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Schweiz Gewinner und Verlierer der Agrarreform

Die Schweizer Bauern sollen die Landschaft noch mehr schützen, ihre Tiere besser halten und am Schluss von ihrer eigenen Leistung leben können. Das sind die Kernpunkte der Agrarreform, die seit diesem Jahr gilt. Und die meisten Bauern scheinen davon angetan. Es braucht allerdings noch Anpassungen.

Legende: Video «Der Agrarbericht» abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.11.2014.

Fertig mit Milchschwemme oder Butterbergen, wie sie in der Vergangenheit entstanden sind. Mit der Agrarreform 2014-16 wollten die Politiker die Arbeit der Bauern in eine neue Richtung lenken: weg von der serienmässigen Produktion, hin zu ökologischerem Anbau. Die einschneidendste Änderung ist, dass die Bauern nicht mehr pro Tier unterstützt werden.

Nun also ist die Reform seit fast einem Jahr in Kraft. Genau Zahlen gibt es zwar noch nicht. Doch Bernard Lehmann Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft zieht eine positive Bilanz. «Die Einführung der Agrarpolitik hat gezeigt, dass die Landwirte bei diesem neuen, freiwilligen Programmen sehr gut mitmachen. Das hat unsere Erwartungen übertroffen.»

Es gibt auch die Unzufriedenen

Andererseits weiss auch Bernard Lehmann, dass es Verlierer gibt: «Natürlich wünschte man sich, es gäbe weniger unzufriedene oder verunsicherte Landwirte.» Dass es die gibt, bestätigt Bauernpräsident Markus Ritter. «Viel Geld verlieren vor allem die Betriebe, die viele Tiere halten, oft im Talgebiet. Sie sind stark auf die Produktion von Lebensmitteln ausgerichtet und können sich nicht dem neuen Programm anschliessen», sagt Ritter.

Ritter prognostizierte bereits vor kurzem auf Radio SRF, dass kleinere und mittlere 10'000 bis 15'000 Franken pro Jahr weniger erhalten. Diese Mindereinkünfte will der Bund ausgleichen. Doch, so Ritter: Der Bund zahle weniger Übergangsbeiträge aus, als die Bauern gehofft hatten.

Der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft betont aber, die Landwirtschafts-Reform habe ja auch zum Ziel, dass die Bauern vermehrt vom Verkauf ihrer Produkte leben sollen. Auch der Markt zähle. «77 Prozent der Einnahmen der Landwirtschaft kommen vom Markt. Im Jahr 2014 und 2014 hatten wir eine gute Marktlage. Diejenigen, die viel produziert haben, wurden entsprechend honoriert.»

Aber die Märkte schwanken. Und in der Tat räumt der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft ein, gehe man davon aus, dass die Bauern im nächsten Jahr wieder weniger verdienen.

Bürokratie in der Landwirtschaft

Direktzahlungen, Löhne, sind das eine: Der höchste Schweizer Bauer, Markus Ritter hat noch eine andere Kritik in seiner Bilanz zur neuen Agrarreform: «Was uns vor allem Sorgen macht, ist der starke Anstieg der administrativen Belastung. Ein Teil bleibt bei den Bauern, aber auch bei den Kantonen hängen.»

Dieses Problem ist erkannt worden. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Bundes und der Bauern soll Lösungen finden, um die Papierflut zu reduzieren. Ob und wo die Agrarreform angepasst werden muss, können Lehmann und Ritter noch nicht sagen. Bauernpräsident Ritter will im Januar, wenn die fertigen Abrechnungen vorliegen, mit den Landwirten Bilanz ziehen.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Max Müllser, Wangen
    Ich finde es ist immer wieder schön anzusehen, wie sie ihre neuen Traktoren auf der Hauptstrasse und in der Stadt präsentieren, um dann schliesslich in der Beiz den ganzen Tag rumjammern zu können. Und am Abend merken sie dann, dass sie ja noch, ihre Fuhren (meist mit zwei Anhänger, weil es so schön langsam ist und im Berufsverkehr total gut ankommt) erledigen müssen. Ein strenger Arbeitstag geht so erst spät Nachts zu Ende. Also ich finde, solche Bauern haben die Subventionen echt verdient.
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    1. Antwort von T. Hofer, Rosshäusern
      Schön, wenn man die Zeit hat regelmässig Bauern während ihres Arbeitsalltags von früh bis spät zu begleiten...
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    2. Antwort von Ch. Walther, Bern
      Dann sitzen Sie wohl auch den ganzen Tag in der "Beiz", wenn Sie wissen, dass sich dort angeblich die Bauern aufhalten sollen?! Und zur Anspielung mit den "Fuhren": Denken Sie ernsthaft es ist für den Bauern lustig im Abendverkehr unterwegs zu sein? Ich kann Ihnen versichern, es ist äusserst mühsam und die meisten Landwirte meiden, wenn möglich, im Abendverkehr die Strasse.
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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Fuer die Bauern macht sich eine Sozialdiktaturindustrie mehr breit. Samt den damit verbundenen papiertraechtigen Buerokratieschickanen, administriert von einem buerokratischen Leerlaufwasserkopf mehr, von Juristen, ueber die Nachrechner, bis hin zu motorisierten Kuhfladeninspektoren....
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    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Die Hälfte der Einkünfte der Bauern sind auch Steuergelder - da will man schon wissen warum wir das zahlen und was mit dem Geld getrieben wird.
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    2. Antwort von fritz meier, zürich
      die frage ist nur ,wer profitiert davon das die bauern zu Landschaftsgärtner degradiert werden mit gütiger mithilfe des Blw ,sind das etwa die grossverteiler die jetzt noch billigeren schrott ohne Kontrollen einführen können.
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    3. Antwort von T. Hofer, Rosshäusern
      @J.Baltensperger: Das ist nur die eine Seite. Auf der anderen begleichen wir auch die Hälfte der Kosten unserer Lebensmittel über den Steuertopf. Den Bauern wäre es weiss Gott lieber ihre ganzen EInkünfte unabhängig vom Staat über den Verkauf ihrer Produkte zu Marktgerechten Preisen zu generieren. Aber versuchen Sie mal den Konsummenten die Verdoppelung der Lebensmittelpreise schmackhaft zu machen...
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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Schliesslich ist jeder Schweizer Bauer in erster Linie Unternehmer - ergo muss er sich auch in so einem Umfeld bewegen und entsprechend agieren können - that's part of the game!
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