«Glamping» – mit Luxus-Camping gegen den Gästerückgang

Mit den Sommerferien beginnt die Reisezeit. Für die Wagemutigen ist Camping die grosse Freiheit, aber das Interesse an Zeltferien schwindet stark. Immer mehr Campingplatz-Betreiber rüsten auf und bieten Luxus-Camping an, sogenanntes glamouröses Camping oder «Glamping».

Ein riesiges Zelt, ausgestattet mit Betten, Blumen und Champagner im Eiskübel.

Bildlegende: «Glamping», Glamorous Camping – Zeltferien für ganz Anspruchsvolle als Marktlücke. SRF

Lagerfeuerstimmung und Sternenhimmel am Abend und frühmorgens von der Sonne geweckt werden: Das ist Camping im Sommer. Aber die Begeisterung nimmt ab. In den letzten Jahren sind die Übernachtungszahlen auf Schweizer Campingplätzen deutlich zurückgegangen.

Grafik in Form von farbigen Zelten, die den Unterschied der Übernachtungszahlen visualisieren.

Bildlegende: Innert fünf Jahren gingen die Übernachtungen auf Camping-Plätzen um 800'000 zurück. bfs/srf

Gab es im Jahr 2008 noch total 3,65 Millionen Übernachtungen, davon 1,7 Millionen von ausländischen Gästen, waren es 2013 noch 2,86 Millionen Nächte, 1 Million von Ausländern. Das sind insgesamt 800'000 Übernachtungen weniger.

Der grösste Schweizer Campingplatz-Betreiber ist der Touring Club der Schweiz (TCS) mit 27 Plätzen. Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit beim TCS, bestätigt, dass schwierige Zeiten herrschen: «Die Euro-Krise hat beim Camping einen sehr grossen Einfluss gehabt. Deutsche und Niederländer haben einen Bogen um die Schweiz gemacht. Die Schweizer haben profitiert und gingen ins Ausland.»

Mädchen helfen einander an allen Ecken beim Aufstellen eines Iglu-Zeltes.

Bildlegende: Was den Kindern noch Spass macht, ist für viele Luxus-Campierer nicht mehr denkbar. SRF

Fixe Behausungen statt Zelt

Dem Rückgang bei den Camping-Gästen muss mit neuen Angeboten begegnet werden. So auch oberhalb des Bodensees im thurgauischen Eschenz. Dort führen in der dritten Generation Manuela und Marcel Meier den Campingplatz Hüttenberg. Auch sie haben in den letzten Jahren das Ausbleiben der Gäste gespürt.

Die Familie Meier bietet neuerdings fixe Behausungen an – weg vom feuchten Zelt hin zur wetterfesten Unterkunft: «Die Leute wollen heute mehr Komfort und suchen das», sagt Manuela Meier.

Für die Anhänger des «Camping light» gibt es auf dem Campingplatz auch einen Bungalow – mit Küche, eigenem WC und Flachbildschirm-Fernseher. Aber die neue Infrastruktur ist teuer, das Geld dafür muss erst verdient werden, sagt Meier: «Man muss die Situation jedes Jahr neu beurteilen. Wie ist die Saison gelaufen, wo kann man investieren, wo umbauen oder was man neu aufstellen kann.»

Camping über dem Durchschnitt - «Glamping»

Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept für Camping-Anbieter gibt es nicht. Aber für Oliver Grützner vom TCS braucht es heute bei den Betreibern ein scharfes Profil. «Man muss einen Camping klar positionieren. Der Standort ist eine zentrale Frage, etwa der Wasserzugang zu einem See oder einem Fluss. Und man muss viel Marketinggeld in die Hand nehmen, um sich bei den Gästen bemerkbar zu machen.»

Herausstechen aus der Masse, das macht der Campingplatz «Fischers Fritz» in Zürich Wollishofen. Hier wird auch Champagner auf Eis serviert – im Safari-Zelt, ausgerüstet mit einem Bett, Lavendel-Pflanze und weisser Frottee-Wäsche für 150 Franken pro Nacht. «Glamping» heisst das im Fachjargon, die Wortkombination aus «Glamorous Camping».

Video «10vor10 vom 25.06.2014» abspielen

10vor10 vom 25.06.2014

24 min, aus 10vor10 vom 25.6.2014

Es gebe in der ganzen Schweiz und in Europa sehr viele Campingplätze, sagte Felix Bächtold, Geschäftsleiter in Wollishofen. «Man muss immer etwas Spezielles machen, den Leuten etwas bieten, um das Interesse zu wecken.»

In diesem Sinne gehört für ihn auch dazu, aktive Feriengäste anzulocken. Ihnen bietet er auf dem Zürichsee Kanus zur Benützung an, Standup-Paddeling und eine eigene Wakeboard-Schule. Nur eine klare Positionierung hilft, sich in diesem Geschäft über Wasser zu halten.