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Gleiche Löhne für Frauen Wie die Politik scheitert – kommt jetzt die Volksinitiative?

Das Gleichstellungsgesetz ist im Laufe der Parlamentsberatung entschärft worden – die Gewerkschaft Unia will sich wehren.

Legende: Audio Die lange Geschichte des Gleichstellungsgesetzes abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
02:08 min, aus HeuteMorgen vom 28.02.2018.

Der Ständerat debattiert heute über das Gleichstellungsgesetz – eine Vorlage, die gleiche Löhne für Frauen und Männer garantieren soll. Nach einer langen Leidensgeschichte bleibt davon aber nicht mehr viel übrig, die kleine Kammer wird nicht mehr allzu viel zu diskutieren haben.

Hoffnungsvoller Start im Jahr 2009

2009 hatte der Bundesrat zusammen mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften voller Hoffnung einen sogenannten Lohngleichheitsdialog lanciert. Das Ziel: Arbeitgeber sollten freiwillig überprüfen, ob sie ihren Mitarbeiterinnen gleich viel zahlen. Das Vorhaben, dass Unternehmen Lohndiskriminierungen nach fünf Jahren freiwillig beseitigen, scheiterte.

Das Mitwirken der Gewerkschaften in der Begleitgruppe war sicherlich für viele ein Hinderungsgrund.
Autor: Daniella LützelschwabRessortleiterin Arbeitgeberverband

Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband sieht zwei Gründe für das Scheitern. Einerseits hätten Unternehmen, die ihre Löhne bereits überprüft hatten, wenig Bereitschaft gezeigt, die Saläre mit neuen Vorgaben nochmals zu überprüfen. «Anderseits war sicherlich auch das Mitwirken der Gewerkschaften in der Begleitgruppe des Lohngleichheitsdialogs für viele ein Hinderungsgrund», so Lützelschwab.

Vorlage abgeschwächt

Anschliessend sollte es der Staat richten. Die Arbeitgeber sollten gesetzlich zur Lohngleichheit verpflichtet werden – etwa mit einer staatlich verordneten Lohnanalyse, die von einer externen Kontrollstelle überprüft würde. Auch eine Meldepflicht wurde diskutiert und eine öffentlich zugängliche schwarze Liste für Unternehmen, die keine Lohnanalyse oder keine Kontrolle durchführen liessen.

Viel blieb davon in der Vernehmlassung jedoch nicht mehr übrig; die Vorlage wurde vom Bundesrat im letzten Sommer abgeschwächt. In der vorberatenden Kommission des Ständerats ist sie weiter geschrumpft. Diese Fassung der Gesetzesänderung betrifft nun noch 0,85 Prozent der Schweizer Unternehmen und 45 Prozent der Mitarbeiter.

Unia prüft Initiative

«Unglaublich», findet Corinne Schärer von der Gewerkschaft Unia. «Offenbar ist das bürgerliche Parlament nicht bereit, wirklich sicherzustellen, dass die Frauen den Löhnen erhalten, der ihnen zusteht. Das muss jetzt aufhören.»

Die Gewerkschaft überlegt sich deshalb nach der Parlamentsdebatte, ob sie eine Initiative zur Lohngleichheit lancieren wird.

Grafik Lohnunterschiede Frau Mann

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die CVP hat mit ihrer Rueckweisung an die Kommission ihre frauen"freundliche" Larve einmal mehr fallen gelassen. Von der CVP gibts nach dem Prinzip "Teile und Herrsche" politische Geschenke fuer Frauen nur, wenn der Mann dafuer blecht. Sobald aber die Rechnung Arbeitgeber oder Staat praesentiert werden soll, werden auch die Restarbeitnehmerrechte der Frauen von der CVP auf die lange Bank geschoben. Bis die Maennerloehne wegen der PFZ ganz auf das Frauennivo abgeteuft sind....
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  • Kommentar von Patrik Christmann (Politik für die Schweizer)
    Die Lohnhöhe nur nach gleicher Arbeit, Ausbildung&Berufserfahrung festzulegen läuft ins Leere&wäre zutiefst ungerecht.Ein Vorgesetzter beurteilt die Leistung seiner Mitarbeiter sehr viel genauer.Quantität&Qualität der Arbeitsleistung einer Person können aus persönlichen Eigenschaften&Fähigkeiten sehr unterschiedlich sein, obwohl die Faktoren Arbeit, Ausbildung&Berufserfahrung übereinstimmen. Muss ich jetzt alle gleich Entlöhnen, auch wenn die Motivation der Mitarbeiter total unterschiedlich ist?
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  • Kommentar von Patrik Christmann (Politik für die Schweizer)
    Heisst die in der Verfassung verankerte Lohngleichheit, dass mit kommunistischem Vorbild für jede gleichwertige Erwerbsarbeit ev. noch abgestuft nach Ausbildung&Berufserfahrung gleich viel bezahlt werden muss und dies mit einem Polizeistaat durchgesetzt wird? Die Folgen für den Wirtschaftsstandort Schweiz wären verheerend. Oder sagt das Verfassungsrecht nicht viel mehr, dass jeder frei ist soviel Lohn zu verlangen damit er&sie zufrieden ist und im Einzelfall einer Diskriminierung klagen kann.
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