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Schweiz Heilmittelgesetz: Suche nach der richtigen Mischung

Arzt oder Apotheker? Diese Frage werden sich Patientinnen und Patienten vielleicht bald stellen, wenn sie ein rezeptpflichtiges Medikament brauchen. Mit dem neuen Heilmittelgesetz nimmt der Nationalrat heute den grössten «Brocken» der Sondersession in Angriff. Es gibt einige Interessenkonflikte.

Legende: Video Es geht um viel Geld abspielen. Laufzeit 03:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.05.2014.

Der Entwurf zum revidierten Heilmittelgesetz betrifft die Pharmaindustrie ebenso wie Ärzte, Apotheker, Drogisten, Grossverteiler und Behörden. Wer darf künftig wem welches Medikament abgeben? So lautet eine der zentralen Fragen. Der Bundesrat will die Regeln lockern, um die Selbstmedikation zu vereinfachen.

Die Kommission prüfte rund 130 Anträge und nahm dabei die finanziellen Aspekte genauer unter die Lupe. Abweichende Anträge zum bundesrätlichen Vorschlag gibt es in verschiedenen Bereichen.

Neue Regeln spalten Ärzte und Apotheker

Gemäss Revision sollen Apotheken künftig einige rezeptpflichtige Medikamente selbst abgeben dürfen, müssen aber ihre Kunden zuvor fachlich beraten. Die Liste der betreffenden Medikamente erstellt das Heilmittelinstitut Swissmedic. Drogerien sollen alle nicht rezeptpflichtigen Medikamente verkaufen dürfen. Einige dieser Mittel sollen künftig auch im Detailhandel erhältlich sein, etwa Tees oder Halswehtabletten.

Apotheke
Legende: Das neue Heilmittelgesetz gibt den Apotheken mehr Kompetenzen. Es geht zulasten der Ärzte. Keystone

Die Kommission möchte die Wahlfreiheit der Patienten noch mehr stärken: Danach müssten Hausärzte, die Medikamente direkt in der Praxis abgeben, bei jeder Verschreibung ein Rezept ausstellen. So könnte der Patient entscheiden, wo er das Mittel beziehen will.

Den Versandhandel will die Kommission strikter regeln. So soll der Patient mit der Bestellung ein ärztliches Rezept einreichen.

Mehr Transparenz über «Anreize»

Die Medikamentenabgabe in Arztpraxen wird als solche nicht angetastet. Mehr Transparenz soll aber her, wenn Pharmafirmen Ärzten und Apothekern ihre Produkte mit Anreizen schmackhaft machen. Gewisse Rabatte sollen gemäss Bundesrat ganz verboten werden – aber nicht alle, damit noch ein wenig Wettbewerb bleibt. Bei Vorteilen oder Geschenken wie Warenboni oder Gratismuster sollen jedoch klare Grenzen gelten.

Ärzte und Apotheker müssten künftig auf Rechnungen auch deklarieren, welche Preisrabatte und Rückvergütungen sie beim Einkauf eines Heilmittels erhalten haben. Geschäftliche Verbindungen zu Herstellern sind offenzulegen. Bei Vergehen sind Geld- oder sogar Freiheitsstrafen vorgesehen.

Die Kommission will teilweise noch schärfere Massnahmen, damit Leistungserbringer ihren persönlichen Gewinn nicht über das Patienteninteresse stellen. Unter anderem soll das Verbot nicht gebührender Vorteile alle Heilmittel umfassen und nicht nur die verschreibungspflichten Medikamente.

Bessere Information

Eine Informationsdatenbank zu den zugelassenen Medikamenten soll zugleich eine bessere Patienteninformation ermöglichen. Die Publikation solcher Angaben ist bisher Sache der Pharmafirmen, wobei diese gemäss Bundesrat ihrer Pflicht nicht immer nachkommen. Die Kommission schlägt vor, dass Swissmedic entgegen dem Bundesrat hier keine permanenten Aufgaben erhalten soll, sondern die Arzneimittelinformation elektronisch durch eine Stiftung gewährleistet wird. Diese würde von Pharmabranche, Ärztinnen und Apothekern getragen.

Mehr Spielraum für Komplementärmedizin

Die Revision regelt aber auch die Zulassung von Medikamenten der Komplementärmedizin und Pflanzenheilkunde, die leichter zugänglich werden sollen.

Hier einigte sich die Kommission auf einen Kompromiss: Betriebe mit einer Herstellungsbewilligung von Swissmedic sollen kleine Mengen von Komplementärarzneimitteln zulassungsfrei produzieren und über Apotheken und Drogerien verkaufen können. Es darf allerdings keine zugelassene Alternative geben.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von E.Wagner, Zug
    Wie ich finde belastet das nur die Kranken-Kasse, wenn man zuerst zum Doc. für die Weiterbehandlung mit z.B. Bluthochdrucktabletten, der gut eingestellt ist, nur weil die Tabletten aufgebraucht sind? Das macht keinen Sinn nur so kann der Arzt eine Behandlung wieder aufschreiben, die nicht nötig gewesen wäre.So steigen nur die KK-Kosten
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    1. Antwort von Andrea Ullius, Chur
      das muss man ja auch nicht. dazu gibt es die dauerrezepte.
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  • Kommentar von Peter E. Donner, Esslingen am Neckar
    Das deutsche Apothekengesetz zwar nicht das Beste, aber immer noch besser als das was in CH so läuft. Rezeptpflichtige Medis haben nur etwas in der Apotheke verloren und der Arzt darf nur Probepackungen abgeben.
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    1. Antwort von Otmar Häfliger, Dagmersellen
      Warum eigentlich? Der Arzt beurteilt, was der Apotheker abzugeben hat, auf Grund einer DIAGNOSE! Dafür ist der Apotheker nicht ausgebildet. Es braucht keine spezielle Fähigkeit, das Medikament aus der Schublade zu nehmen, das kann die Assistentin des Arztes so zuverlässig wie jene des Apothekers. Die Apotheke des Arztes unterliegt den gleichen Vorschriften wie jene der Apotheken! Die CH Lösung mit der direkten Medikamentenabgabe ist erwiesenermassen patientenfreundlich, sicher und kostengünstig.
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