Güterzugunfall in der Waadt: «Grösste Sorge gilt der Sicherheit»

Nach dem Zugunglück in Daillens ist es gelungen, den umgekippten Güterwagen mit Salzsäure wieder aufzurichten und zu leeren. Nun sollen die fünf übrigen Wagen geborgen werden. Sechs Personen, die sich am Einsatz beteiligten, haben zur Kontrolle ins Spital gehen müssen.

Der beim Zugunfall in Daillens (VD) umgekippte Güterwagen mit Salzsäure ist aufgerichtet und geleert worden. Nun kann die Bergung der fünf anderen Wagen beginnen. Die Zugstrecke wird allerdings noch mehrere Tage gesperrt bleiben.

«Wir unternehmen alles, was in unserer Macht steht, um möglichst schnell voranzukommen. Aber unsere grösste Sorge gilt der Sicherheit», sagte Denis Froidevaux, Chef des Kantonalen Führungsstabs der Waadt.

Vier Einsatzkräfte mit Schutzanzügen.

Bildlegende: Der Einsatz ist nicht ungefährlich: Sechs beteiligte Personen klagten danach über Unwohlsein. Keystone

Sechs Personen mussten zur Kontrolle ins Spital

Die Arbeiten am umgekippten Tankwagen mit Salzsäure gestalteten sich schwierig. Am Montag konnte der Inhalt bis auf einen Rest von 1400 bis 1500 Liter abgepumpt werden. An die Rückstände kam man jedoch erst bei der Aufrichtung des Wagens heran.

Nach den Arbeiten fühlten sich zwölf der am Bergungseinsatz beteiligten Personen unwohl. Sechs von ihnen mussten zur Kontrolle ins Spital gebracht werden. Es besteht die Möglichkeit, dass sie bei der Wiederaufrichtung des mit Salzsäure beladenen Tankwagens Dämpfe eingeatmet haben. Der Vorfall zeige, so Froidevaux, dass man extrem vorsichtig vorgehen müsse.

Das Erdreich an der Unfallstelle muss abgetragen werden.

Feuerwehr und Spezialkräfte bereiten derzeit die Bergung der anderen fünf entgleisten Wagen vor, die danach weggebracht werden sollen. Dafür rechne man mit 24 bis 36 Stunden. Wenn alles gut laufe, seien die Arbeiten im Verlauf des Mittwochs beendet, sagte der Leiter des Kantonalen Führungsstabs.

Sind die fünf übrigen Waggons geborgen, muss das Erdreich abgetragen werden. Es wurde im Zuge des Unfalls durch 25 Tonnen Schwefelsäure verschmutzt, die aus einem der entgleisten Wagen ausgelaufen waren. Bevor die Bahnlinie wieder eröffnet werden kann, muss die SBB schliesslich die beschädigte Bahnlinie wieder instand setzen.

Pendler warten auf den Ersatzbus, der zwischen Yverdon und Lausanne kursiert.

Bildlegende: Pendler warten auf den Ersatzbus, der zwischen Yverdon und Lausanne kursiert. Keystone

Ersatzbusse im Einsatz

Die sechs Güterwagen waren in der Nacht auf Samstag bei Daillens (VD) entgleist. Weil die Bahnstrecke seither unterbrochen ist, müssen Pendler zwischen Lausanne und Yverdon-les-Bains sowie Lausanne und Vallorbe auf Ersatzbusse umsteigen.

Der Zugang zu den Unternehmen in der Nähe des Unfalls ist wieder möglich. Noch am Samstag und Sonntag waren mehrere Gebäude abgeriegelt worden, darunter ein Post-Verteilzentrum.

Diskussion um Transport gefährlicher Chemikalien entbrannt

Der Unfall löste auch eine Debatte zum Transport gefährlicher Chemikalien aus. Verkehrsministerin Doris Leuthard verteidigte jedoch den Transport via Bahn. Sie erachtet die Schiene als viel sicherer als die Strasse

In einem Interview mit der Zeitung «24 Heures» gab sie zu bedenken, dass es kein Null-Risiko gäbe. Angesichts der Menge der täglich auf dem Schienennetz transportierten Stoffe könne man allerdings sagen, dass die Sicherheit gewährleistet sei.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Aufräumarbeiten nach Zugunfall

    Aus Schweiz aktuell vom 27.4.2015

    Die Auswirkungen des Zugunfalls bei Daillens VD haben die Pendlerinnen und Pendler am Vormittag zu spüren bekommen. Da der Zugverkehr zwischen Lausanne und Yverdon unterbrochen war, mussten Reisende viel Geduld mit ins Gepäck nehmen. Die Aufräumarbeiten dauern noch immer an.

  • Zugunglück im Waadtland

    Aus Tagesschau vom 25.4.2015

    In der Nähe von Lausanne sind in der Nacht auf heute sechs Güter-Wagen entgleist – die Unfallursache ist noch unklar. Die Strecke zwischen Yverdon-Les-Bain und Lausanne ist noch unterbrochen. Verletzt wurde laut der SBB niemand. Allerdings sind gefährliche Chemikalien ausgelaufen. Informationen von SRF- Korrespondentin Alexandra Gubser.