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Gotthard Gotthard: Nun wird um das Gewicht der Züge gefeilscht

Im Dezember beginnt der fahrplanmässige Bahnbetrieb durch den Gotthard. Noch immer ist aber nicht klar, wie schwer die Güterzüge sein dürfen, die künftig durch den neuen Tunnel fahren. Für die Transportbranche ist das eine entscheidende Frage.

Ein Mann in Leuchtweste steht vor einer Cargo-Lokomotive
Legende: Wie viel Last darf eine Lokomotive durch den neuen Gotthardtunnel ziehen? Darüber wird noch gestritten. Keystone

Die SBB und das Bundesamt für Verkehr jubeln bereits im Vorfeld: Wegen der kürzeren, flacheren Strecke werde der Güterverkehr auf der Schiene mit dem neuen Gotthard-Basistunnel um einen Drittel produktiver.

Dabei ist noch unklar, wie schwer die Züge künftig sein dürfen. Das bestätigt Dirk Stahl, der CEO von BLS Cargo, der in Konkurrenz zur SBB ebenfalls Güter über die Gotthard-Route transportiert «Für uns als Güterverkehrsunternehmen ist entscheidend, wie viel Gewicht wir einer Lokomotive anhängen können. Die Lokomotiven kosten Geld und je mehr Last wir mit einer transportieren können, umso besser.»

Feilschen um zulässiges Gewicht

Bisher ging man davon aus, dass eine Lokomotive 1600 Tonnen durch den neuen Tunnel ziehen kann. Um diese Zahl wird nun aber hinter den Kulissen zwischen dem Bundesamt für Verkehr, der SBB Infrastruktur und den Güterbahnen heftig gefeilscht.

«Momentan sind wir bei Zusagen für 1300 bis 1400 Tonnen», sagt Stahl. Wenn die Züge zum Beispiel 200 Tonnen leichter sein müssten, dann würde das die Produktivität der neuen Strecke auf einen Schlag um zwölf Prozent reduzieren.

Prognose des Bundesamtes «zu optimistisch»

Der Grund für die Zurückhaltung beim Bundesamt ist der Personenverkehr. Denn Güter-Lokomotiven mit zu viel angehängtem Gewicht könnten sich bei schlechter Witterung verspäten oder gar stecken bleiben. «Dann gerät das Fahrplangefüge in Gefahr, und es können auch im Personenverkehr Verspätungen auftreten», befürchtet Stahl.

Im Testbetrieb werden die Gewichts-Limiten jetzt ausprobiert und dann festgelegt. «Diese Parameter werden am Schluss bestimmen, wie erfolgreich die Verlagerung gelingen wird», sagt Stahl. In einem aber ist sich der Güterbahnspezialist sicher: Die Prognose des Bundesamtes für Verkehr von einem Drittel Produktivitätsgewinn sei so oder so zu optimistisch.

«Echo der Zeit»

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Mehr dazu in der Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF 1 um 18:00 Uhr.

21 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Der ganze Beitrag gleicht einem schlechten Treppenwitz. Bekanntlich hängt die Transportkapazität f. Güter mit der Formel „Brutto=Tara+Netto“ zusammen. In keinem Land sieht man so viel LKW u. Sattelauflieger auf Bahnwaggon im alpenquerenden Güterverkehr wie in der CH. D.h. 30-35% mehr Gewicht u. Strom f. jeden LKW bei eq. 30-35% weniger Netto. Do. 20-25% b. Sattelaufliegern. Diesen Blödsinn haben wir unserer Strassenlobby (u.SVP) zu verdanken. Im glob. Vergleich m. Container-Transportkapazitäten!
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  • Kommentar von Urs Müller (Confoederatio)
    Ein Gewichtslimit ist von vielen Faktoren abhängig. Das Wetter ist ein Faktor, ein anderer die realen Beschleunigungs- & Bremswerte mit den heutigem Zugsicherungssytem. Diese kann man nur in der Realität testen & bestimmen. Von daher ist der eingeschlagene Weg richtig. NB: Bei Baubeginn des GBT ging man davon aus, dass Güterzüge heute 160 km/h im Normalfall fahren können.
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  • Kommentar von Roman Knoepfel (winglet55)
    Also, ich bin mir nicht sicher, ob ich lachen oder schreien soll. Jetzt bauen unsere Star-Ingenieure einen Bahntunnel und wissen nicht wie man den belasten darf? Echt jetzt? Was haben all die Statiker in den Jahren des Baus eigentlich gemacht? Daumen gedreht? Himmel nochmal das ist eine Güterzugstrecke, für das war sie geplant und für das sollte sie konzipiert werden Herr Leuenberger! Ich denke je länger je mehr, man sollte unsere Bundesräte nicht nach Partei, sondern nach Fähigkeiten auswählen!
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Mit Statik hat das herzlich wenig zu tun. In der Schweiz benutzen Personen- und Güterzüge grundsätzlich dasselbe Schienennetz und es gibt auf den diversen Zufahrtslinien zum Gotthard einige Steigungen, die es in sich haben. Weil nun schwerere Güterzüge bei schlechtem Wetter auf diesen Steigungen deutlich zu langsam unterwegs sein könnten und deshalb die nachfolgenden Personenzüge nun bremsen müssten, könnte das in Sachen Fahrplan und Pünktlichkeit gewissen Ärger geben.
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