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Schweiz Hervé Falciani: Der Mann, der am Schweizer Bankgeheimnis rüttelte

Für die einen ist er ein Held, für die andern ein Krimineller: Der ehemalige Informatiker der Grossbank HSBC hat 2008 mutmasslich Bankkundendaten entwendet und sie verschiedenen Staaten angeboten. Ging es ihm um mehr Transparenz beim Thema Steuerflucht, oder ging es ihm um den eigenen Profit?

Hervé Falciani an einer Medienkonferenz Ende Oktober 2015
Legende: Hervé Falciani an seiner Medienkonferenz Ende Oktober 2015 kurz vor Prozessbeginn in Bellinzona. Keystone

Ob Hervé Falciani ein Held ist, der gegen Steuerflucht ankämpfte, oder ob er schlicht ein Wirtschaftskrimineller ist, der das Schweizer Bankgeheimnis verletzt hat - diese Frage hat das Bundesstrafgericht in Bellinzona juristisch geklärt: Es verurteilte den Datendieb zu fünf Jahren Haft wegen Wirtschaftsspionage.

Steuerbehörden in mehreren Ländern haben von Falcianis Daten profitiert: Sie konnten wohl mehrere hundert Millionen Franken generieren.

November 2015

Legende: Video Prozess ohne den Angeklagten abspielen. Laufzeit 01:45 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.11.2015.

Die Bundesanwaltschaft zerrt Hervé Falciani vor das Bundesstrafgericht. Sie wirft ihm unter anderem unbefugte Datenbeschaffung und Verletzung des Bankgeheimnisses vor. Falcianis Darstellung, als «weisser Ritter» gehandelt zu haben, sei ein Lügengespinst, so Carlo Bulletti, der die Bundesanwaltschaft vertritt. Er fordert im Prozess, der in Abwesenheit des Angeklagten geführt wird, eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Die Verteidigung will hingegen eine bedingte Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren.

Oktober 2015

Hervé Falciani präsentiert an einer Medienkonferenz wenige Tage vor Prozessbeginn ein Buch, in dem er seine Sicht der Dinge darstellt. Der mittlerweile 43-Jährige tut das unmittelbar vor der Schweizer Grenze, aber noch auf französischem Terrain, um vor der Schweizer Justiz sicher zu sein.

Juli 2012

Der mutmassliche Datendieb wird in Spanien verhaftet. Grundlage ist ein internationaler Haftbefehl der Schweizerischen Bundesanwaltschaft. Im Mai 2013 entscheidet Spanien allerdings, dass Falciani nicht an die Schweiz ausgeliefert wird. Auch in Italien und Frankreich kann sich Falciani frei bewegen, weil er Doppelbürger dieser beiden Länder ist.

Februar 2008

Hervé Falciani, aufgenommen im Sommer 2010.
Legende: Hervé Falciani, aufgenommen im Sommer 2010, als der Fall rund um gestohlene Bankdaten bereits in vollem Gang war. Keystone

Im Februar 2008 reist Falciani unter einem Pseudonym in den Libanon. Mit einer Komplizin will er dort Daten über sieben französische HSBC-Kunden andern Privatbanken anbieten. Der Fall fliegt auf, weil die Angestellte einer dieser Banken die Schweizerische Bankiervereinigung informiert.

Im Mai 2008 eröffnete die Bundesanwaltschaft nach Hinweisen ein Strafverfahren. Sie ist überzeugt, dass Falciani die Kunden an die Konkurrenz vermitteln wollte - gegen Geld.

2001-2008

Logo am Sitz der HSBC in Genf
Legende: Bei HSBC war Hervé Falciani 2001 bis 2008 Informatiker. Keystone

Hervé Falciani arbeitet mehrere Jahre lang bis 2008 als Informatiker bei der britischen Grossbank HSBC. In der Genfer Niederlassung soll der französisch-italienische Doppelbürger riesige Bankdaten gestohlen und später verschiedenen Staaten angeboten haben, so die Anklage der Bundesanwaltschaft. Der Fall schlägt in der Folge riesige Wellen und sorgt zeitweise gar für Verstimmungen zwischen der Schweiz und Frankreich.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler (Peter Beutler)
    Falciani ist ein anständiger, ehrenwerter Dieb. Er hat etwas Gutes getan für unser Land. Er hat Diebesgut sichergestellt. Und die Diebe: korrupte Wirtschaftskapitäne, Verbrechersyndikate, Steuerbetrüger, Waffenschieber, mafiöse Banden, Diktatoren, kriminelle Börsen-, Boden-, Immobilienspekulanten. Die Fluchtburg "Bankgeheimnis" ist geschleift. Herzlichen Dank! Falciani wird keine Sekunde davon absitzen müssen. Diejenigen, die ihn verurteilt haben, machen sich vor der ganzen Welt lächerlich.
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  • Kommentar von E. Wagner (E. Wagner)
    An einen modernen Robin Hood glaube ich nicht, eher an einen Nimmer satt, wie es fast alle Banker sind auch wenn er nur als Informatiker tätig war. Die Gelegenheit als solcher hat er klar ausgenützt um an die Daten zu kommen.
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  • Kommentar von Daniel Kellerhals (Daniel Kellerhals)
    Ein Dieb ist ein Dieb und bleibt ein Dieb. Ein Dieb gehört verurteilt. Dieser F. Gehört gleich behandelt wie die Posträuber.
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