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Schweiz Grosser Zuspruch zur bewaffneten Neutralität

96 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer erachten die Neutralität als ganz wichtig für unser Land. Dies zeigt die neuste Sicherheitsstudie der ETH. Immer mehr sind auch der Meinung, die Schweiz solle eigenständig bleiben – dies auch mittels einer starken Armee.

Legende: Video Schweizer stehen zur Schweizer Armee abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.05.2014.

Der Schweiz geht es am besten, wenn sie politisch autonom bleibt. Diese Haltung wird immer populärer. Mit Blick auf die EU heisst das: Ein Beitritt kommt so oder so nicht in Frage – und selbst eine weitere politische Annäherung wird immer skeptischer beurteilt. Zu diesem Schluss kommt die neuste Sicherheitsstudie der ETH Zürich.

Neutralität über alles

Parallel dazu wird für viele die Neutralität immer wichtiger, wie Tibor Szvircsev Tresch von der ETH Zürich ausführt. Er hat die Untersuchung zu aussen- und sicherheitspolitischen Fragen durchgeführt. Die Neutralität werde nicht als ein aussenpolitisches Instrument betrachtet. «Neutralität wird gleichgesetzt mit dem Schweizer Staat», sagt er.

Interessant sei, dass sich insbesondere die 18 bis 29-Jährigen wieder verstärkt für die Neutralität aussprächen, stellt Szvircsev Tresch fest. 99 Prozent dieser Generation beurteilen die Neutralität als sehr wichtig. Offenbar stellten die Jungen fest, dass es der Schweiz politisch und wirtschaftlich gut gehe. «Die Jungen sehen die EU-Krise – das gibt ihnen das Gefühl, man möchte autonom sein und neutral.»

Konservative Junge

Diese jüngste befragte Altersgruppe sei auch konservativer als früher – und auch konservativer als die über 30-Jährigen. Die Jungen seien zwar offen für eine internationale Zusammenarbeit in Umweltfragen; ansonsten aber seien sie isolationistisch und auf Schweizer Werte fokussiert. Man empfinde Immigration als Gefährdung für die Identität und die Werte in der Schweiz. «Deshalb möchten viele das Gemeinschaftsgefühl in der Schweiz stärken», sagt Szvircsev Tresch.

Armee soll vor Bedrohungen schützen

Migration und Cyberangriffe werden laut der Studie als die zurzeit wichtigsten Bedrohungen betrachtet. Die Armee gilt dabei als wichtiges Instrument gegen solche Bedrohungen. Laut der Sicherheitsstudie erachten 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer die Armee als notwendig. Das sind 8 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Lediglich 19 Prozent stellen aktuell die Legitimation der Armee in Frage.

Schiessende Soldaten
Legende: Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung schätzt die Armee. Keystone/Archiv

Viele sind auch überzeugt, dass die Armee vermehrt zum Schutz der Grenze bei Flüchtlingsströmen eingesetzt werden sollte. Und fast 30 Prozent glauben, dass selbst Einsätze der Armee im Kriegsfall wieder wichtiger werden. Dies ist für Szvircsev Tresch wenig überraschend. Die Hälfte der Befragten würden einen Krieg in Europa für möglich halten, hat er festgestellt. «Da ist es konsequent, dass 30 Prozent sagen, die Schweiz solle sich verteidigen können.»

Trotzdem nicht mehr Geld für die Armee

Entsprechend sei es auch konsequent, wenn die Unterstützung für die Armee wieder anwachse: «Neutralität, Autonomie und Armee haben einen Zusammenhang», sagt der ETH-Forscher. Man fühle sich durch die Armee beschützt, könne autonom sein und deshalb auch die bewaffnete Neutralität leben.

Der Schweiz geht es also am besten alleine – und das mit einer gut ausgerüsteten Armee. Trotzdem kommt es für die grosse Mehrheit nicht in Frage, mehr für die Armee auszugeben.

Studie zur Sicherheit

Die jährlich erscheinende Sicherheitsstudie erstellt die ETH Zürich. Sie stützt sich auf repräsentative Befragungen der Stimmbevölkerung. Die Datenerhebung fand im Januar 2014 bei 1200 Stimmberechtigten in allen drei Sprachregionen durch das Meinungsforschungsinstitut Isopublic statt.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Ok, man will eine bewaffnete Neutralität. Nur wer liefert uns die Waffen damit wir unsere Neutralität auch vertieidigen können? Die Waffen von neutralen Schweden wollen wir scheinbar nicht. Typisch schweizerische Inkonsequenz.
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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Schuld am Gripen Desaster ist unser Bundesrat, der die Finanzierung via Sonderfonds verlangt hat, genau wissend, dass er damit das Geschäft durch das Minenfeld der Armee-/Flugzeug-/Typenwahl-Gegner zu einem Mission-Impossible-Einsatz für Ueli Maurer hat werden lassen. Und wieder verlangt dieser wankelmütige, unentschlossene Bundesrat Studien über eine "sogenannte" Neuausrichtung der Armee, die es nie geben wird, weil der Auftrag der Armee schlicht und einfach heisst:: VERTEIDIGUNG SCHWEIZ !!!
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Richtig. Gibt ja noch andere sonderbare BR-Entscheide. Wie kommen die wohl zustande? Dass Burkhalter mit den beiden Linken stimmt scheint für mich klar. Aber was machen denn Schneider, Leuthard und Widmer? Etwa auch?
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    2. Antwort von T. Hofer, Rosshäusern
      @Werner Christmann: Ist die Frage ernst gemeint? Die SP-Spitze wird Frau Widmer-Schlumpf gerade in Armeefragen wohl kaum Stimmfreigabe erteilen....
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  • Kommentar von Kurt e. Müller, Zürich
    Das zeigt wieder einmal, wieviel solche Meinungsumfragen Wert sind. Alle finden anscheinend unsere beste Armee der Welt toll, aber an der Urne sieht es dann (glücklicherweise) ganz anders aus.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Dieses "Nein" gegen den Gripen-Fonds war ja glücklicherweise kein "Nein" gegen die Armee, sondern die Mehrheit der Nein-Stimmenden waren nur gegen diesen Flugzeugtyp. Wäre es ein anderer gewesen, hätte es an der Urne ein "Ja" gegeben. Eine deutliche Mehrheit hat sich ja auch für die Wehrpflicht, also für die Armee ausgesprochen. Die Gegner werden immer in der Minderzahl sein. Das ist gut so!
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    2. Antwort von Roman Loser, Embrach
      Die "Lieben" und "Netten" wollen den Staat übernehmen und inviltrieren die Bevölkerung. Jedoch:Steter Tropfen höhlt den Stein"! Kann aber genau das Gegenteil bewirken!
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Der Stimmbürger ist zum grössten Teil Laie wenn es um Militärbeschaffung geht. Das Nein ist deshalb dem stümperhaften Abstimmungskampf vom Maurer zuzuschreiben.
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @A. Planta: Aber schon komisch! Als er sich als BR stark für den Gripen gemacht hat, wurde er dafür verurteilt. Da hat es Stimmen gegeben, dass er sich gefälligst als BR nicht einzumischen hat. Was jetzt? Und es war ja keine Initiative der SVP, geschweige des VBS, sondern ein Referendum der GSoA. Diese haben allerdings die SP ihren Wahlkampf führen lassen.
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    5. Antwort von Albert Planta, Chur
      Im Falle vom Maurer wäre weniger mehr gewesen. Summa summarum spielt er mit seiner Hüst- und Host-Politik gegen seinen Willen den Armeegegnern in die Hände. Ein Rücktritt wäre deshalb eine diskutable Alternative.
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