Nach Missbrauchsvorwürfen Hausdurchsuchung bei Jürg Jegge

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Staatsanwaltschaft leitet Vorabklärungsverfahren ein

4:10 min, aus 10vor10 vom 13.4.2017

  • Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat ein Vorabklärungsverfahren gegen den früheren Sonderschullehrer Jürg Jegge eingeleitet.
  • Dabei geht es nach Angaben der Behörde um die Missbrauchsvorwürfe, die vergangene Woche bekannt geworden waren.
  • Es kam zu einer Hausdurchsuchung in Jegges Wohnhaus.
  • Die Staatsanwaltschaft ordnete zudem eine polizeiliche Einvernahme Jegges an.

Gemeinsam mit der Kantonspolizei Zürich führte die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung am Wohnort von Jürg Jegge durch, um allfälliges Beweismaterial zu sammeln.

Die Behörden wollen die Hintergründe und Umstände der Missbrauchsvorwürfe klären, die gegen den früheren Sonderpädagogen geäussert wurden. Deshalb wurde Jegge auch zu einer polizeilichen Einvernahme eingeladen.

Alles verjährt?

Bisher war in den Medien immer die Rede davon, dass alle mutmasslichen Taten bereits verjährt seien. Das Verjährungsrecht in diesem Bereich sei sehr kompliziert und habe sich in den letzten Jahren immer wieder geändert, stellt dazu die Sprecherin der Zürcher Staatsanwaltschaft, Corinne Bouvard, fest: «Es muss deshalb in jedem Einzelfall geprüft werden, ob die Vorwürfe tatsächlich schon verjährt sind.» Die Polizei hat auch eine Telefonnummer veröffentlicht, wo sich Personen mit sachdienlichen Hinweisen melden können.

«  Es muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob die Vorwürfe tatsächlich verjährt sind. »

Corinne Bouvard
Mediensprecherin der Zürcher Staatsanwaltschaft

Das Vorabklärungsverfahren wurde bereits am vergangenen Freitag eingeleitet. Da es sich bei Jegge als Sonderschullehrer um einen ehemaligen Beamten handelt, brauche es zur Eröffnung eines Strafverfahrens die Ermächtigung des Obergerichts, heisst es weiter. Die Staatsanwaltschaft kann jedoch sichernde Massnahmen, die keinen Aufschub ertragen, bereits vorher anordnen.

Die Vorgeschichte

Am vergangenen Dienstag hatte Markus Zangger, ein ehemaliger Sonderschüler von Jegge, im Buch «Jürg Jegges dunkle Seite» Missbrauchsvorwürfe erhoben. Gemeinsam mit dem Co-Autoren des Buchs, dem Journalisten und Autoren Hugo Stamm, schilderte er seine verschiedenen Erlebnisse mit Jegge, zu dem er 1970 als Zwölfjähriger kam.

So soll es unter dem Vorwand einer therapeutischen Massnahme über Jahre zu körperlichen Übergriffen gekommen sein, bei denen sie beispielsweise gemeinsam onaniert hätten. Jürg Jegge bestritt nicht, dass es zu sexuellen Kontakten mit seinem Schüler kam und sagte, dass Zangger auch nicht der Einzige gewesen sei. «Es gab immer dann einen sexuellen Kontakt, wenn ich das Gefühl hatte, es bringe etwas.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Hausdurchsuchung nach Geständnis

    Aus Schweiz aktuell vom 13.4.2017

    Der ehemalige Sonderschullehrer Jürg Jegge hat sexuelle Handlungen mit zehn Kindern gestanden. Nun untersucht die Oberstaatsanwaltschaft Zürich den Fall. Jegges Haus wurde bereits durchsucht, er wird von der Polizei befragt.

  • Fall Jegge: Wie weit ging die «Reformpädagogik»?

    Aus 10vor10 vom 10.4.2017

    Die bekannt gewordenen sexuellen Übergriffe rechtfertigt der Pädagoge Jürg Jegge damit, dass es sich hierbei um eine Befreiung der Schüler gehandelt habe. Solche Aussagen rücken die ganze Reformpädagogik vergangener Jahrzehnten in ein neues Licht: Wie weit ging die Zwanglosigkeit damals wirklich?