Zum Inhalt springen

Hausärztemangel selber lösen Bündner Gemeinden locken Hausärzte mit Anreizen an

In der Schweiz fehlen heute gut 2000 Vollzeithausärzte. Eine Region hat offenbar die Lösung zum Problem gefunden.

Legende: Video Das Werben um Hausärzte in Berggemeinden abspielen. Laufzeit 3:49 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.10.2017.

Ein bekanntes Szenario: Der langjährige Hausarzt steht kurz vor der Pensionierung, aber weit und breit steht keine Nachfolge bereit. Im Kanton Graubünden eine Situation, die in den kommenden fünf bis zehn Jahren noch zunehmen wird. Denn nach und nach kommen in nächster Zeit 50 Prozent der Hausärzte ins Pensionsalter.

Gemeinden müssen sich ins Zeug legen

Die Gemeinde Albula/Alvra beispielsweise sah sich ebenfalls mit diesem Problem konfrontiert – und fand eine Lösung: Sie nahm dem künftigen Talarzt sozusagen die Wohnungssuche ab. «Wir haben Anreize geschaffen, indem wir Wohnmöglichkeiten zur Verfügung gestellt haben. Wir haben Bauland gesucht und auch Hauseigentümer angefragt, die gewillt waren, ihre Liegenschaften zu verkaufen», sagt Gemeindepräsident Daniel Albertin.

Wir haben Anreize geschaffen, indem wir Wohnmöglichkeiten zur Verfügung gestellt haben.
Autor: Daniel AlbertinGemeindepräsident Albula/Alvra

Die Gemeinde machte dem neuen Hausarzt zudem weitere Praxisräumlichkeiten im Nachbardorf schmackhaft. So kann der künftige Hausarzt nicht nur in Alvaneu arbeiten, sondern könnte auf Wunsch auch noch im zehn Kilometer entfernten Tiefencastel Räumlichkeiten nutzen.

Die Abwanderung aufhalten

Auch in Vella im Bündner Oberlandhat sich die Gemeinde von sich aus ins Zeug gelegt, um nicht in eine Notlage zu geraten. Fünf Millionen Franken hat die Gemeinde in die Hand genommen und baut nun im Dorfkern ein neues Haus mit Praxis, Physiotherapie und einem Dorfladen. Anreiz genug für einen jungen Arzt, die Hausarztstelle in Vella zu übernehmen.

Ein Hausarzt im Tal sei wichtig, der Weg ins nächstgrössere Zentrum zu lange, sagt Gemeindepräsident Duri Blumenthal. «Schlussendlich geht es um die Attraktivität der Gemeinde; es ist ein Zeichen, dass wir an die Gemeinde glauben und vielleicht auch Auswärtige dazu bewegen können, dass sie zu uns wohnen kommen.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lesek Hottowy (Lhot)
    Es sollte ein Mandat sein, dass Aerzte mindestens 2 Jahre auf Notfallstation und 2 Jahre als Hausarzt arbeiten müssen bevor sie einen Spezialisten oder Chefarztjob bekommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Walter Schmid (schwal)
    Ich glaube nicht, dass wir zu wenig Ärzte haben. Wir haben zu viele Patienten. Die Menschen rennen zu oft wegen Bagatellen zum Arzt. Und wenn die Pharmaindustrie und die Spitäler weniger Druck auf Medikamentenabgabe und (unnötige) Operationen ausüben wird sich das Problem ebenfalls lösen, weil Spezialisten dann weniger verdienen und sich mit dem Hausarztberuf zufrieden geben. Aber das wird mit dem heutigen System wohl Wunschdenken bleiben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      @schwal :es gibt sie die menschen, die eigenverantwortlich und ohne grosses aufhebens sich schauen, pflegen und heilen. dies setzt selbstverständnis,-vertrauen voraus und das wissen, dass eine jede/r eigentlich weiss, was ihr/ihm gut tut. die pharmaindustrie hat kein insteresse an solchen menschen. angst schafft kundschaft, also wird einerseits angst gemacht und ein anderseits ein expertentum aufgebaut....das ständig suggeriert, sie wüssten es besser, als ihr körper, als sie selbst.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    eigeninitiativen sind wichtiger denn ja. welldone! nicht alle wollen spezialistInnen sein, nicht alle wollen in die wissenschaft .... manche mögen es generalistinnen tätig zu sein. jeder schritt noch so klein, ist ein schritt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen