund würde besser bestehende Strukturen stärken. Zudem könne er Projekte finanzieren, um abzuklären, welche Fähigkeiten und Eignungen Flüchtlinge hätten.

Das SEM hatte im Dezember mitgeteilt, in einem Abklärungsverfahren würde getestet, ob die Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen Potenzial, Motivation und Beharrlichkeit für die Teilnahme am einjährigen Pilotprogramm mitbringen würden.

Einst von Blocher initiiert

Um die Berufsaussichten für anerkannte Flüchtlinge zu verbessern, hatte der damalige Justizminister Christoph Blocher bereits im September 2006 das Pilotprojekt einer «Flüchtlingslehre» lanciert. Rund 50 Personen nahmen daran teil.

2013 kündigte Staatssekretär Mario Gattiker an, Bund und Kantone würden intensiv über eine Wiederaufnahme des Projekts beraten. Im vergangenen Dezember schliesslich kam ein vierjähriges Pilotprogramm für eine einjährige Flüchtlingslehre auch als als Stärkung der flankierenden Massnahmen gegen die Zuwanderung aufs Tapet.

Laut dem Bundesrat sollten jährlich rund 1000 Personen daran teilnehmen. Die Gesamtinvestitionen werden im Jahr 2017 festgelegt und belaufen sich auf maximal 54 Millionen Franken.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Einst von Blocher initiiert. - Aber wie so oft, wird er in eigenem Lande von sehr vielen seiner politischen Widersachern eben gar nicht richtig verstanden. - Auf Basis einer Hilfe zur Selbsthilfte liesse sich aus einem Flüchtling eine Fachkraft machen, der kontinuierlich weiter-begleitet dann in seinem eigenen Lande zum Aufbau beitragen kann. Dies wäre dann die Integration vor Ort durch unsere Mit-Hilfe und kontinuierlichen Begleitung am Ort seiner Heimat. Ziel: Ein-& Auskommen und Fortkommen.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Was Herr Bigler sagt ist richtig und nicht von der Hand zu weisen. Und dennoch gibt es da eine Möglichkeit, in welche sich genau auch dieser Verband sehr konstruktiv einbringen könnte. An Ideen würde es mir nicht fehlen. Allein die Politik, die es richten könnte, entscheidet letztlich über den Erfolg. - Da lässt sich was machen !!!
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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    Die Flüchtlinge wählen sich das "Schutzland" nach Attraktivität aus - der innereuropäische Wettbewerb ist lanciert um sich gegenseitig zu unterbieten - siehe kürzliche Gesetzesanpassung in Deutschland. Sobald die Schweiz Ausbildungsstrukturen anbietet, steigt die Attraktivität. Warum nicht anstelle von Polen bei den Bauern Flüchtlinge anstellen? Da braucht es max. Sprachkurse.
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