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Schweiz Haussanierung: Werden Mieter künftig weniger zur Kasse gebeten?

Viele Mieter kennen das: die Wohnung wird saniert und dann geht der Mietpreis nach oben. Denn teilweise dürfen die Hauseigentümer die Kosten von wertvermehrenden Investitionen auf die Mieter überwälzen. Nun aber überprüft der Bund diesen Wert. Zur Freude der Mieter könnte er sinken.

Ein Mann mauert.
Legende: Die Sanierung von Häusern schlägt sich nicht selten im Mietpreis nieder. Nach einer Faustregel von 1978. Keystone

Die alte Fassade wird isoliert, die Wohnung erhält neu einen Balkon, und plötzlich surrt im Haus ein Lift: Solche Investitionen kosten viel Geld. Die Kosten für solch umfassende Sanierungen dürfen die Hauseigentümer derzeit zu 50 bis 70 Prozent auf die Mieter überwälzen. So sagt es eine Faustregel aus dem Jahr 1978.

Rückmeldungen aus der Praxis

Dazu sagt Cipriano Alvarez vom Bundesamt für Wohnungswesen: «Nach so langer Zeit ist vielleicht die Zeit gekommen, da man diese Faustregel überprüfen sollte.» Und genau das mache das Bundesamt für Wohnungswesen nun. Künftig könnten könnten Mieter nach einer Sanierung eventuell weniger stark zur Kasse gebeten werden.

Der Überwälzungssatz könnte also durchaus sinken. Denn, so fügt Alvarez hinzu: «Wir haben aus der Praxis gewisse Rückmeldungen, dass diese Sätze heute zu hoch sein könnten.»

Hauseigentümer kündigen Widerstand an

Grösste Bedenken dazu äussert der Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbands, Ansgar Gmür. So würden Anreize für Hauseigentümer, ihr Haus zu sanieren, schwinden: «Wenn ein Eigentümer seine Wohnungen saniert und er die Kosten immer weniger überwälzen kann, dann ist das für ihn nicht mehr interessant.»

Der Hauseigentümerverband würde einen tieferen Überwälzungssatz daher vehement bekämpfen, meint Gmür.

Mieterverband begrüsst Überprüfung

Ganz anders sieht es der Mieterinnen- und Mieterverband. Dort freut sich Generalsekretär Michael Töngi, dass der Satz überprüft wird. Denn: «Aus unserer Sicht ist er zu hoch. Wir haben verschiedene Berechnungen angestellt, die zeigen, dass der Überwälzungssatz auch bei guten energetischen Sanierungen bei 30 bis 50 Prozent liegt.»

Wie viel sollen Mieter also künftig an eine Sanierung beitragen? Das Bundesamt für Wohnungswesen will die Resultate noch diesen Sommer präsentieren.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Ola-la, jetzt zeigen sich die Liegenschaftseigentümer aber wiederum "sehr kleinlich". Gewissen Politikern wird Gier usw. vorgeworfen. Wenn es um die eigenen Gewinne geht, zeigt sich hier erneut die Grundhaltung zum Geld. Wir sind Mieter in einem Mehrfamilienhaus seit 32 Jahren. Bis anhin zahlten wir meistens die Investitionen des Gebäudebesitzers mit zu hohen Anteilen (bis 80%). Beim Referenzzinssatz, welcher sich auf einem Tiefstand von 1.75 % befindet , muss man um die Mietzinssenkung kämpfen.
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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Nehmt Eure Wohnhäuser vom Markt oder reisst sie ab, es kommt Euch auf lange Sicht günstiger.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Es gibt schon Vermieter die übertreiben gerne mit der Mieterhöhung bei einer Sanierung. Auch neue Küchen sind oft nur Standardküchen und billige Modelle. Fassadenisolierung, neue Böden und Küche (Fenster und Bad vor einigen Jahren erneuert) ergibt schnell eine Mieterhöhung von 450 - 600 Fr. Die Heizkosten bleiben trotzdem hoch. Es muss ja nicht alles in hohem Prozentsatz auf die Mieter überwälzt werden.
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