SBB, BLS und Postauto Grösste Verkehrsbetriebe testen gemeinsame App

Auf der App einchecken, Bus und Zug fahren, und erst am Ende der Reise bezahlen: Das soll hierzulande bald möglich sein.

  • Rein in den Zug, in den Bus oder ins Postauto – ohne an das Billett zu denken. Dieses Zukunftsszenario haben die SBB, die BLS und die Postauto AG heute vorgestellt.
  • Abgerechnet wird nach der Fahrt. Die App «lezzgoPlus» zeichnet die Reise auf und verrechnet danach automatisch den günstigsten Preis. Der wird der Kreditkarte belastet.
  • Die drei Verkehrsbetriebe nennen es einen «Meilenstein für den Schweizer ÖV».

Wird nun alles besser und einfacher? Für «lezzgoPlus» beginnt jetzt erst die Pilotphase. Doch etwas sei bemerkenswert, sagt SRF-Inlandredaktorin Rahel Walser, die bei der Präsentation dabei war. Und zwar, «dass es sich erstmals um eine schweizweite Lösung für ein E-Ticket-System handelt, und dass immerhin die drei grössten Verkehrsbetriebe der Schweiz gemeinsame Standards für dieses System definiert haben.» Das heisst, dass mit der App gelöste E-Tickets überall gleich viel kosten, überall gültig sind und bei Kontrollen anerkannt werden. «Wenn also die Pilotphase erfolgreich ist, gibt es durchaus eine Vereinfachung», bilanziert Walser. «Aber bis dahin gilt es, noch einige Hürden zu nehmen.»

Was sind die Knackpunkte der Ausgestaltung? Eine Frage ist zum Beispiel, ob und wann es gelingen wird, auch den SwissPass elektronisch in der App zu hinterlegen. Denn: «Stand jetzt muss der Kunde sowohl die App als auch seinen SwissPass oder sein Abo vorzeigen», kritisiert Walser. Es gehe auch um den Akkuverbrauch der App: «Um den Fahrpreis zu berechnen, braucht die App GPS-Daten. Diese zu laden, verbraucht sehr viel Strom.» Und schliesslich ist auch der Datenschutz ein Thema. «Da regt sich bereits Kritik», weiss sie.

Lezzgo-App-Icon auf einem iPhone-Bildshirm

Bildlegende: Was in einigen Tarifverbünden schon klappt, soll nun in der ganzen Schweiz möglich werden. Keystone

Wie funktioniert die App genau? Die Kundin oder der Kunde tippt beim Einsteigen seine App an und startet so die Fahrt. Mittels GPS-Daten misst die App, wo die Person entlang fährt und gleicht die Strecke mit dem Fahrplan ab. Wenn der Fahrgast aussteigt, beendet er auf dem App seine Fahrt wieder. «Am nächsten Morgen um 5 Uhr wird dann abgerechnet», erklärt die Redaktorin. Nach diesem «Post-Price-Ticketing» genannten Prinzip soll der Person am Ende der günstigste Tarif belastet werden.

Ab wann könnte die App branchenweit eingesetzt werden? Die Testphase dauert bis September. Dann zeigt sich, ob auch andere Verkehrsbetriebe – ausser SBB, BLS und Postauto – bereit sind, die Standards zu übernehmen. «Bei einer erfolgreichen Testphase könnte diese App ab 2018 genutzt werden», schätzt Walser. Basis des Versuchs ist die App «lezzgo», die bereits in einzelnen Verkehrsverbünden im Einsatz ist. Für den schweizweiten Test wurde sie zu «lezzgoPlus» erweitert. Rund 200 Personen, die iOS nutzen, können sie testen.