Armee an der Grenze Grenz-Drohnen fliegen nur unter der Woche

Die Armee setzt Drohnen gegen Einbrecherbanden und illegale Einwanderer ein. Aber nur wochentags.

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Grenz-Drohnen fliegen nur unter der Woche

4:20 min, aus 10vor10 vom 20.7.2017

Jedes Jahr fliegen die Drohnen der Schweizer Armee rund 60 Einsätze für das Grenzwachtkorps (GWK). Die Einsätze fanden meistens nachts statt – und immer unter der Woche. Wie eine exklusive Recherche von SRF mit Flugdaten aus 25 Monaten zeigt: Sowohl in der Nacht auf Sonntag als auch auf Montag bleiben die Drohnen am Boden. Dies, obwohl der Auftrag der Einsätze klar ist: Einbrecher und Schlepper fassen, die nachts über die Grenze kommen. Machen die am Wochenende Pause?

Für Manuel Dubs, Stellvertretender Kommandant des Drohnenkommandos 84 und Oberstleutnant im Generalstab, liegt der Grund nicht bei der Armee: «Wir haben betreffend Tagen und Zeiten keine Einschränkungen, wann wir fliegen dürfen, da ist eigentlich alles möglich gemäss dem Bedarf vom Nutzer. Wir fliegen dann, wenn ein Einsatz gefordert ist.» Allerdings räumt ein Sprecher der Armee nachträglich ein, dass die Drohnen zum Betrieb auf ziviles Personal wie Mechaniker angewiesen seien. Und solches könne «nicht unterbruchslos» im Tessin eingesetzt werden.

Nachtruhe als Problem

Zurzeit fliegen die Drohnen vor allem im Tessin. Für Norman Gobbi, Chef des Tessiner Polizei- und Justizdepartements und Lega-Staatsrat, ist die Unterstützung der Luftwaffe zur Grenzsicherung wichtig: «Vor allem in den Bezirken Luganese und Mendrisiotto, wo auch die Banden am meisten tätig sind. Wir müssen die Schlepper bei der Migration überwachen, weil sie nicht die normalen Grenzübergänge nutzen.»

Und natürlich würden Einbrecher keine Bürozeiten berücksichtigen, «aber wir müssen auch der Befürchtung der Bevölkerung Rechnung tragen.» Denn die heutige Armee-Drohne des Typs ADS-95 Ranger würde viel Lärm machen und die Nachtruhe der Tessiner stören.

Dieses Problem kennt auch Daniel Böhm, Chefpilot des Drohnenkommando 84: «Taktisch versuchen wir natürlich, nicht hörbar zu sein. Das hat zwei Gründe: Dass die Beobachteten das nicht merken und dass man der Bevölkerung nicht Lärm auferlegt, der nicht nötig ist. Darum fliegen wir so hoch, wie es geht.» Bei schlechter Witterung sei man allerdings gezwungen, unter den Wolken zu fliegen, weil die Sensoren der Drohnen sonst beeinträchtigt werden.

Neue Drohne soll Lösung bringen

Änderung soll die neue Drohne des Typ Hermes 900 bringen, die in den nächsten Jahren in Betrieb genommen werden soll. Dann ist es vorbei mit der Schönwetter-Drohne. Ob dann auch die Bürozeiten aufgehoben werden, muss aber das GWK entscheiden. Die Grenzwächter wollen dazu «aus einsatztaktischen Gründen» keine Stellung nehmen.